Interview Meldung

Lutz Wilde,
Rechtsredakteur bei Finanztest

Im Möbelhandel sind hohe Anzahlungen üblich – Insolvenzen auch.

test: Viele Möbelhäuser verlangen vom Kunden hohe An­zah­lungen, gleichzeitig werden viele Händler insolvent.

Wilde: Richtig, Pleiten sind im Möbelhandel besonders häufig, das kann auch etablierten Mö­belhäusern passieren. Kunden sollten daher vorsichtig sein. Verlangt der Händler hohe An­zahlungen, kann das ein Zeichen dafür sein, dass er in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Das gilt erst recht, wenn er Kunden mit einem großen Preisnachlass zu Anzahlungen überreden will.

test: Wenn das Möbelhaus pleite ist, was passiert dann mit der Anzahlung?

Wilde: Die ist in der Regel futsch. Vorhandenes Geld, also auch geleistete Anzahlungen, fallen in die Konkursmasse, aus der in der Regel zunächst ausstehende Löhne oder et­wa Forderungen der Krankenkassen bezahlt werden. Wird ein Konkursverfahren eröffnet, sollte man sich als Anzahlungskunde mit dem Konkursverwalter in Verbindung setzen. Vielleicht kann er ja überraschend liefern. Wer seine Möbel mittlerweile woanders kaufen will, sollte sich vom Verwalter bestätigen lassen, dass er nicht auf Einhaltung des Vertrags besteht oder ihm eine Frist zur Lieferung setzen. Nach Ablauf kann man vom Vertrag zurücktreten und sollte erst dann die Schrankwand anderswo kaufen.

test: Darf der Händler denn ü­ber­haupt eine Anzahlung verlangen?

Wilde: Es steht beiden Vertragspartnern frei, eine Anzahlung zu vereinbaren. Verlangt der Händler das, muss der Kunde sich ja nicht darauf einlassen, sondern kann in ein anderes Möbelhaus gehen. Allerdings: Wird eine Anzahlung vereinbart, haben verschiedene Ge­richte entschieden, dass sie nicht zu hoch ausfallen darf. So hat das Oberlandesgericht Dresden 20 Prozent für zu viel gehalten. Wir raten, auf keinen Fall mehr als 5 bis 10 Prozent des Kaufpreises vorzustrecken. An­ders ist das bei Möbeln, die individuell im Auftrag des Kunden hergestellt werden. Doch auch da sollten Käufer bedenken, dass zwischen Kaufvertrag und Lieferung oft Monate vergehen.

test: Gerade bei Räumungsverkäufen win­ken oft Schnäppchen. Wie sieht es da mit der Gewährleistung aus?

Wilde: Ganz einfach: Bei einem Händler, den es gar nicht mehr gibt, können Sie auch keine Mängel reklamieren. Der Schnäppchenpreis geht also einher mit dem Verzicht auf die zweijährige Gewährleistung. Das muss man einkalkulieren. Als Ersatz kann man auf die Garantie vom Hersteller zurückgreifen, wenn das Schnäppchen denn mit einer solchen Garantie versehen ist. Dann steht der für Mac­ken ein. Aber Achtung: Manche Garantiebedingungen sehen vor, dass die Kunden die Möbel dann vorbeibringen oder auf eigene Kosten verschicken müssen.

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