Sie haben nur noch einen Namen: ebay. Doch es gibt auch andere Onlineauktionen. Wir haben auf neun Plattformen mitgeboten und sagen, wo man am besten handelt.

Als der ebay-Gründer Pierre Omi­dyar (36) 1995 seinen kleinen privaten Internet-Auktionsmarktplatz eröffnete, hat er wahrscheinlich nicht im Traum daran gedacht, dass er neun Jahre später auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt Platz 38 belegen würde. Dabei wollte er seiner Frau, einer leidenschaftlichen Sammlerin von Pez-Bonbonspendern, so die Legende, nur einen Gefallen tun. Ihre Idee war es, über das Internet mit weiteren Sammlern der lustigen Bonbonboxen in Kontakt zu kommen und zu tauschen.

Inzwischen ist aus dem virtuellen Flohmarkt ein Online-Marktplatz der Superlative geworden. Allein bei ebay-Deutschland soll alle 15 Minuten eine Espressomaschine den Besitzer wechseln, alle drei Minuten ein Notebook und alle 90 Sekunden ein Buch. Selbst Gartenzwerge gehen durchschnittlich alle sechs Minuten weg. Unter dem virtuellen Dach der Auktionsplattform wurden hierzulande im letzten Jahr rund fünf Milliarden Euro umgesetzt.

Ein Marktplatz, den laut ebay jeden Monat bis zu 17 Millionen Menschen (weltweit über 100 Millionen) besuchen, sollte eigentlich nicht ganz schlecht sein. Ist er – objektiv betrachtet – auch nicht. Unter den neun Onlineauktionen, die wir getestet haben, hat ebay als Einziger und mit deutlichem Abstand ein „gutes“ test-Qualitätsurteil erreicht.

Trotzdem ist auch bei ebay nicht alles eitel Sonnenschein. Zwar bietet der Onlineauktionator Nummer eins, der Dank massiver Werbung inzwischen genauso bekannt ist wie große Handelskonzerne, beste Erfolgsaussichten für Käufer und Verkäufer. Als Quasimonopolist kann ebay aber die Preise diktieren. So werden bei ihm denn auch die höchsten Einstellkosten und Provisionen fällig. Und einen wirklichen Schutz gegen Betrüger bietet die Plattform – wie alle anderen auch – noch längst nicht.

Vorsicht bei 40 Prozent der Angebote

Echte Privatauktionen machen bei ebay nach unserer Zählung nur noch rund ein Drittel aus. Fast genau so hoch ist der Anteil an seriösen Händlern, die Neuwaren zu korrekten Bedingungen verkaufen. Der Rest ist mit Vorsicht zu genießen.

Bei rund 40 Prozent des Angebots halten wir die Verkaufsbedingungen für zumindest zweifelhaft. Das sind Fälle, bei denen die Anbieter die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung und das Rückgaberecht einschränken oder ganz ausschließen. Und zwar, indem sie als Privatverkäufer auftreten, obwohl sie in großem Maßstab über ebay handeln.

Bei ebay ist nicht alles billig

Auch die sich hartnäckig haltende Legende, dass bei ebay alles billig sei, können wir nicht bestätigen. Sicher, raffinierte Bieter machen immer wieder tolle Schnäppchen und mancher ist froh, seinen Trödel für ein paar Euro loszuwerden. Wer jedoch glaubt, Neuwaren bei ebay günstig ergattern zu können, wird meist enttäuscht. Unser Vergleich von 40 Produkten aus acht Kategorien („sofort kaufen“) ergab, dass fast alles bei anderen Onlinehändlern billiger zu haben war, manchmal bis zu 30 Prozent. Vor allem für Digitalkameras, Handys ohne Vertrag und CDs verlangten ebay-Händler deutlich mehr. Nur DVDs mit aktuellen Filmen wurden etwas günstiger angeboten.

Gibt es Alternativen zu ebay? Leider kaum. Zwar tummeln sich im Internet zahlreiche Auktionsplattformen, von denen einige sogar kostenlos sind. Viel los ist da aber nicht. Kaum ein Bieter verirrt sich auf diese Marktplätze.

Wir haben neben ebay acht Anbieter mit einem breiten Angebotsspektrum untersucht, darunter eine Schweizer (Ricardo) und eine österreichische Plattform (Onetwosold). Betrübliches Ergebnis: Angebotsumfang und Erfolgsaussichten sind bei allen nur „ausreichend“ oder „mangelhaft“. Und Privatauktionen spielen hier eine noch viel geringere Rolle als bei ebay. Dafür tauchen vor allem bei Feininger, Besteauktion und Echtwahr etliche undurchsichtige Händler mit teilweise obskuren Sortimenten auf.

Schmales Angebot

Zum Vergleich: Fanden wir bei ebay zum Beispiel 1 902 PCs (bis ein Gigahertz), waren es bei Hood 140 und bei Ricardo 117. Nur eine Miniauswahl boten Atrada (28), Onetwosold (23), Echtwahr (14) und Azubo (12). Bei Feininger und Besteauktion lohnt es sich nicht einmal nachzusehen. Noch schlechter verhält es sich mit den Erfolgsaussichten. Fiel der virtuelle Hammer bei ebay in unserem Test immerhin bei rund der Hälfte aller Angebote, sind Kaufabschlüsse bei der Konkurrenz eher die große Ausnahme. Besonders mau laufen die Geschäfte bei Atrada, Besteauktion, Echtwahr, Feininger und Hood. Da zählten wir gerade mal ein bis zwei Prozent erfolgreiche Verkäufe. Etwas höher sind die Abschlüsse bei Azubo, dem einzigen Anbieter im Test mit Countdown-Auktionen.

Auch bei Ricardo in der Schweiz kommen etliche Abschlüsse zustande. Ob sich die Teilnahme bei einer ausländischen Plattform lohnt, ist allerdings fraglich. Denn sowohl die Banken als auch Online-Zahlsysteme verlangen für die Überweisung Aufschläge, die Transportkosten sind meist höher und Zollbestimmungen müssen auch beachtet werden.

Onetwosold gibt es inzwischen auch in Deutschland. In Kooperation mit der Holtzbrinck Verlagsgruppe wurde die Plattform zusätzlich in die Webseiten von mehreren Tageszeitungen eingebunden.

Kosten drücken den Erlös

Unsere eigenen Verkaufserfahrungen waren ernüchternd. Wir haben jeweils sieben neue Produkte in verschiedenen Kategorien per Privatauktion angeboten. Nur bei ebay ging alles weg. Bei den anderen sind wir immer auf einem oder mehreren Artikeln sitzen geblieben, auf den meisten bei Echtwahr und Feininger.

Die erzielten Erlöse waren meist nicht berauschend. Bei ebay kamen 64 Prozent des Neupreises wieder rein. Auf den anderen Plattformen war es weit weniger. Die Käufer unserer Artikel wird es gefreut haben. Bei Hood haben wir überraschenderweise sechs Artikel verkauft. Aber zu Preisen, die um fast die Hälfte niedriger lagen als bei ebay. Das zeigt: Auch auf sonst eher verwaisten Auktionsseiten sind einige Schnäppchenjäger unterwegs.

Rechnet man die Kosten ein, sind die Erlöse noch geringer. Bei ebay betrugen sie über sieben Prozent vom erzielten Verkaufspreis. Die anderen deutschen Anbieter nahmen knapp die Hälfte davon, Hood und Feininger sind kostenlos.

Bei den Testverkäufen interessierte uns auch, wie die Anbieter auf verbotene Artikel reagieren. Besonders gut scheint die Kontrolle nicht zu sein. Jedenfalls haben nur Atrada und Azubo unser Angebot einer für Jugendliche nicht geeigneten Spielfilm-DVD beanstandet. Sie war durch einen Aufkleber (FSK 18) eindeutig erkennbar und nach den Geschäftsbedingungen der meisten Anbieter verboten.

Wer sich durch die Kategorien klickt, wird ab und zu auf unerlaubte Artikel stoßen. Auch wenn wir nichts wirklich Schwerwiegendes gefunden haben, sind bessere Kontrollsysteme notwendig. Nutzer sollten sich nicht scheuen, das Auktionshaus zu informieren, wenn sie Unerlaubtes entdecken.

Der Datenschutz scheint für viele Anbieter ein Fremdwort zu sein. Auch ebay hat hier Defizite. So gibt es beispielsweise keine Information darüber, was mit den Daten ehemaliger Mitglieder geschieht. Nur bei Onetwosold und Azubo ist der Account löschbar. Aber auch hier bleibt unklar, was mit den Daten wirklich passiert.

Nepper, Schlepper und Betrüger

Ein heikles Kapitel ist nach wie vor die Sicherheit. Obwohl sich ebay sichtlich bemüht, Betrügern das Handwerk zu legen, kommt es immer wieder zu spektakulären Gaunereien. Verkäufer kassieren häufig für Produkte, die es gar nicht gibt, und machen sich dann aus dem Staub. Dagegen kann man sich mit dem Treuhandservice ganz gut schützen.

Es gibt noch eine ganze Reihe betrügerischer Tricks. Zum Beispiel überhöhte Versandkosten, gefälschte Bewertungen oder verstecktes Mitbieten auf eigene Auktionen. Manche Gauner setzen hinter das Angebot beispielsweise einer Espressomaschine klein in Klammern „Bild“ oder „Verpackung“. Ungeübte Käufer bieten dann auf das Produkt und erhalten schließlich nur einen leeren Pappkarton.

Der Kommerz greift um sich

Auf den ebay-Käuferschutz sollte man sich nicht verlassen. Der wird nur aus Kulanz geleistet und ist an Bedingungen geknüpft. Er erstattet nur maximal 175 Euro. ebay empfiehlt das eigene Zahlungssystem Paypal, das für Käufer einen kostenlosen Schutz bis 400 Euro einschließt. Viele Verkäufer, die die Kosten dafür tragen müssen, machen da sicher nicht mit.

ebay wird immer kommerzieller. So gibt es immer mehr Shops mit Neuwaren. Seit April können Immobilienanzeigen geschaltet werden und auf dem aufgekauften Portal Mobile.de warten täglich rund 850 000 Fahrzeuge auf Käufer.

Auch wer zu Hause keinen Computer hat, kann bei ebay mithandeln. In Städten und Dörfern öffnen immer mehr Geschäfte, die anbieten, die Waren ihrer Kunden in Onlineauktionen einzustellen. Ganz billig ist das freilich nicht.

Wenn ebay der Erfolg weiterhin treu bleibt, verdrängt Pierre Omidyar eines Tages vielleicht die Gebrüder Albrecht (Forbes-Liste Platz 3 und 14), die auch dank einer genialen Handelsidee sehr reich geworden sind: Aldi.

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