Internetbanking Meldung

In der Mittagspause wollte Daniel Gläser mal eben per Internet Geld überweisen.

Home Banking Computer Interface (HBCI) ist die sicherste Methode für Bankgeschäfte im Internet.

Heute schreibt mir meine Bank, die BfG-Bank: "Jetzt kostenlos für Sie: das Internet-Startset." Ich bin eingeladen, meine Bankgeschäfte "so sicher, bequem und günstig wie nie zuvor" zu erledigen. Mit HBCI kann ich mich auf den "sichersten Standard für Geldtransaktionen" verlassen.

1. Tag:

Ich fordere mein Internet-Startset an: Chipkarte, Lesegerät, Treibersoftware und Finanzmanagersoftware sollen gratis ins Haus kommen. Mein heimischer Computer, ein Macintosh, kann dafür zwar nicht eingesetzt werden, aber in meinem Büro steht ein IBM-kompatibler PC mit Windows NT. Gegen virtuelle Bankbesuche in der Mittagspause hat mein Chef sicher nichts.

20. Tag:

Das Päckchen ist da! Kartenleser, Chipkarten, Software, Handbuch, alles komplett. Nur ... im Begleitbrief heißt es, dass ich warten muss, bis ich per E-Mail oder Post eine "Personennummer" mitgeteilt bekomme.

35. Tag:

Heute kam per E-Mail die Meldung, dass ich für das Internet-Banking freigeschaltet wurde und mich am Bankrechner anmelden kann. Die Personennummer wird mir auch mitgeteilt und meine Bank wünscht mir viel Spaß und Erfolg.

Mausefalle Chipdrive-Maustreiber

Internetbanking Meldung

In der Bundesrepublik erledigen bereits sieben Millionen Menschen ihre Bankgeschäfte oder Aktienkäufe online. Mehr als drei Viertel nutzen die bislang geläufigen Verfahren, bei denen individuelle Pin- und Tan-Nummern angegeben werden. Das jüngere und sichere HBCI-Verfahren verwenden erst 6 Prozent der Onlinebanker.

36. Tag:

Mittagspause im Büro: Ich installiere gemäß Handbuch die Software und komme gut voran. Plötzlich werde ich gefragt, ob ich den Chipdrive-Maustreiber installieren möchte. Was hat der Kartenleser wohl mit der Maus zu tun?

Das Handbuch empfiehlt, die Frage mit "Nein" zu beantworten, wenn ich eine Maus mit einem PS2-Stecker verwende. Ich habe keine Ahnung, was das ist, und lese weiter. "Ja" ist richtig, wenn die seriellen Schnittstellen meines PCs belegt sind, weil dann "die Mausweiche" zum Einsatz kommen soll.

Jetzt sitze ich in einer (Mause-)Falle. Die beiden seriellen Schnittstellen meines Rechners sind in der Tat bereits belegt und mein Zimmernachbar sagt, dass meine Maus einen PS2-Anschluss hat. Gemäß Anleitung müsste ich also mit "Jein" antworten.

Ein Anruf bei der Internethotline der Bank für 24 Pfennig pro Minute schafft Klarheit: Ich muss entweder eine meiner seriellen Schnittstellen frei machen oder mir eine neue Schnittstellenkarte zulegen. Ich mache schweren Herzens die Schnittstelle frei, die ich normalerweise benutze, um mein Notebook an den Tischrechner anzuschließen.

Kurz darauf kann ich mich per Internet beim Bankrechner anmelden. Der Computer liest die Daten meiner Chipkarte und versucht, sie an den Bankrechner zu übermitteln. Leider tritt ein Fehler auf: "Entweder die Internet-verbindung ist unterbrochen oder der Bankrechner ist derzeit nicht verfügbar, versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt wieder." Mein Internetzugang ist nicht unterbrochen. Ich versuche es am nächsten Tag noch mal.

42. Tag:

Sieben Tage war ich geduldig. Dann rufe ich wieder die Internethotline an. Schnell wird klar: Das Problem liegt im Büro. Die Computer unseres EDV-Netzwerks sind durch spezielle Sicherheitseinrichtungen, zum Beispiel eine so genannte Firewall, vor Angriffen aus dem Internet geschützt. Sie hindert die Software auf meinem Rechner daran, mit dem Rechner der Bank in Kontakt zu treten. "Bitten Sie Ihren Systemadministrator, auf der Firewall den Zugang zu Port 3000 einzurichten, dann wird es gehen", meint der Techniker der Bank.

44. Tag:

Der Systemadministrator tut, was der Techniker empfiehlt. Doch das hilft nicht. Nach 15 Minuten weiß er Rat: "Wir müssen eine direkte Verbindung zwischen dem Arbeitsplatzrechner und dem Bankrechner auf der Firewall freischalten." Fünf Minuten später bin ich drin!

Problemlos kann ich meinen Kontostand und die Umsätze der letzten Tage abrufen. Leider nicht in voller Bildschirmgröße. Der Internetzugriff auf dem Bankrechner ist so programmiert, dass ich nur ein Fenster mit winzig kleiner Schrift vor mir habe.

Mein Kollege klärt mich auf: Die Anwendung ist für eine Auflösung von 800 x 600 Pixel "optimiert" und passt sich nicht der verfügbaren Darstellungsfläche an. Mein moderner 19-Zoll-Bildschirm ist einfach zu groß: "Briefmarken-Banking" ist angesagt.

45. Tag:

Heute gilts: Die erste Überweisung soll per HBCI klargemacht werden. Diesmal will ich die mitgelieferte Finanzmanager-Software ausprobieren. Vielleicht macht sie das Onlinebanking etwas augenfreundlicher. Statt eines Fensters mit dem Programm meldet sich das Betriebssystem meines Rechners mit einer Fehlermeldung: "Run Time Error 429: ActiveX-component cant create object." Ein dumpfes Stöhnen löst sich von meinen Lippen, als ich die einzig verfügbare Schaltfläche "ok" anklicke.

Ich wechsle lieber zu meinem Internetbrowser, starte wie gestern die Anwendung, bin angemeldet und will frohgemut den Menüpunkt Überweisung anwählen. Leider lässt er sich nicht anwählen. Ich kann auch keinen Kontostand mehr abfragen und auch keine Umsatzliste anzeigen. Gestern hui, heute pfui, denke ich und rufe beherzt bei der Internethotline an, deren Nummer ich bereits auswendig kenne.

Dort weiß man wieder Rat: "Sie brauchen die aktuelle Java-Virtual-Machine von Microsoft." Mein Hinweis, dass doch gestern alles noch o. k. war, wird ignoriert: "Das ist der einzige Weg, wie wir das Problem schnell lösen können." Ich werde auf eine Software-Download-Seite von Microsoft gelotst. Ich protestiere nur schwach, als die Servicemitarbeiterin am Telefon sagt, ich müsse entsprechend den Anweisungen auf meinem Bildschirm die Sicherheitseinstellungen des Internetbrowsers von hoch auf niedrig heruntersetzen.

Der Download der Software braucht seine Zeit und natürlich muss danach der Rechner komplett neu gestartet werden. Aber eine halbe Stunde später sitze ich wieder vor dem Bildschirm, wähle mich beim Bankrechner ein und versuche eine Überweisung einzugeben. Es funktioniert immer noch nichts. Leider ist meine Mittagspause inzwischen beendet und mit dem "Erledigen Sie Ihre Bankgeschäfte bequem zu Hause oder im Büro" ist es auch nichts geworden.

46. Tag:

Ich gebe HBCI noch einen Tag und rufe wieder die Servicehotline an. Die Mitarbeiterin weiß gleich Bescheid: "Dieses Problem kennen wir schon von mehreren Kunden. Leider hat Ihnen meine Kollegin einen falschen Tipp gegeben. Ich schicke Ihnen eine E-Mail, in der genau steht, was sie machen müssen: Sie müssen nur den Cache und alle Applet-Dateien Ihres Rechners löschen."

Nach einer ausgedehnten Mittagspause mit kurzweiligen Löschaktionen auf meinem Rechner ist es tatsächlich soweit: Jetzt könnte ich eine Überweisung in Auftrag geben. Leider habe ich im Augenblick keine, weil ich die fälligen Rechnungen gestern Abend zu Hause auf meinem Macintosh per BTX Classic bezahlt habe.

Per Zufall bin ich der Lösung auf die Spur gekommen: Es war nicht die Java-Maschine und auch nicht der Cache. Ich muss bei der Anmeldung nur das Passwort eingeben, aber nicht die Personennummer. Leider steht das nirgendwo. Jetzt habe ich einen wirklich guten Tipp für die Hotline.

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