Interview Meldung

Hajo Gekeler hilft Opfern unseriöser Anbieter von Ferienwohnrechten

Jedes Jahr werden zahlreiche Deutsche in den Ferien zum Abschluss so genannter Timesharingverträge überredet. Sie kaufen für viele Jahre das Recht, für eine oder mehrere Wochen im Jahr eine Ferienwohnung zu nutzen. Doch meist handelt es sich um völlig überteuerte Ferienwohnrechte. ­Hajo Gekeler, Präsident der Schutzvereinigung für Timesharing, nennt die Tricks der Anbieter.

Finanztest: Mit welchen Tricks arbeiten dubiose Anbieter?

Gekeler: Gleich nach der Umsetzung der EU-Richtlinie, die Verbraucher bei Verträgen mit einer Laufzeit von drei Jahren schützt, starteten die schwarzen Schafe der Branche den Verkauf von Urlaubswochen für so genannte Holiday-Packs, also von Urlaubspaketen. Diese Verträge laufen nur 35 Monate oder kürzer. Seit zwei Jahren geht man noch dreister vor: Verkauft werden Clubmitgliedschaften, die meistens deutlich teurer als ein Urlaub im Viersternehotel sind. Leider bietet sich hier unter anderem auch der große Tauschpool RCI als Partner zum Urlaubstausch an und macht damit diese überteuerte, rechtlich unsichere Konstruktion für Urlauber auch noch interessant.

Finanztest: Wie kann man aus diesen Verträgen aussteigen?

Gekeler: Die spanischen Gerichte behandeln diese Verträge als Umgehung des Timesharinggesetzes. Wichtig ist: Wer innerhalb von drei Monaten nach Vertragsabschluss per Einschreiben an den Verkäufer kündigt oder vom Vertrag zurücktritt, ist aus dem Schneider.

Finanztest: Auch beim Wiederverkauf wird abgezockt. Worauf sollte man sich beim Versuch, sein Wohnrecht wieder loszuwerden, auf keinen Fall einlassen?

Gekeler: Grundsätzlich gilt: Wer den Verbraucher zu Hause überraschend anruft und vorspiegelt, er habe einen Kaufinteressenten für das Teilzeitwohnrecht, führt nichts Gutes im Schilde. Auf gar keinen Fall zur Verkaufsabwicklung nach Spanien reisen oder Geld an irgendjemand überweisen, den man nicht kennt. Um Betrug handelt es sich, wenn Wiederverkäufer für Grundbuchauskünfte oder Einträge ins Grundbuch oder etwa noch zu zahlende Steuer Geld verlangen.

Finanztest: Was können Timesharer tun, wenn sie bereits hereingefallen sind?

Gekeler: Am besten die Schutzvereinigung in Wiesbaden (Telefon 06 11/­­52 71 10) kontaktieren. Hier gibt es Listen unseriöser Anbieter und Wiederverkäufer und kompetente Beratung. Parallel dazu sollte man Strafanzeige bei der nächsten Staatsanwaltschaft erstatten.

Finanztest: Kann man ausländische Abzocker in Deutschland verklagen?

Gekeler: Für in Deutschland abgeschlossene Verträge ist das kein Problem. Einige wenige deutsche Gerichte nehmen mittlerweile auch Klagen gegen im Ausland geschlossene Verträge an. Das hängt aber vom Einzelfall ab.

Finanztest: Wofür setzt sich die Schutzvereinigung ein?

Gekeler: Für eine schnelle Nachbesserung der EU-Richtlinie wie zum Beispiel die Ausdehnung des Verbraucherschutzes auf alle Verträge ohne Laufzeitbeschränkung. Auch sollte die Haftung aller irgendwie am Vertrag beteiligten Personen und Unternehmen (zum Beispiel Verkäufer, Tauschpools) aufgenommen werden und der Gerichtssitz ausschließlich am Wohnsitz des Verbrauchers sein.

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