Satellitendienste sind teuer, aber mancherorts alternativlos, Handy­netze nicht überall schnell. SkyDSL taugt kaum als Ersatz für einen DSL-Anschluss.

Da hatten die Testhaushalte nun endlich ihren ersehnten Anschluss an die digitale Revolution – und dann das: Bei einem von drei geprüften A­n­bie­tern von Inter­net per Satellit, bei skyDSL, waren die Verbindungen enttäuschend. Dabei sollte er ihnen geben, was auf dem flachen Land sonst bei ihnen nicht verfügbar war: einen schnellen Breitbandzugang ins Internet. Doch immer wieder brachen die Datenraten ein. Auch bei den Internetverbindungen über Mobilfunknetze gab es im Test enorme Schwankungen bei den Datenraten. Hier waren sie allerdings auch stark vom Standort abhängig.

Mobiles Internet für digitale Nomaden

Meist führt der Weg ins Netz über eine Kabelverbindung – per DSL über den Telefonanschluss oder über den TV-Kabelanschluss. Doch nicht für jeden kommen diese Lösungen in Betracht. Wir haben drahtlose Alternativen getestet: Internetanschlüsse per Mobilfunk und per Satellit.

Diese Techniken bedienen unterschiedliche Zielgruppen. Datenverbindungen per Handynetz sind besonders für unterwegs geeignet: Die erforderlichen Funkmodems sind kompakte USB-Sticks. Man steckt sie ins Notebook und kann damit überall drauflossurfen, wo es schnelle Mobilfunknetze gibt. Damit sind sie das Richtige für digitale Nomaden, die nicht nur daheim, sondern auch unterwegs ins Netz wollen.

Die Preise variieren: Bei E-Plus gibt es einen Flatrate-Tarif mit unbegrenztem Datenvolumen schon für 20 Euro im Monat – das bewegt sich auf dem Preisniveau eines DSL-Anschlusses. Bei den beiden D-Netzbetreibern Vodafone und T-Mobile kosten die Flatrates dagegen fast das Doppelte.

Teure Retter aus dem All

Die Satellitendienste richten sich vor allem an die Bewohner jener Landstriche, in denen es keine anderen schnellen Breitbandzugänge gibt (siehe „Breitband Verfügbarkeit“). Diese Exklusivität lassen sich die Satellitendienstbetreiber gut bezahlen. Wir haben jeweils einen Flatrate-Tarif mit Download-Datenraten bis zu 2 000 Kilobit pro Sekunde gebucht. Die Monatspreise liegen hier zwischen knapp 70 Euro bei skyDSL und fast 90 Euro bei Filiago und StarDSL. Die beiden Letzteren bieten auch günstigere Tarife mit niedrigeren Datenraten an (siehe „Tarife für Internet per Sat und Mobilfunk“). Doch bewegen sich die Preise stets deutlich über denen für DSL.

Hinzu kommen noch einmalige Kosten – und die sind bei den Satellitendiensten beträchtlich. Für die Internetdienste braucht man eine größere Empfangsschüssel als zum Fernsehen. Die muss einen internettauglichen Signalumsetzer (siehe „LNB“ in „Glossar“) haben. Von dort geht das Signal per Kabel an ein Satellitenmodem, das die Internetverbindung für den PC herstellt (siehe Grafik). Dieses Hardware-Paket kostet mit Versand zwischen knapp 230 Euro bei skyDSL und fast 350 Euro bei StarDSL. Bei beiden hat man die Geräte damit gekauft, bei Filiago bleiben sie dagegen Eigentum des Anbieters. Filiago und StarDSL berechnen zusätzlich einen Bereitstellungspreis von 99,95 Euro. Hinzu kommen in der Regel die Kosten für die Montage. Alles in allem kamen die Testhaushalte im Schnitt auf einmalige Kosten zwischen 430 und 670 Euro – eine happige Investition, um endlich am schnellen Internet teilzuhaben.

Schüsselhalterung ist Kundensache

Zwar stellen alle drei Satellitenanbieter ihren Kunden frei, die Gerätschaften selbst zu installieren. Doch das ist nicht ganz einfach, denn die großen Satellitenantennen müssen für die Internetverbindungen besonders präzise ausgerichtet werden. Wer kein Experte ist, lässt das besser einen Profi machen. Und der kostet nicht nur Geld, sondern in manchen Fällen auch Nerven.

Eine Komplikation ist die Wandhalterung für die Schüssel. Die wird bei keinem Anbieter mitgeliefert und muss vom Kunden selbst besorgt werden. Schließlich hängt es auch von der Lage des Hauses ab, ob die Schlüssel an einer Wand, dem Schornstein oder einem Extra-Mast mit Sicht nach Süden montiert werden muss.

Montagechaos bei skyDSL

Bei Filiago und StarDSL lief die Installation recht problemlos: Die Anbieter beauftragten einen Monteur, der vereinbarte mit den Kunden einen Termin und installierte Schüssel und Modem. Dann konnten die Haushalte ihren ersehnten Internetan­schluss nutzen. Chaotischer ging es bei skyDSL zu: Für keinen Testkunden war der Internetzugang nach dem ersten Montagetermin nutzbar. Stets musste ein zweiter Termin gemacht werden. Patzer gab es auch bei der Bestellabwicklung: So erhielten die Testkunden bei der Bestellhotline von skyDSL keine Informationen über die Montagekosten und mussten sich selbst um einen Termin mit dem Monteur bemühen. Bei Filiago und skyDSL wurden Monatspreise zuweilen nicht wie sonst üblich ab dem Versand der erforderlichen Geräte abgebucht, sondern schon davor.

UMTS-Sticks meist leicht installiert

Bei den Internetzugängen per Mobilfunk gab es derlei Probleme nicht. Die Verträge schlossen die Tester in den Shops der Netzbetreiber ab. Dort bekamen sie zum Mobilfunkvertrag gleich das UMTS-Modem.

Das zu installieren ist nicht schwer: Die Funkmodems sehen nicht nur aus wie Speichersticks, sie melden sich am Rechner auch zunächst als ein solches Laufwerk an. Darauf findet man das Installationsprogramm für die Verbindungssoftware, nach ein paar Klicks kann der Nutzer lossurfen. Nur beim Speicherstick von O2 gab es auf Rechnern mit Windows Vista Probleme mit der Nutzerkontensteuerung des Betriebssystems. Deaktiviert man sie vorübergehend, klappt auch hier die Installation zügig.

Die Übertragungsgeschwindigkeiten hän­gen bei Internetverbindungen per Mobilfunk sehr vom Stand­ort ab. Bei Messungen in einem Dorf in Brandenburg bot kein Mobilfunknetz brauchbare Surfgeschwindigkeiten. In der Berliner Innenstadt standen dagegen UMTS-Verbindungen zur Verfü­gung, deren Datenraten fürs Surfen im Internet absolut ausreichten. Dieses Gefälle von Stadt und Land zeigte sich auch bei den Tests zur mobilen Nutzung: Unsere Prüfer machten Testfahrten auf der Autobahn (siehe Grafik) und mit der Bahn. Auch dort waren die Datenraten in der Stadt und am Stadtrand meist brauchbar, auf dem flachen Land eher nicht.

E-Plus hat das langsamste Netz

Der Test zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Netzen der vier Betreiber. E-Plus, der Anbieter mit der billigsten Datenflat­rate, liegt bei den Übertragungsgeschwindigkeiten deutlich hinter den drei anderen. Aber auch hier gilt: Die Qualität der Verbindungen kann bei jedem Anbieter je nach Entfernung zum Mobilfunkmast, nach baulichem Umfeld und örtlicher Ausbaustufe des jeweiligen Netzes stark variieren.

Tipp: Bevor Sie auf UMTS-Internet umsteigen, sollten Sie nach Möglichkeit vorher ausprobieren, wie die Qualität der Verbindungen an den Orten ist, wo Sie es regelmäßig nutzen wollen. O2 wirbt mit einem einmonatigen Rückgabe- und Widerrufsrecht bei seinen Verträgen und Modems. Ansonsten braucht man zum Ausprobieren Geräte und Verträge aus dem Bekanntenkreis.

Lange Reaktionszeiten per Satellit

Bei den Satellitendiensten spielt der Standort eine untergeordnete Rolle. Die langen Funkstrecken zu den Satelliten, die in rund 36 000 Kilometer Höhe über dem Äquator stehen, führt allerdings zu Verzögerungen bei der Datenübertragung: Bei DSL-Anschlüssen betragen die Reaktionszeiten typischerweise um die 30 Millisekunden, bei Satellitendiensten mehrere hundert. Für sehr zeitkritische Anwendungen wie Online-Actionspiele sind sie damit kaum geeignet. Bei Videotelefoniediensten wie Skype ist die Verzögerung durchaus spürbar. Beim Surfen oder Herunterladen von Daten fällt sie dagegen weniger ins Gewicht.

Tempo bei skyDSL ungleichmäßig

Die nutzbaren Übertragungsgeschwindigkeiten per Satellit sind vergleichbar mit denen von DSL-2000-Anschlüssen. Das ist langsamer als bei vielen Turboanschlüssen in Großstädten. Doch verglichen mit den lahmen Verbindungen, die in den Haushalten vorher mit Analogmodem möglich waren, ist der Zugewinn enorm. Bei Filiago und StarDSL waren die Übertragungsge­schwindigkeiten auch gleichmäßig genug, um als echter Ersatz fürs nicht verfügbare DSL zu dienen. Anders bei skyDSL: Bei unseren Messreihen brachen hier immer wieder die Datenraten ein. Auch die Testhaushalte klagten, dass ihre Leitungen immer wieder ausgebremst wurden. Einige dachten, es handele sich um einen Defekt, und meldeten sich bei der Anbieterhotline. Dort erfuhren sie: Technisch war mit ihrem Anschluss alles in Ordnung. SkyDSL hatte die Datenraten gedrosselt.

Wenn Anbieter das Tempo drosseln

Dahinter steckt das, was Internetanbieter oft ihre „Fair Use Policy“ nennen (Englisch für „Politik der fairen Nutzung“). Das umschreibt die Praxis, bei Nutzern eines Flat­rate-Tarifs, der eigentlich unbegrenzte Datentransporte enthält, ab einer bestimmten Datenmenge die Übertragungsge­schwin­digkeiten zu drosseln.

Hintergrund: Egal ob DSL, Satellit oder Mobilfunk – die Übertragungskapazität all dieser Netze ist begrenzt, alle Nutzer teilen sich die insgesamt verfügbare Bandbreite. Wenn einzelne Nutzer ständig extrem große Datenmengen bewegen, etwa weil sie pausenlos riesige Videodateien aus dem Netz saugen oder für andere zum Down­load bereitstellen, geht das auf Kosten der moderateren Nutzer. Darum behalten sich Internetanbieter meist vor, bei solchen Extremsurfern die Anschlüsse künstlich zu verlangsamen. Bei skyDSL wirkte sich diese Drosselungspolitik allerdings so drastisch aus, dass sie den Nutzen der Internetverbindungen erheblich einschränkte.

Wenn bei alltäglichen Anwendungen wie dem Her­unterladen eines größeren Win­dows-Updates oder einer größeren Videodatei schon die Drosselung eingreift, ist auch eine „faire Nutzung“ kaum noch möglich. Anders als der Name vermuten lässt, taugt skyDSL damit kaum als vollwertiger Ersatz für einen DSL-Anschluss.

Ein grundsätzliches Problem bei der Drosselung: Oft mangelt es an Transpa­renz. Wenn es solche Regelungen gibt, wäre es wichtig, sie dem Kunden genau zu erklären. Doch auf den Websites von skyDSL und StarDSL war nicht herauszufinden, unter welchen Bedingungen sie die Leitung ver­langsa­men. Filiago hat auf seinen Hilfe-Seiten komplizierte Tabellen, die kaum zu durchschauen sind. Etwas nachvollziehba­rer geht es bei den Mobilfunkern zu: Laut ihren Leistungsbeschreibungen drosseln sie ab einem monatlichen Datenvolumen von 5  Gigabyte. Online kann man sein verbrauchtes Datenvolumen einsehen und abschätzen, wann die Drosselung greift.

Nur O2 ohne Mängel in den AGB

Detaillierte Angaben dazu würde man in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) erwarten, doch da ist viel zu wenig zu finden. Die AGB-Klauseln zur Drosselung sind, wenn es sie denn gibt, so wolkig, dass sie gegen das Transparenzgebot verstoßen und juristisch unwirksam sind. Auch sonst gibt es in den AGB aller Anbieter außer O2 juristische Mängel. Da wollen sie zum Beispiel Rechnungen sofort fällig stellen, ohne dem Kunden genügend Zeit zur Prüfung zu geben, oder Anschlüsse bei Zahlungsverzug sperren, ohne die Voraussetzungen für eine solche Sperre klarzustellen. Zuweilen verweisen sie auch auf Rechtsnormen, die längst nicht mehr gelten. Die Geschäftsbe­dingungen von E-Plus, skyDSL und Vodafone haben so viele Mängel, dass es Punktabzug beim test-Qualitätsurteil gab.

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