Internetprovider Test

Wer im Internet surfen will, braucht einen Provider, der ihm das Tor öffnet. Wir haben Technik, Service und Preise von zehn großen Anbietern verglichen – jeweils für den ISDN- und den DSL-Zugang. T-Online liegt vorn.

Der Weg auf die Schnellspur der Datenautobahn war im letzten Sommer mit vielen Ködern ausgelegt. Kein Bereitstellungspreis, Modem gratis und einen Monat kostenlos surfen, lautete das „sensationelle Angebot“ von T-Com und T-Online. Freenet hatte gar einen „Preiskampfsommer“ mit „Null-Euro-Paketen im Kopf-an-Kopf-Rennen“ ausgerufen. Auch die anderen großen Internetprovider lockten potentielle Kunden mit ähnlichen Schnäppchen für einen schnellen DSL-Anschluss.

DSL (Digital Subscriber Line, zu deutsch digitale Teilnehmerleitung) steht für einen schnellen Internetanschluss. Man spricht auch von Breitband. Das Herunterladen von Musikstücken und Videos oder die Nutzung von Online-TV und Webtelefonie werden damit erst attraktiv. Selbst wer das alles nicht nutzt, surft mit DSL viel schneller als mit einem analogen Modem oder ISDN (Schmalband) und hat damit einen deutlichen Komfortgewinn. Der muss allerdings bezahlt werden. Für Breitband wird eine monatliche Anschlussgebühr von rund 17 Euro (DSL 1000) berechnet. Beim Einstieg sind für die Bereitstellung und das Modem, wenn sie nicht gerade per Sonderaktion verschenkt werden, jeweils rund 100 Euro fällig. Hinzu kommen die Tarifkosten (siehe Tabellen „DSL...“).

Bis vor kurzem führte beim schnellen Internet kaum ein Weg an der Telekom vorbei. Seit kurzem können aber auch Anbieter ohne eigenes Netz den DSL-Zugang unter ihrem Namen und mit eigener Rechnungsstellung vermarkten. Seitdem tobt der Preiskampf. Denn Breitbandverbindungen versprechen nicht nur höhere Gewinnmargen, sie sind auch die Vor­aussetzung für eine Flut von kostenpflichtigen Angeboten, mit denen die Provider Umsatz machen wollen.

Die meisten Internetnutzer surfen aber immer noch im Schneckentempo: über ein analoges Modem. Es erlaubt nur eine Übertragungsgeschwindigkeit von 56 000 Bit pro Sekunde, was etwa 3,5 Seiten Text entspricht. Das reicht für moderne Multimediaanwendungen längst nicht mehr aus. Weitere Nachteile sind die störanfällige Übertragung und die Tatsache, dass immer nur eins möglich ist: entweder im Netz surfen oder telefonieren. Wer einen ISDN-Anschluss hat, kann beides gleichzeitig, denn hier stehen zwei Leitungen zur Verfügung. Die digitale Übertragung ist zudem schneller. Wird nur ein Kanal genutzt, sind es in der Regel bis zu 64 000 Bit pro Sekunde. Man kann das Tempo auch verdoppeln (leider auch die Surfkosten), wenn beide Leitungen genutzt werden (Kanalbündelung).

Mit DSL beschleunigen

Internetprovider Test

DSL steht für schnelles Internet. Dafür reicht schon ein analoger Telefonanschluss aus. Ein Splitter trennt die Internet- und Telefonsignale, sodass Internet und Telefonieren gleichzeitig möglich sind. Der Splitter ist in der Regel gratis. Für das DSL-Modem oder den WLAN-Router (für kabelloses Surfen) muss der Nutzer zahlen. Ebenso für die Bereitstellung von DSL. In Sonderaktionen gibts die Hardware und den Anschluss oft verbilligt oder kostenlos.

DSL ist mindestens 18-mal schneller als ein Modemanschluss (siehe „Drei Wege führen ins Internet“). Am gebräuchlichsten für private Nutzer ist ADSL (A für asymetric): Sie ziehen viel mehr Daten aus dem Netz, als sie aussenden. Deshalb hat der Empfangskanal (Download) eine wesentlich höhere Bandbreite als der Sendekanal (Upload). Vom Internet zum PC sind es mindestens 1 024 000, vom PC ins Netz dagegen nur 128 000 Bit pro Sekunde.

Welche Geschwindigkeit wählen?

Seit etwa einem halben Jahr bieten Telekom, Arcor und die regionalen Gesellschaften DSL mit Bandbreiten von ein, zwei oder drei Megabit pro Sekunde an (Download). Die monatliche Grundge­bühr beträgt rund 17 (DSL 1000), 20 (DSL 2000) oder 25 Euro (DSL 3000). Wer bisher T-DSL 768 genutzt hat, wird zum Jahresende auf DSL 1 000 umgestellt und zahlt nur geringfügig mehr, bei T-ISDN sind jedoch vier Euro pro Monat mehr fällig.

Welche Geschwindigkeit soll man wählen? Die Anbieter empfehlen meist DSL 2000. Für viele Nutzer dürfte DSL 1000 aber völlig ausreichen. Eine höhere Bandbreite brauchen diejenigen, die oft sehr große Datenmengen wie Videofilme schnell herunterladen wollen. DSL 2000 und 3000 bieten auch eine höhere Up­loadge­schwindigkeit (192 und 384 gegenüber 128 Kilobit pro Sekunde bei DSL 1000). Das ist für große E-Mail-Anhänge nützlich. Und der Upload von Digitalbildern zur Entwicklung in Online-Fotolaboren geht auch viel rascher.

Welchen Provider wählen?

Drei Dinge interessieren den Nutzer bei der Auswahl des Providers: Preis, Geschwindigkeit und Service. Wir haben zehn große Provider detailliert untersucht, jeweils sowohl ihr Schmalband- als auch ihr Breitbandangebot.

Im Schmalbandbereich gibt es bei der technischen Leistung kaum noch Unterschiede. Die meisten der getesteten Provider nutzen die Übertragungsgeschwindigkeit, die vom analogen Modem oder der ISDN-Leitung vorgegeben wird, optimal aus. Auch die Einwahl klappt fast immer. Trotzdem kann es bis zu einer Minute dauern, bis die Verbindung steht.

Mit DSL ist das dagegen oft schon in wenigen Sekunden erledigt. Die Unterschiede bei der schnellen Datenübertragung sind zwischen den Providern ebenfalls gering. Auch hier schwanken die Urteile nur zwischen „gut“ und „sehr gut“. Alle Anbieter wurden übrigens mit einem 1000er DSL-Anschluss getestet.

Q-DSL schnell, aber teuer

Beim Spezialanbieter QSC flitzen die Daten am schnellsten. Derzeit kann QSC 60 deutsche Städte versorgen. Für Privatkunden gibt es zwei Bandbreiten: 1024 und 2300 Kilobit pro Sekunde im Down­load. Da der 1000er Zugang bei QSC lediglich ein gedrosselter 2300er Zugang ist, haben wir hier überdurchschnittlich hohe Werte gemessen. Auch die Upload­raten sind bei QSC mit jeweils 512 Kilobit pro Sekunde deutlich besser.

Mit einem schnellen Seitenaufbau und flinken Downloads konnte auch Arcor glänzen. Im Prüfpunkt Technische Leistung bedeutete das wie bei QSC ein „Sehr gut“. Mit etwas Abstand folgen T-Online, GMX, 1&1 und Lycos, die offenbar alle dieselbe Technik benutzen.

Die maximale Bandbreite wird aber nicht immer erreicht. Bei Downloads aus den USA oder Japan kann die Datenrate auf ein Drittel und mehr absinken.

Die Reaktionszeit (Ping) zeigt an, wie lange ein ausgesendetes Datenpaket benötigt, um wieder zum ursprünglichen Rechner zurückzukehren. Gute Bewertungen in diesem Punkt sind für interaktive Spiele und Internettelefonie besonders wichtig. Im Breitbandbereich ragt auch hier QSC hervor, wieder gefolgt von Arcor.

Für T-DSL bietet die Telekom mit Fastpath (www.t-com.de > Internet > Fastpath) einen Beschleuniger an, der die Signallaufzeiten schneller machen soll. Die Bereitstellung kostet 24,99 Euro. Hinzu kommen 0,99 Euro pro Monat.

Ein schneller Datenfluss erhöht den Surfspaß, mieser Service macht ihn wieder zunichte. So kommt es, dass QSC trotz glänzender Technik insgesamt nur „befriedigend“ abschneidet. Zwar ist die Beratung „gut“, aber sonst sieht es mau aus. Der technische Service ist durchweg „mangelhaft“ und macht es gerade Einsteigern nicht leicht, denn es gibt kaum Informationen. QSC ist mit den höchsten Preisen unseres Vergleichs sowieso nur etwas für anspruchsvolle Internetnutzer.

T-Online punktet auch beim Service

Ganz anders beim Testsieger T-Online. Der Marktführer bietet überzeugende technische Leistungen und mit Ausnahme der Beratung per E-Mail einen tadellosen Service. Der reicht von ausführlichen, leicht verständlichen Informationen über praktikable Software bis hin zur transparenten Abrechnung. Das hat aber seinen Preis. T-Online ist immer ein paar Euro teurer als die preiswertesten Anbieter.

Jeweils den zweiten Platz hat 1&1 belegt. Sowohl technisch als auch beim Service bekommt der Kunde hier solide Qualität, die bei DSL zudem deutlich weniger kostet als bei T-Online. Schwachpunkt ist auch hier die Beratung per E-Mail.

AOL gehört ebenfalls zur Spitzengruppe. Vor allem Einsteigern macht es dieser Provider leicht. Die AOL-Schmalbandtarife sind allerdings nicht gerade günstig.

Ein durchwachsenes Bild zeigt Arcor. Während die Technik bei diesem Provider Spitze ist, gibt es beim Service etliche Schwachstellen. So werden die Kunden am Telefon zwar kostenlos beraten, sie müssen sich aber oft lange gedulden. Arcor empfiehlt sich im Schmalband für Internet by call, im Breitband sind die Gratis-Tarife für Einsteiger interessant.

Wer sparen will und auf Service nicht den größten Wert legt, ist bei GMX richtig. Die Preiswert-Tochter von 1&1 (United Internet) lockt mit günstigen DSL-Tarifen und solider Technik. Und hier gab es die beste Beratung per E-Mail.

Bei Freenet störten uns vor allem die undurchsichtigen Informationen zu den Preisen, die nicht funktionierende Installationssoftware für DSL sowie die teure und wenig kompetente Telefon-Hotline. Günstige Preise allein sind zu wenig. Dennoch haut Freenet weiterhin kräftig auf die Pauke. Jüngst wurde die „DSL-Revolution“ mit 100 Euro Begrüßungsgeld ausgerufen. Was aber nur heißt: keine Bereitstellungskosten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 720 Nutzer finden das hilfreich.