Internetaktien Meldung

Der Geschäftsverkehr im Internet war das große Thema der Computermesse Cebit. Die Firmen, die ihn möglich machen, sind Lieblinge der Anleger.

Der Einkauf von Briefpapier im Wert von 160 Mark kostete den Stromversorger National Power bisher satte 230 Mark. Denn übermäßige Bürokratie machte einfache Verwaltungsvorgänge sehr teuer. Mittlerweile wickelt das Unternehmen den Einkauf per Mausklick direkt bei einem Großhändler im Internet ab. Eine Software für den Onlineeinkauf macht das möglich. Pro Vorgang spart National Power dabei durchschnittlich gut 30 Mark.

Ob Einkauf, Kundendienst oder Auslieferung ­ die Vernetzung über das Internet lohnt sich in vielen Bereichen. Die US-Marktforscher von GIGA Information schätzen, dass Unternehmen weltweit so im Jahr 2002 ganze 1.250 Milliarden Dollar sparen werden.

Die Veba Oel AG hat jüngst sogar ihre Kohleöl-Anlage Bottrop im Internet zum Kauf angeboten. Aufgeteilt in 150 Einzelteile war sie beim Internet-Auktionator eBay zu haben: Pumpen, Kräne, Reaktoren, Elektromotoren ­ von dem Erlös musste Veba lediglich 2,6 Prozent an eBay abführen.

Pünktlich zur Cebit startete dann das Internet-Auktionshaus eBay sogar mit einer Versteigerungsplattform über die neue WAP-Technologie (WAP steht für Wireless application protocol). Darüber können Unternehmer gewerbliche Waren aller Art von unterwegs per WAP-Handy oder WAP-Organiser einkaufen.

Ob Börsen für Gebrauchtmaschinen, Märkte für Krankenhausbedarf oder für den Einkauf von Chemikalien ­ Internet-Marktplätze beflügeln den Handel unter Unternehmen. Waren und Dienstleistungen im Wert von 7.290 Milliarden Dollar werden weltweit im Jahr 2004 im Geschäftshandel über das Internet verkauft werden, prognostiziert das US-Marktforschungsunternehmen Gartner Group.

Was sind B2B-Werte?

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Business to Business ­ oder kurz: B2B ­ heißt der internetgestützte Handel zwischen Unternehmen. Das Gegenstück ist das B2C-Geschäft (Business to Consumer) ­ der direkte Verkauf an den Endkunden. Doch der hat längst noch nicht die Bedeutung erlangt wie der Business-to-Business-Bereich. Unternehmen, die sich darauf verlegt haben, das Rüstzeug für die kommerzielle Nutzung des Internets zu liefern, werden B2B-Firmen genannt.

Sie entwickeln Software für Internetshops, sie bringen Computeranwendungen zur Effizienzsteigerung von Geschäftsprozessen ins Web oder stellen Hardware und die Verbindung ins weltweite Netz zur Verfügung. B2B-Firmen liefern die Grundlagen für elektronische Geschäfte aller Art. Zur Software für den elektronischen Handel zählen ­ abgesehen von Shoppinglösungen ­ auch Systeme für die komplette Bestellabwicklung, für Informationsmanagement, Marketing und Kundendienst.

Softwareentwickler schneidern Maßlösungen für jedes erdenkliche Geschäftsmodell: Sie vernetzen ein Unternehmen oder eine ganze Branche mit allen Beteiligten. Zulieferer, Händler, Niederlassungen und sogar Endkunden und Paket- und Lieferdienste werden einbezogen.

Durch diese Vereinfachung des Umgangs mit Externen werden in Zukunft auch kleine und mittlere Unternehmen immer mehr Arbeiten auslagern können. B2B erleichtert das so genannte Outsourcing.

Vorzeigeaktie Intershop

Intershop (WKN 622700), der Stern der deutschen Internetaktien, machte es vor: B2B-Produkte made in Germany haben auch international die Nase vorn. Intershop besetzte als einer der ersten Anbieter den Markt für Lösungen im Internethandel, dem schon 1998 Wachstumsraten jenseits von 100 Prozent jährlich vorausgesagt und dann auch beschert wurden.

Intershop bietet sowohl Lösungen für einzelne Unternehmen als auch komplette Einkaufszentren, in denen eine Fülle von Händlern nebeneinander auftreten. Dabei stellt Intershop zum einen die Storefront, die Verkaufsfläche für das Internet, und regelt die Weiterleitung der Bestellung. Zum anderen liefert die Firma Software zur leichten Pflege und Aktualisierung von Artikeln und Informationen im Onlineshop. Diese Programme, im Fachjargon Admintools genannt, gelten als besondere Stärke von Intershop.

Das Papier startete am 16. Juli 1998 kometenhaft am Frankfurter Neuen Markt. Wer dem Papier seit dem Börsengang die Treue hielt, erreichte eine Rendite von weit über 200 Prozent.

Mehr B2B made in Germany

Ein zweites Erfolgspapier mit deutscher Technologie heißt Brokat (WKN 522190). Die Stuttgarter Firma stellt Software für Electronic Banking und Zahlungsabwicklungen im Internet her. Brokat hat weltweit einen festen Stand im Markt. Denn Zahlungsabwicklung ist eine Kernfunktion für den elektronischen Handel. Der Kurs des Papiers setzte im November 1999 zum Höhenflug an.

Alle Anzeichen sprechen für eine weitere positive Entwicklung. Im Markt für Zahlungsabwicklung und Electronic Banking ist angesichts der Zuwachsraten im elektronischen Handel der Erfolg programmiert.

Ganz frisch am Markt ist die Hamburger Electronic-Commerce- und Web- Agentur Popnet (WKN 622810), die am 2. Februar an die Börse ging. Das Unternehmen verfolgt die Strategie des Allround-Anbieters für kommerzielle Internetauftritte: Lösungen aus einem Guss von der Konzeption bis hin zum Marketing. Damit bietet Popnet ähnliche Leistungen wie Pixelpark (WKN 514350) oder Kabel New Media (WKN 622950).

Hohe Spezialisierung

Pironet (WKN 691640) ist die derzeit jüngste B2B-Aktie am Neuen Markt. Nur einige Tage vor der Cebit legte die Firma einen interessanten Start vor. Der Kurs des Papiers stieg innerhalb einer Woche um etwa 40 Prozent.

Das Kölner Unternehmen hat sich mit dem einzigen Produkt Pirobase ganz auf Informationsmanagement für Unternehmen spezialisiert. Pirobase ist eine Software, mit der sich Unternehmensplattformen als Intranets, Extranets oder im offenen Internet professionell auf die Beine stellen lassen. Aufbau und Pflege, insbesondere das Aktualisieren von Inhalten, sind ihre Stärken. Die Software soll langfristig helfen, Personalkosten zu senken.

Ein weiterer Softwarespezialanbieter heißt iFAO (WKN 622450). Das Unternehmen verdient an Lösungen für den boomenden Internet-Reisemarkt. Die Reisebranche setzte 1999 9,2 Milliarden Dollar über das Internet um und belegte damit den ersten Platz unter den Teilmärkten des elektronischen Handels. Die Firma iFAO liefert E-Commerce-Software für Reiseanbieter im Internet. Allerdings ist der Kurs der Aktie seit einem kurzzeitigen Hoch im Frühjahr kontinuierlich gesunken. Das Papier birgt also einige Risiken, hat aber interessante Potenziale.

Amerika setzt auf E-Marketplaces

Im amerikanischen Markt ist die Spezialisierung in der elektronischen Warenwirtschaft schon früher geschehen. Ein Papier, das davon profitiert, hat in den vergangenen Monaten eine besonders steile Entwicklung hingelegt: Verticalnet (WKN 919020).

Das Unternehmen ist auf den Aufbau von so genannten Business Communities, also auf Internetangebote für Geschäftsleute, spezialisiert. Bisher hat das Unternehmen 55 solcher vertikaler, an einer Branche oder einem Teilmarkt ausgerichteten Gemeinschaften ins Internet geführt.

Die Leistung von Verticalnet besteht im Bündeln themenspezifischer Angebote beispielsweise in Form von Branchenverzeichnissen oder Kommunikationsforen, die Publikum für bestimm- te Themen auf eine Website lenken. Das vertikale Portal entwickelt sich so zu einem Internet-Marktplatz, auf dem Anbieter und Geschäftskunden der Branche zusammengeführt werden.

Verticalnet gibt damit eine Marketingstrategie an die Hand, die Interessen von Anbietern und Kunden bündelt und so hohe Kundengewinnungsra- ten ermöglicht. Die Firma zählt zu den Shootingstars der letzten Monate. Anleger konnten zwischen Oktober 1999 und Februar 2000 über 700 Prozent Rendite erzielen.

Solche so genannten Business Portale liegen angesichts weltweiter Märkte ganz im Trend. Darauf setzt auch Commerce One (WKN 924107) mit seiner Software. Die Firma bietet Softwarepakete zur Erstellung offener elektronischer Marktplätze und Lösungen für die Warenbeschaffung über das Web.

In diesem Segment bewegt sich auch Ariba (WKN 923835) mit Systemen für Electronic-Commerce-Plattformen. Ariba setzt auf die Integration aller Beteiligten in einem großen Datennetzwerk und bringt externe Gruppen wie Käufer, Zulieferer und Informationslieferanten direkt auf einem elektronischen Marktplatz zusammen. Das spart erhebliche Transaktions- und Kommunikationskosten.

Dass Ariba, Verticalnet oder Commerce One auf das richtige Pferd setzen, meinen auch die Marktforscher. Die Auguren der amerikanischen Forrester Research beispielsweise sehen mittelfristig mehr als die Hälfte aller B2B-Umsätze auf E-Marketplaces.

SAP und Microsoft

Und was machen derweil die Großen der Softwarebranche? Den Start für immer verpasst, orakelte die Fachwelt über Riesen wie SAP (WKN 716460) oder Microsoft (WKN 870747). Ein anderer Großer, der etwas zeitiger auf das Internet setzte, der traditionelle Hersteller von Datenbanken, Oracle, ließ sich sogar zu Spott hinreißen. "Oracle 100 Prozent Internet ­ SAP null Prozent".

Diese Häme war verfrüht, bewies SAP mit einer Mammutanstrengung. Das Ergebnis MySAP, ein gigantisches Intra- und Extranet, in dem Mitarbeiter eines Unternehmens ebenso wie Externe über einen Internetbrowser Daten austauschen und miteinander kommunizieren können, löste für das Papier der Walldorfer Firma einen wahren Boom aus. Analysten sehen die Aktien von SAP noch weiter im Aufwind.

Aber auch Microsoft ist wach geworden. Die Firma unternimmt erhebliche Anstrengungen im E-Business-Softwaremarkt. Das zeigt die erfolgreiche Entwicklungsumgebung SiteServer oder das angekündigte Produkt BizTalk.

Risiko auf hohem Niveau

Doch das Internet ist kein Garant für Gewinne, wie ein Beispiel zeigt: Es war nur ein kurzer Brief, den die Federal Trade Commission der Internet-Marketingfirma Doubleclick (WKN 912287) zustellte. Es dauerte ebenfalls nur kurze Zeit, kaum wenige Minuten, in denen die Aktie um fast 5 Prozent fiel. Der Grund für diesen Kursrutsch: Die amerikanische Regulierungsbehörde hatte in ihrem Schreiben eine informelle Untersuchung der Datenschutzpraktiken der Firma angekün- digt, deren Dienstleistung gerade im Sammeln von Kundendaten liegt.

Im Zuge dieser Ankündigung rutschten zahlreiche weitere Werte aus der Internetwerbebranche in den Keller. Das Beispiel zeigt: B2B-Aktien bergen Risiken in sich, auch wenn viele Aktien gerade seit dem Herbst auf ein stabiles Wachstum zurückblicken.

Verschiedene Aktien mischen

Grundsätzlich vertrauen viele Anleger der Branche und stecken viel Geld hinein. Doch angesichts besonderer Risiken und Chancen für einzelne Papiere suchen sie besser Stabilität in einer vernünftigen und ausgewogenen Mischung verschiedener Papiere.

Mehrere Banken bündeln deshalb bereits solche Aktien in Zertifikaten mit unterschiedlichen Länderschwerpunkten. Anleger können so gleich einen ganzen Korb mit B2B-Papieren für wenig Geld kaufen.

Um Risikostreuung bemühen sich auch die Fondsmanager von Aktienfonds, die in Internetwerte investieren. Sie werden inzwischen von vielen großen Fondsgesellschaften wie beispielsweise DIT, DWS oder Nordinvest angeboten. Auch die Fonds profitierten in den letzten Monaten vom steilen Aufwärtstrend der Branche und konnten binnen eines Jahres ihren Kurs verdoppeln.

Die Internetfonds setzen bisher jedoch nicht gezielt auf die besonderen Chancen von B2B, sondern investieren breiter. Sie enthalten in der Regel auch andere Internetwerte wie AOL, Yahoo oder Amazon.

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