Internet-Zugang Test

Zumutung. Seit fünf Monaten warten wir vergeblich auf Vodafone.

Schnell surfen können Nutzer fast über­all. Der Weg zum Anschluss ist aber oft steinig. Kabel Deutsch­land und Vodafone LTE schneiden gut ab.

Ob Video-Clip, Serien­hit oder Spielfilm: Wer sein abend­liches Unterhaltungs­programm aus dem welt­weiten Netz aufs Notebook, Tablet oder den smarten Fernseher laden will, braucht vor allen Dingen eines – einen schnellen Internet­anschluss. Vor allem, wenn im Haushalt gleich­zeitig jemand Online­spiele zockt oder mit der lieben Verwandt­schaft ein Video­telefonat führt, ist eine hohe Band­breite eigentlich Pflicht. Andernfalls droht der Film­abend ins Stocken zu geraten.

Auf die Daten­autobahn gelangen Nutzer meist auf drei Wegen: über die Telefonleitung per DSL, über das TV-Kabelnetz oder per Funk über LTE. Unser Test von zehn Internet-Service­providern zeigt: Alle drei Technologien können theoretisch eine hohe Geschwindig­keit liefern Testergebnisse: Internet-Serviceprovider 1/2015. In der Praxis kommt das hohe Tempo allerdings nicht dauer­haft beim Nutzer an.

Schon der Weg zum Anschluss gestaltet sich oft schwierig. Schuld sind Warte­zeiten von zehn Wochen und mehr. Diese verhinderten im November die Veröffent­lichung eines voll­ständigen Test­ergeb­nisses. Auch fünf Monate nach der Bestellung fehlte einer der drei DSL-Zugänge von Vodafone noch Vodafone DSL. Zwei von drei Haushalten, die bei der Telekom einen LTE-Anschluss buchten, warten noch immer auf die zum Telefonieren vorgesehene Extraleitung.

Langer Weg durchs Internet

So viel jedoch zur Ehrenrettung: Wenn Daten nicht auf der Über­holspur durchs Netz rasen, sondern im Stau stecken, sind die Service­provider nicht allein verantwort­lich, Grafik: Die verflixte letzte Meile. Über das Tempo entscheiden auch die Auslastung des Internets und die Kapazitäten des Diens­teanbieters, etwa von Youtube oder Amazon.

Bis das Katzen­video oder der Block­buster auf dem Bild­schirm landen, müssen die Daten einen langen Weg durch das Internet zurück­legen. Der Service­provider ist meist nur für das Teil­stück vom Internet-Knoten­punkt bis zum Kunden verantwort­lich. Kommt das Video am Knoten­punkt schon verzögert an, weil etwa viele Nutzer gleich­zeitig darauf zugreifen, kann der deutsche Anbieter die Daten gar nicht schneller weiterleiten.

Kunden sollten sich deshalb nicht blenden lassen, wenn Anbieter mit Download-Geschwindig­keiten von 16, 25, 50 oder 100 Megabit pro Sekunde werben. Die Unternehmen können oft gar nicht garan­tieren, dass diese Band­breite dauer­haft beim Kunden ankommt. Darauf deutet auch der Zusatz „bis zu“ hin, der jedoch in den meisten Angeboten viel kleiner ausfällt als die werbe­wirk­same Höchst­geschwindig­keit.

Telekom und Kabel Deutsch­land flott

Internet-Zugang Test

Einige Anbieter erreichten im Test annähernd die maximale Download­geschwindig­keit. Zwischen­durch surften Kunden jedoch immer wieder nur mit halbem Tempo. Wer aber statt 16 nur 8 Megabit bekommt, muss damit rechnen, dass hoch­aufgelöstes Internet­fernsehen ruckelt. Insgesamt am flottesten und stabilsten unter den DSL-Anbietern präsentierte sich die Telekom. Beim Herunter­laden von Dateien erreichte der Anschluss gute Werte, das Hoch­laden klappte sogar zügiger als versprochen. Den besten Anschluss liefert jedoch Kabel Deutsch­land. Besonders beim Herunter­laden maßen wir bei allen Test­haushalten im Mittel hohes Tempo. Eine Über­raschung erlebten wir bei Telefónica O2. Der Anbieter stellte zwei von drei Test­haushalten ein vorüber­gehendes kostenloses Geschwindig­keits-Upgrade auf 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. Plötzlich surften unsere Test­kunden deutlich schneller, als es die gebuchten 16 Megabit erwarten ließen. Die Nutzer freuten sich über die Marketing­aktion – unsere Tester waren weniger begeistert: Da die Geschwindig­keiten durch das Upgrade nicht mehr vergleich­bar waren, bekommt Telefonica O2 vorläufig kein test-Qualitäts­urteil.

Zu lang­sam für die Über­holspur

Internet-Zugang Test

Nach­messen. Bei der Initiative Netzqualität erfahren Kunden, ob ihr Anschluss tatsäch­lich die gebuchte Geschwindig­keit liefert.

Nach­messen. Bei der Initiative Netzqualität erfahren Kunden, ob ihr Anschluss tatsäch­lich die gebuchte Geschwindig­keit liefert.

Während die einen ungefragt eine deutlich schnel­lere Leitung bekamen, guckten andere ziemlich in die Röhre. Unsere Test­kunden von Kabel BW hatten sich auf die angekündigten 100 Megabit pro Sekunde gefreut. Doch statt auf der Über­holspur landeten sie im besten Fall auf der mitt­leren Fahr­spur der Daten­autobahn. Im Mittel dümpelten ihre Anschlüsse um die 15 Megabit pro Sekunde herum. Das ist zwar nicht lang­sam, aber eindeutig zu wenig für die gebuchte Leistung.

Übrigens: Wie schnell Nutzer im Internet unterwegs sind, hängt auch von der tech­nischen Ausstattung und dem Nutzungs­verhalten im Haushalt ab. Manchmal reichen bereits ein paar einfache Veränderungen am Router, um das Surftempo zu erhöhen. Wer per WLan surft und sich ausgebremst fühlt, kann etwa versuchen, den Stand­ort des Routers zu verändern und so den Funk­empfang zu verbessern Tipps für mehr Surftempo.

Keine Telefonie bei Telekom LTE

Bei allen Service­provider buchten wir auch einen Telefon­anschluss hinzu. Größere Probleme konnten wir bei der Verbindungs­qualität nicht fest­stellen. Nur bei Tele 2 rauscht die Leitung etwas.

Anders als Vodafone realisiert die Telekom die Telefonie nicht über Funk, sondern über eine zusätzliche Fest­netzleitung. Das verkompliziert für Kunden die Anschluss­schaltung. Zwei von drei Haushalten können bislang gar nicht telefonieren – obwohl sie dafür bezahlen. Der dritte Haushalt schied mitt­lerweile aus persönlichen Gründen aus dem Test aus. Telekom LTE bekommt daher kein test-Qualitäts­urteil.

LTE-Interes­senten müssen zudem wissen, dass sie nach Verbrauch eines Daten­volumens auf Schne­ckentempo gedrosselt werden – je nach Preis nach 10, 15 oder 30 Gigabyte. Wer oft online HD-Filme guckt, hat das Volumen schnell verbraucht. Im Test drosselt bei DSL nur Telefónica O2, nach üppigen 300 Gigabyte. Kabel Deutsch­land begrenzt den Download von Daten per Filesharing auf 60 GB pro Tag.

Unflexibel und unfreundlich

Nicht von ihrer besten Seite präsentieren sich die meisten Internet-Service­provider beim Thema Kunden­service. Probleme bereitete besonders im DSL-Bereich die Bereit­stellung der Anschlüsse. Warte­zeiten von zehn Wochen und mehr mussten die Kunden bisweilen hinnehmen. Meist lag das daran, dass Techniker­termine platzten. Hintergrund ist, dass die „letzte Meile“, also das Stück Leitung vom grauen Kasten auf der Straße bis zum Haus­anschluss, oft der Telekom gehört. Bucht ein Kunde einen Internet­zugang, muss – unabhängig vom Service­provider – häufig ein Telekom-Techniker kommen, den tech­nischen Zustand der Leitung ausmessen und sie frei­schalten (Test Internet-Service­provider, 11/2014, enthalten im PDF zum aktuellen Test).

Zudem sind viele Anbieter unflexibel, was die Lauf­zeit der Verträge angeht. Nur Cong­star und Telefónica bieten besonders kundenfreundliche Vertrags­lauf­zeiten von einem Monat, 1&1 von drei Monaten. Alle anderen zwingen Kunden bei der Online­bestellung in Zwei­jahres­verträge. Auch Fragen, die Nutzer online oder in der Hotline stellen, können von den Mitarbeitern nicht zufrieden­stellend beant­wortet werden. Die Antworten fallen oft spärlich aus. Ein Tele 2-Mitarbeiter forderte unseren Test­kunden zum Beispiel in rüdem Ton auf, sich doch lieber im Internet zu informieren. Bei der Telekom warten Bestands­kunden auch schon mal eine Viertel­stunde, bis der richtige Mitarbeiter am Telefon ist. Neukunden dagegen werden von fast allen Internet-Service­providern mit erhöhter Priorität behandelt: Wer einen neuen Anschluss bestellen will, hat meist inner­halb einer Minute einen Mitarbeiter an der Strippe.

AGB teil­weise unwirk­sam

Sehr deutliche Mängel im Klein­gedruckten fand unser Gutachter bei 1&1. Mehr als zehn juristisch unwirk­same Klauseln, die den Verbraucher benach­teiligen, formuliert der Anbieter in seinen Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB). Demnach wäre 1&1 berechtigt, personenbezogene Daten des Nutzers ohne weitere Einverständnis­erklärung zu Werbe- und Markt­forschungs­zwecke zu benutzen.

Kunden sollten sich im Fall eines Konfliktes mit ihrem Anbieter nicht mit dem Begründung abspeisen lassen: „Das steht so in unseren Geschäfts­bedingungen.“ Gesetze zählen vor Gericht mehr als die selbst­formulierten Bedingungen der Provider.

Liefe alles nach Plan, müsste sich der Kunde gar nicht ins Vertrags­werk einarbeiten. Stünde der Anschluss schnell bereit, wäre die Geschwindig­keit dauer­haft top und würde der Kunden­service freundlich reagieren, wäre das über­flüssig. Wie heißt es so schön: Die Hoff­nung stirbt zuletzt.

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