Kundenrechte: Was Käufer tun können

Kaum Chancen auf „Geld zurück“

Sehr ärgerlich: Betroffene Besitzer eines Geräts können sich nur an den Verkäufer wenden. Und selbst das können sie nur, wenn sie das Gerät gekauft haben, als der Internet­radio-Empfang schon nicht mehr funk­tionierte. In diesem Fall dürfen sie das Gerät zurück­geben und ihr Geld zurück­verlangen. Eine Nachbesserung scheidet aus, so lange nicht mal Sony selbst das Internet­radio wieder in Betrieb bekommt. Recht­licher Hintergrund: Die Sachmängelhaftung greift nur ein, wenn die Ware schon bei Kauf Fehler hat. Zwar gilt die gesetzliche Vermutung, dass der Fehler schon bei Lieferung vorlag, wenn in den ersten sechs Monaten ab Kauf Probleme auftreten. Doch das hilft Kunden hier wahr­scheinlich nicht. Der Verkäufer wird wohl nach­weisen können, dass das Internet­radio anfangs noch funk­tionierte. Gegen­über einem unserer Leser verhielt sich der Händler entsprechend und verwies direkt an Sony.

Auch die Sony-Werk­garantie nutzt nichts

Auch die Sony-Werks­garantie nutzt Besitzern eines betroffenen Sony-Radios nichts. Wo andere Hersteller eine Funk­tions­garantie gewähren, will Sony nur dafür gerade­stehen, „dass das Produkt zum Zeit­punkt des ursprüng­lichen Erwerbs und für die Dauer von einem (oder zwei Jahren bei Kauf beim Vertrags­händler, Anm. d. Red.) Jahr ab Kauf­datum frei von Material- und Fertigungs­fehlern ist.“ Nur wenn „aufgrund von Material- oder Fertigungs­fehlern am Produkt ein Defekt auftritt“, gibt es eine Garan­tiere­paratur. „Diese Garantie gilt nur für die Hard­ware­komponenten des Produkts“, betont Sony in den Garan­tiebedingungen.

Ähnliche Probleme waren schon vor Gericht

Die Gerichte in Deutsch­land geben Käufern in vergleich­baren Fällen zuweilen einen Schadens­ersatz­anspruch wegen „Verletzung einer nach­vertraglichen Treue­pflicht“. So hat das Amts­gericht Rüssels­heim schon einmal Opel zu Schaden­ersatz verurteilt, weil das Unternehmen für einen 1993 vom Band gelaufenen Wagen im Jahr 2001 keinen Zylinder­kopf als Ersatz­teil liefern konnte. Das Problem aber für Besitzer eines Sony Internet­radios: Die Pflicht trifft den Verkäufer, und der kann sicher nichts dafür, dass das Internet­radio nicht mehr funk­tioniert.

Vorgehen gegen Sony extrem kompliziert

Von Rechts wegen die einzige Chance für Käufer eines Internet­radios: Sie fordern vom Verkäufer die Abtretung von Rechten, die ihm gegen den Vorverkäufer zustehen. Wenn sie dann schließ­lich vom ersten Groß­händler die Rechte gegen Sony erstritten haben, könnten sie von dort Schaden­ersatz fordern. Voraus­setzung: Die Kunden weisen nach, dass Sony für die Abschaltung des vTuners verantwort­lich ist, weil das Unternehmen etwa Verträge mit dem Streaminganbieter nicht verlängert hat oder Leistungen schuldig blieb.

Im Zweifel heißt es „abwarten“

So einen Rechts­streit wird sich niemand antun. So hilft es vermutlich nur abzu­warten, ob Sony das Problem mit vTuner doch noch in den Griff bekommt. Passiert das nicht, müssen Betroffene erneut in die Tasche greifen und sich ein neues Internet­radio kaufen. Ein Gerät von Sony wird es dann wohl nicht werden. Der Test von Digitalradios zeigt Alternativen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 63 Nutzer finden das hilfreich.