Tarife für Internet und Telefon: Augen auf und durch

Internet-Zugang Test

Wer den Tarif oder Anbieter wechseln will, muss aufpassen wie ein Luchs. Zusätzliche Kosten lauern fast über­all.

Unglaublich! Für 9,90 Euro pro Monat lässt Kabel Deutsch­land Kunden übers Fest­netz unbe­grenzt telefonieren und im Internet surfen. In roten Lettern wirbt der Anbieter auf seiner Home­page für den Tarif „Internet & Telefon 10“.

Ebenfalls unglaublich ist das Klein­gedruckte. Nach drei Monaten kostet unbe­grenztes Telefonieren im besagten Tarif fünf Euro extra pro Monat. Unabhängig davon erhöht sich der Grund­preis nach einem halben Jahr um mehr als das Doppelte auf 19,90 Euro. Hinzu kommen 2 Euro pro Monat für WLan, das der Kunde von Anfang an dazu­buchen muss, wenn er kabellos surfen will. Auf lange Sicht zahlen Verbraucher somit 26,90 statt 9,90 Euro pro Monat. Selbst mit den Anfangs­rabatten kostet der Tarif insgesamt mehr als der nächst­höhere „Internet & Telefon 25“: Mit ihm surfen Nutzer noch dazu 2,5-mal so schnell.

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Öfter was Neues. Echte Rabatte gelten meist nur kurze Zeit. Was gestern galt, kann heute schon über­holt sein.

Kunden­verwirrung ist in der Branche gang und gäbe. Unser Vergleich von sechs über­regionalen Telefon- und drei regionalen Kabelanbietern offen­bart ein Dickicht aus monatlichen Grund- und einmaligen Anschluss­preisen, Zusatz­optionen, Wechsel­prämien, Sonderrabatten und tückischen Ausnahmen. Die Tabelle zeigt die unge­schminkten Preise ohne zeitlich begrenzte Vergüns­tigungen – für die gängigsten Tarife der wichtigsten Anschluss­arten DSL, Kabel und LTE. Die Flut von 26 Fußnoten belegt: Einfach ist die Suche nach dem passenden Tarif trotzdem nicht.

Geschwindig­keit ist alles

Pauschalpakete für Gespräche ins Fest­netz und Internet sind ab 20 Euro pro Monat zu haben. Telefonie plus Highspeed-Internet kostet mehr, zwischen 35 und 70 Euro monatlich. Internet über die Telefonleitung, per DSL oder über das TV-Kabel ist zurzeit preis­werter als über LTE. Diese teurere, aber schnelle Funk­verbindung zum Netz lohnt sich, wenn der DSL-Anschluss zu lang­sam oder gar nicht verfügbar ist.

Der Konkurrenzkampf unter den Anbietern wird neben dem Preis haupt­sächlich über die Maximal­geschwindig­keiten bei der Internetnut­zung ausgetragen. Kaum profilierte sich Kabel Deutsch­land am Markt mit einem beein­druckenden Downloadtempo von 200 Megabit pro Sekunde, zog Mitbewerber Unitymedia Kabel BW nach. Beide Anbieter bringen das Internet übers TV-Kabel zum Kunden: Das ist häufig flotter als über die Telefonleitung.

Zwei Anbieter geben Gas

Schnelles Internet gibt es noch immer nicht für alle. In Ballungs­gebieten ist die Versorgungs­lage deutlich besser als auf dem Land. Welches Tempo an ihrer Adresse erreicht wird, können Kunden auf der Internetseite des Anbieters abfragen. Mit schnellen Anschlüssen über­zeugen im aktuellen Provider-Test vor allem Kabel Deutsch­land und Deutsche Telekom, Test Internet-Serviceprovider.

Vielsurfer sollten darauf achten, dass die Geschwindig­keit nicht nach Verbrauch einer bestimmten Daten­menge gedrosselt wird. Sonst läuft das Internet danach sehr lang­sam. O2 etwa senkt die Volumina aller DSL-Tarife. Bei „DSL All-in M“ und „DSL All-in XL“ jedoch erst, wenn der Nutzer die fest­gelegte Menge drei Monate in Folge über­schreitet. Immerhin: Vielsurfer, die sich im dritten Monat zurück­halten, können in den beiden folgenden weiterp­rassen.

1&1 begrenzt das Daten­volumen seines preis­wertesten DSL-Tarifs „Surf & Phone Flat Special“ auf 100 Gigabyte pro Monat. Kabel Deutsch­land beschränkt die Nutzung von Filesharing-Diensten, über die sich Filme und Musik tauschen lassen, aktuell auf 60 Gigabyte am Tag. Zudem werden alle LTE-Tarife unserer Tabelle gedrosselt, die Telekom zügelt schon ab zehn Gigabyte. Wer nach Tarif­abschluss fest­stellt, dass sein Volumen nicht reicht, kann bei O2 und Vodafone (LTE) Gigabyte dazu­kaufen.

Tipp: Wenn Sie häufig Daten im Onlinespeicher (Cloud) ablegen, zählt für Sie auch das Tempo beim Hoch­laden. Oft ist es mau, Vielsurfer-Tarife lösen das Problem.

Zwölf Monate sind genug

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Freiheit kostet. O2 bietet Verträge mit und ohne Lauf­zeit zum gleichen Preis. Wer sich bindet, streicht Prämien ein.

Geduld ist auch bei den Vertrags­lauf­zeiten gefragt. Eigentlich sieht das Tele­kommunikations­gesetz vor, dass jeder Anbieter wenigs­tens einen Tarif mit lediglich zwölf Monaten Lauf­zeit in petto hat. In der Praxis laufen die meisten Verträge dennoch über 24 Monate, 12-Monats-Angebote sind rar oder gar nicht zu finden. „Die Gesell­schaften setzen auf die Unwissenheit und Bequemlich­keit der Kunden“, weiß Michael Reifen­berg von der Bundes­netz­agentur.

Wer sich nicht lange binden will, sollte offensiv nach einem Vertrag mit kürzerer Lauf­zeit fragen oder aber zu 1&1, O2 und Cong­star gehen. Sie bieten Verträge, deren Lauf­zeit lediglich in der Kündigungs­frist besteht. Je nach Anbieter variiert die Frist zwischen zwei Wochen und drei Monaten. Bei Cong­star werden für solche Verträge allerdings bis zu 60 Euro extra fällig. O2 wirbt mit dem Slogan „frei bleiben ohne Mehr­kosten“. Das stimmt sogar – einen 50-Euro-Willkommens­bonus gibt es allerdings nur für Verträge mit Lauf­zeit. Ähnlich verhält es sich bei 1&1.

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Frist beachten. Wer seinen alten Tarif nicht recht­zeitig kündigt, zahlt oft mehr als zuvor.

Tipp: Kündigen Sie Ihren Vertrag recht­zeitig, sonst zahlen Sie meist weitere zwölf Monate. Doppelt bitter: Ab dem 25. Monat sind einige Tarife deutlich teurer – Kundentreue wird von der Branche bestraft.

Handy­anrufe gratis dazu

Die Rosinen müssen sich Kunden selbst heraus­picken. Wer vom Fest­netz auch ins deutsche Mobil­funk­netz telefonieren will, kann das bei O2 für lau. Telekom-Kunden zahlen zwar dafür, dürfen aber Billigvorwahlen (Call-by-Call) nutzen. Mit ihnen sind Anrufe zu Handys ab 2 Cent möglich. Bei allen anderen Anbietern kostet die Minute zwischen 19 und 25 Cent.

Kunden mieten Leitung

Telefonanbieter reichen eigene Kosten gern an Kunden weiter. 1&1, Cong­star und Vodafone erheben für einige Tarife einen Regional­zuschlag von rund fünf Euro pro Monat. Der gilt für Regionen, in denen diese Anbieter Leitungen der Telekom mieten müssen, weil sie dort selbst keine besitzen.

Kein Extra ohne Haken

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Schöner Schein. 100 Euro Bonus zahlt 1&1 nur bei Abschluss des teuersten Tarifs. Für güns­tige Tarife gibt es maximal 20 Euro.

Erst die Prämien versüßen den nerven­aufreibenden Anbieter­wechsel. Wenn es echte Prämien sind. Viele Anbieter ködern Interes­senten mit Rabatten für Online­vertrags­abschlüsse. Prüfen Sie, ob das Geld gleich gutgeschrieben wird oder ob Sie weitere Leistungen einkaufen müssen.

Mehr Schein als Sein sind manche Wechsel­prämien, etwa von Kabel Deutsch­land. Von sechs Monaten ohne Grund­gebühr profitieren nur Kunden, die noch bei der Konkurrenz in einem anderen Vertrag fest­hängen und sonst doppelt zahlen müssten.

Der 50-Euro-Wechselbonus von Vodafone ist da schon reizvoller, es gibt ihn nur leider, leider nicht für Kunden von Kabel Deutsch­land. Der Kabelnetz­betreiber gehört seit kurzem zu Vodafone. Irgend­ein Haken findet sich eben fast immer.

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