Rechtsfragen bei Internetauktionen: 3 ... 2 ... 1 ... meins – oder doch nicht?

Sind Internetauktionen echte Versteigerungen?
Nein. Auch wenn es keine höchstrichterliche Entscheidung gibt, handelt es sich hier in der Regel um Kaufverträge gegen Höchstgebot. Damit gelten die gleichen Rechte wie bei Internetkäufen.

Darf ein Verkäufer ein Angebot zurückziehen?
Angebote sind verbindlich. Sie können nicht einfach zurückgezogen werden. Ausnahmen regeln die Auktionshäuser in ihren Geschäftsbedingungen.

Kann der Bieter sein Gebot zu­rückziehen?
Nein, es sei denn, der Anbieter stimmt der Rücknahme zu.

Kann man von einer gewonnenen Auktion zurücktreten?
Ist der Versteigerer ein gewerblicher Händler, gilt das Fernabsatzgesetz. Danach kann der Vertrag innerhalb von zwei Wochen widerrufen werden. Bei Auktionen von privat zu privat ist das nicht möglich.

Welche Rechte haben Käufer, wenn der gelieferte Artikel Mängel hat?
Handelt der Versteigerer als Privatperson, kann er Gewährleistung und Sachmängelhaftung vollständig ausschließen. Handelt er jedoch als Unternehmer, muss er die gesetzlich vorgeschriebene zweijährige Gewährleistungsfrist einhalten. In diesem Fall hat der Käufer bei Mängeln zunächst Anspruch auf Nacherfüllung (Reparatur oder Ersatzlieferung). Er sollte dafür eine angemessene Frist setzen. Reagiert der Versteigerer darauf nicht, kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten.

Was ist zu tun, wenn der Verkäufer nicht liefert?
Da mit dem Verkäufer ein verbindlicher Kaufvertrag geschlossen wurde, kann der Käufer auf der Lieferung bestehen, sie sogar einklagen. Er sollte dem Versteigerer eine angemessene Frist zur Auslieferung setzen. Passiert danach nichts, kann er vom Vertrag zurücktreten. Trifft den Verkäufer ein Verschulden an der Nichtlieferung (wenn er den Artikel etwa anderweitig verkauft hat), hat der Käufer sogar einen Schadenersatzanspruch in Höhe der Differenz zwischen Ersteigerungspreis und dem üblichen Marktpreis.

Kann die Gewährleistung auf ein Jahr beschränkt werden?
Ja. Auch Unternehmer dürfen die Gewährleistungspflicht bei gebrauchten Artikeln vertraglich auf ein Jahr kürzen.

Wie ist die Rechtslage, wenn der Versteigerer behauptet, die er­steigerte Sache versandt zu haben, diese aber nicht ankommt?
Wird der Artikel auf dem Transport zerstört oder geht er verloren, gilt der Vertrag als aufgelöst. Der Käufer bekommt sein Geld zurück. Der Verkäufer meldet seine Ansprüche gegen das Transportunternehmen an.

Kann man beim Versteigerer Ansprüche anmelden, wenn der Verkäufer nicht liefert?
Die Lieferung der ersteigerten Ware können Käufer nur vom Verkäufer verlangen. Der Betreiber des Auktionshauses hat mit diesem Kaufvertrag nichts zu tun. Allerdings sollte man, um andere zu warnen, eine entsprechende Bewertung des Verkäufers abgeben. Außerdem sollte das Auktionshaus informiert werden.

Dürfen Werturteile über einen Verkäufer veröffentlicht werden?
Selbstverständlich, wenn das Verhalten des Versteigerers tatsächlich dazu Anlass gibt. Das Werturteil muss auch nicht weiter begründet werden (z. B.: „Be­schwerde: Nie wieder! So etwas habe ich bei über 500 Punkten nicht erwartet!! Rate ab!!“, AG Koblenz, Az. 142 C 330/04). Beleidigungen oder Schmähkritik sind aber verboten.

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