Interview Meldung

Rechtsanwalt Tobias H. Strömer

Auf eine echte Reform des Telekommunikationsrechts mit Schutz vor Telefon- und Internetabzockern müssen Kunden weiter warten. Trotzdem haben sie im Streitfall gute Karten, sagt der Düsseldorfer Anwalt Tobias H. Strömer.

Finanztest: Wie wehrt man sich gegen seltsame Posten auf der Telefonrechnung?

Tobias H. Strömer: Einfach nicht bezahlen. Der 0 190-Anbieter muss einen wirksamen Vertragsschluss nachweisen. Wer nicht bewusst 0 190er-Nummern per Telefon oder Computer gewählt hat oder über Gebühren nicht informiert wurde, muss nicht zahlen.

Finanztest: Dann kommt aber Mahnpost. Was tun?

Tobias H. Strömer: Man sollte schriftlich widersprechen. Der Telefonanbieter – oft die Telekom – zieht die Gebühren dann zumeist nicht ein. Kommt eine Mahnung, sollte man nur zahlen, wenn die Gebühren plausibel sind, und ansonsten hart bleiben. Klagen von Netzbetreibern und 0 190-Anbietern sind selten. Wer bereits bezahlt hat, müsste aber selber klagen.

Finanztest: Hat man Rechte, wenn ­technisch belegt ist, dass eine 0 190-­Verbindung bestand?

Tobias H. Strömer: Ja. Weist der Kunde etwa nach, dass eine teure Internetverbindung über einen Autodialer entstand, muss er nicht zahlen. Autodialer sind Programme aus dem Netz, die 0 190-Nummern ohne Kenntnis des Kunden wählen. Ist die Verbindung über einen Dialer entstanden, von dem der Kunde wusste, hat er gute Karten, wenn der Anbieter auf der Website nicht ordentlich über die Kosten informiert hat.

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