Internetvideotheken Test

Leih­vi­deos können ganz bequem im Internet bestellt werden. Sie kommen per Post oder per DSL zum Kunden. Große Unterschiede gibt es bei Auswahl und Service.

Die wenigsten haben eine wohlsortierte Videothek gleich um die Ecke. Wie bequem wäre es da, wenn interessante Filme frei Haus geliefert würden. Internetvideotheken versprechen genau das, elf von ihnen haben wir geprüft. Bei den meisten läuft nur die Bestellung über das Internet, die Videos werden per Post auf DVD geliefert. Doch es gibt auch Angebote, bei denen die Videos direkt übers Netz übertragen werden. Video on Demand, also Videos auf Abruf, heißt das auf Neudeutsch.

Gute Auswahl bei DVD-Versendern

Ist die Auswahl an Videos aber auch groß genug? Darum ging es im ersten zentralen Prüfpunkt, in dem wir das Angebot der Internetvideotheken mit einer Liste von etwa 300 neueren und klassischen Kinofilmen und von rund 50 der aktuell beliebtesten Fernsehserien abgeglichen haben. Spitzenreiter ist Verleihshop.de mit über 90 Prozent der abgefragten Filme und fast allen TV-Serien. Das Schlusslicht bei den DVD-Versendern bildet hier dvd-mieten.de, der nicht einmal die Hälfte der abgefragten Filme und Fernsehserien bietet.

Schlechte Auswahl bei Abrufvideos

Durchweg mager ist die Auswahl bei den Video-on-Demand-Anbietern. Ein Grund für die schlechte Bilanz: Für den Onlineabruf gibt es längst nicht für jeden Film eine Verleihlizenz. Doch mit einem so schmalen Angebot werden sich die Onlineanbieter kaum als vollwertige Alternative zum DVD-Verleih etablieren können.

Mängel bei der Datenerfassung

Um Videos zu bestellen, muss man sich auf den Websites erst einmal anmelden. Die allgemeinen Informationen über Geschäfts- und Lieferbedingungen sind oft lückenhaft. Zwiespältig auch die Erfassung von Kundendaten: Nur bei DVDone und Verleihshop.de kann man sich anmelden, ohne eine Bankverbindung hinterlegen zu müssen. Und mit der Verschlüsselung nehmen es die Anbieter oft nicht so genau. Den gesamten Bestellvorgang sichern die wenigsten. Versender ovideo überträgt dabei sogar die Kontoda­ten unverschlüsselt. Oft bleiben auch Fragen offen, wie man die beim Anbieter gespeicherten Daten wieder löschen kann.

Immerhin lassen sich die meisten Websites problemlos handhaben. Einzig die Seiten von Filmtaxi.de waren während des Prüfzeitraums so langsam, dass sie sich nur schwer nutzen ließen. Auch die Suchfunktionen, mit denen man das gesamte Filmangebot durchforstet, wären bei manchen Anbietern noch verbesserungsfähig.

Ebenso gibt es bei den Lieferzeiten noch einiges zu tun – wieder vor allem bei ovideo. Während Video Buster, DVDone und Lovefilm im Schnitt nach ein bis zwei Tagen lieferten, brauchte ovideo fast eine Woche (Grafik). Hat man die Videos angeschaut, schickt man sie zurück. Das ist meist unkompliziert: Einfach die DVDs in den bereits frankierten Um­schlag stecken und in den nächsten Briefkasten werfen. Nur dvd-mieten.de verlangt, dass man die Videos per Einschreiben zurückschickt. Schlangestehen bei der Post statt Fahrt zur Videothek – damit ist der Bequemlichkeitsvorteil des Internetangebots dahin.

Ab 4,50 Euro für Film und Versand

Beim Preis können die Internetvideotheken die Videothek an der Ecke kaum schlagen – jedenfalls nicht bei Einzelbestellungen. Die günstigste einzelne Leih-DVD inklusive Versand kostete 4,50 Euro im Test – bei DVDone. Die Bequemlichkeit hat eben ihren Preis. Neben DVDone bieten vier weitere DVD-Versender Einzelbestellungen an, die sich besonders für unregelmäßige Nutzer eignen. Die Leihfrist beträgt bei Einzelbestellungen eine Woche.

Abonnements für Vielseher

Wer regelmäßig Videos haben möchte, für den lohnt sich ein Abovertrag. Bei Lovefilm kostet das Einstiegspaket zum Beispiel 6,99 Euro im Monat. Dafür bekommt man zweimal monatlich eine DVD zugeschickt. Dabei stellt sich der Kunde auf der Website eine Wunschliste von Filmen zu­sammen, die der Verleiher je nach Verfügbarkeit abarbeitet. Leihfristen gibt es nicht, Nachschub kommt aber erst, wenn man die alten Videos zurückge­schickt hat. Bei Lovefilm und Filmtaxi.de können Kunden Filme nicht einzeln bestellen, sondern nur solche monatlichen Abonnements abschließen. Video Buster und ovideo bieten dagegen sowohl Einzelbestellungen als auch Abos.

Der Preisvergleich ist bei den Abos schwierig, da die Pakete sehr unterschiedlich geschnürt sind. Sie unterscheiden sich danach, wie viele Videos pro Monat man leiht, wie viele gleichzeitig geliefert werden und ob Versandkosten inklusive oder extra abgerechnet werden. Erfreulich: Meist sind die Verträge kurzfristig kündbar.

Videos als Datenstrom und Download

Für Video on Demand ist ein schneller Breitbandinternetzugang per Kabel oder DSL (siehe Test Internetprovider 11/2008) und ein Internettarif mit unbegrenztem Datenvolumen (Datenflatrate) wichtig. Bei den getesteten Angeboten werden die Videos am PC abgespielt. Es gibt auch Möglichkeiten, Abrufvideos über eine spezielle Empfängerbox auf den Fernseher zu bringen. Diese Angebote sind aber meist an bestimmte Internetprovider wie Alice, Arcor oder T-Home gebunden. Wir haben nur Angebote geprüft, die unabhängig vom Internetprovider nutzbar sind.

Dabei finden die Videos über zwei verschiedene Verfahren auf den Rechner. Beim Streaming (englisch für Strömen, Fließen) wird das Video in Echtzeit übertragen. So kann man den Film sofort ansehen, braucht aber eine wirklich schnelle Leitung. Für die optimale Bildqualität sollten es 6 000 Kilobit pro Sekunde sein. Zweite Möglichkeit ist das Herunterladen. Beim Download lädt man das Video erst auf den Rechner und gibt es dann wieder. So kommt man auch mit einer 1 000-Kilobit-Leitung in den Genuss einer guten Bildqualität.

Ein erfreuliches Ergebnis des Tests: Bei der Bild- und Tonqualität gab es kaum Probleme. Zwar hatten die Leih-DVDs etliche Kratzer, doch mit einer einzigen Ausnahme bei ovideo ließen sich alle Videos auf mehreren Abspielgeräten klaglos wiedergeben. Auch die Onlinevideos sahen „gut“ aus und liefen meist problemlos. Nur bei Arcor war die Qualität nicht bei allen geprüften Videos so gut wie bei der Konkurrenz.

Auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen haben wir geprüft. Bis auf Verleihshop.de haben alle den einen oder anderen juristischen Mangel. So wollen sich einige vorbehalten, Preise oder Geschäftsbedingungen zu ändern, ohne den Kunden rechtzeitig zu informieren oder ihm ein Kündigungsrecht einzu­räumen. Oder sie wollen jegliche Haftung für Datenmissbrauch durch Dritte ausschließen. Video Buster will seine Kunden auch nach Vertragsende noch mit Werbemails bedenken. All das ist so nicht zulässig. In den AGB zum DVD-Verleih leistet sich Video Buster so viele Mängel, dass sie den Anbieter eine halbe Note im test-Qualitätsurteil kosteten.

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