Internet + Telefon via Kabel Meldung

Neue Anwendung fürs deutsche Kabelnetz: Kabel Deutschland und andere Firmen rüsten ihre Leitungen um, damit neben Fernseh- und Radiosignalen auch Telefon- und Internetdaten fließen können. Die Unternehmensstrategie ist klar: Die Kabelnetzbetreiber wollen langfristig eine Alternative zum DSL- und Telefonfestnetz der Telekom schaffen. Wer sich für Telefon und Internet per Kabel entscheidet, braucht keinen Festnetzbetreiber mehr. Und kann sich für attraktive Paketangebote entscheiden. test.de sagt, wo es Internet und Telefon per Kabel gibt, wie es funktioniert und für wen es sich lohnt.

Infrastruktur ist da

Das Kabelnetz in Deutschland hat eine gute Abdeckung. In zwanzig Millionen Haushalten wird Fernsehen per Kabel geschaut. Die Infrastruktur für ein alternatives Internet- und Telefonnetz ist somit da. Allerdings müssen die Kabelnetzbetreiber erst die bestehende Technik umrüsten. Das Kabelnetz ist - so wie es Kabelgucker nutzen - nicht „rückkanalfähig“. Die Autobahn für TV- und Radiosignale ist eine Einbahnstraße, weil die Signale nur beim Kunden ankommen müssen. Ein Rückweg für den Kunden war bisher nicht nötig. Das ist bei Internet- und Telefondaten anders. Wer telefoniert, will nicht nur hören, sondern auch sprechen. Wer im Internet surft, muss auch Informationen zu den Servern schicken können und wer Mails liest, will auch auf diese Antworten.

Technik wird eingerichtet

Kabel Deutschland versorgt etwa die Hälfte aller Kabelkunden mit TV- und Radiosignalen. Diese zehn Millionen Kunden sollen in Zukunft auch die Möglichkeit haben, Telefon und Internet per Kabel nutzen zu können. Dazu müssen die Techniker von Kabel Deutschland neue Verstärker und andere Zusatzmodule in Kabelverteilerkästen einbauen. Für zwei Millionen Kunden haben sie das bereits getan. Bis zur Fußballweltmeisterschaft sollen es 3,7 Millionen sein. Bisher konnte Kabel Deutschland rund 80 000 Kunden gewinnen, die Internet und Telefon über ihren Kabelanschluss nutzen. Das Potenzial ist nach Unternehmensangaben groß: Allein in den letzten drei Monaten sei die Hälfte der aktuellen Kunden - nämlich 40 000 - geworben worden.

Prüfen der Verfügbarkeit

Wer sich für die Kabelvariante entscheidet, muss erst einmal prüfen, ob ein Kabelnetzbetreiber Internet und Telefon für seine Adresse anbietet. Kabel BW ist der Hauptakteur in Baden-Württemberg, Iesy in Hessen und Ish in Nordrhein-Westfalen. Diese Prüfung können Interessierte online unter www.kabelinternet.de vornehmen. Es kommt häufiger vor, dass einem Interessenten ein Kabelanschluss angeboten wird, aber kein Internet und Telefon. Das liegt dann daran, dass in dieser Straße oder Umgebung eben noch nicht die Technik auf Rückkanalfähigkeit umgestellt wurde. Das kann sich allerdings rasch ändern. Wenn der Anschluss für Kabel, Internet und Telefon verfügbar ist, können sich Interessenten bei Kabel Deutschland entscheiden für Kabel Phone (Telefon), Kabel Highspeed (Internet) oder beides zusammen als Produktpaket.

Ähnlich wie DSL und ISDN

Die technischen Details von Kabel Highspeed sind gut vergleichbar mit gängen DSL-Angeboten. Kabel Highspeed gibts mit Download-Geschwindigkeiten von bis zu 2 200 und bis zu 6 200 Kilobit pro Sekunde. Der Upload ist 220 und 420 Kilobit schnell. Das entspricht in etwa den Anschlüssen T-DSL 2 000 und 6 000 der Telekom. Kabelphone ist vergleichbar mit einem ISDN-Anschluss. Kunden haben zwei Leitungen - zwei Personen können also gleichzeitig telefonieren - und zwei Rufnummern. Bei einem ISDN-Anschluss der Telekom gibts drei Rufnummern. Ähnlich wie die Telekom mit ihrer T-Net-Box bietet Kabel Phone einen digitalen Anrufbeantworter an.

Voraussetzung Kabelanschluss

Laut Kabel Deutschland ist das Interesse potenzieller Kunden an dem Produktpaket Kabel Highspeed & Kabel Phone mit einer „Doppelflatrate“ am größten. Das heißt: Für 49,90 Euro bekommen Kunden eine Flatrate für einen Internetzugang mit 6 200/420 Kilobit pro Sekunde Download/Upload und eine Flatrate für den Telefonanschluss. Vorsicht: Wie auch bei den anderen Anbietern einer Telefonflatrate bezieht sich das kostenlose Telefonieren nur auf Festnetzgespräche innerhalb Deutschlands. Voraussetzung für alle Angebote von Kabel Deutschland: ein Kabelanschluss. Wer noch keinen hat, muss also die entsprechende Gebühr dazu rechnen. Das können monatlich bis zu 14,13 Euro sein. Neueinsteiger sind also mit monatlich maximal 64,03 Euro dabei. Um Neukunden zu gewinnen, die komplett einsteigen mit Kabel TV, Kabel Highspeed und Kabelphone, erlässt Kabel Deutschland diesen die Kabelgebühren fürs erste Jahr.

Telekom teuer, Arcor fast gleich

Für die Marktführer Telekom/T-Online errechnet sich der Preis einer vergleichbaren Doppelflatrate folgendermaßen: T-DSL 6 000 kostet 24,99 Euro, eine Flatrate 9,95 Euro, macht zusammen 34,94 Euro. Für die Telefonflatrate XXL Fulltime ISDN bezahlen Telekomkunden monatlich 43,90 Euro. Das sind insgesamt 78,84 Euro. Anderes Beispiel: Arcor. Der Telekomkonkurrent verkauft ein All-Inclusive-Paket, also eine Flatrate für DSL-Internet und Telefon. Die kostet in der DSL 6 000-Variante 59,85 Euro. Vorteil: Die Uploadgeschwindigkeit ist mit 640 Kilobit pro Sekunde deutlich schneller als bei Kabel Highspeed und T-DSL. Wer bei Arcor das All-Inclusive-Paket in der langsameren DSL 2 000-Variante wählt, kommt auf monatlich 49,85 Euro. Das ist fast genau der Preis des Produktpakets von Kabel Deutschland ohne Kabelanschlussgebühr. Bei der Telekom würde eine „Doppelflatrate“ in der langsameren T-DSL 2 000-Variante immerhin noch 73,84 Euro kosten.

Fazit

Die „Doppelflatrate“ lässt sich am besten vergleichen. Die Beispiele zeigen: Der Preis von Kabel Deutschland ohne Kabelgebühr ist günstiger als das Angebot der Telekom, aber nicht viel günstiger im Vergleich zu Arcor in der DSL 2 000-Variante. Schwieriger ist der Vergleich von Volumentarife beim Internet und Freiminutenkontigente beim Telefon. Hinzu kommt: Viele Anbieter locken die Kunden in bestimmten Abständen mit Angeboten, bei denen sie zum Beispiel die Anschlussgebühr erlassen, die Installation vor Ort kostenlos ausführen oder die Hardware gratis zur Verfügung stellen. Wer im richtigen Moment zuschlägt, spart je nach Angebot und Anbieter mehrere hundert Euro beim Einstieg. Interessenten sollten sich vorab folgende Fragen stellen, bevor sie sich für Angebote wie das von Kabel Deutschland entscheiden:

  • Kabelanschluss. Lohnt es sich den Kabelanschluss weiter zu behalten beziehungsweise einen Kabelanschluss zu beantragen, um Fernsehen zu schauen? DVB-T und DVB-S können zum Beispiel eine Alternative sein.
  • Leistungen. Hat der favorisierte Anbieter Leistungen wie zum Beispiel Makeln, Dreierkonferenz, Rufnummernanzeige oder Rückruffunktion?
  • Flatrate. Nutze ich eine Flatrate zum Surfen oder Telefonieren so häufig, dass sich die monatliche Pauschale lohnt?
  • Mindestlaufzeit. Wie lang ist die Mindestlaufzeit des Vertrags?
  • Technik. Kann ich bereits vorhandene Geräte wie etwa einen WLAN-Router in die zu installierende Kabelnetztechnik integrieren?
  • Produktmix. Ist es eventuell günstiger, sich selbst ein Paket von verschiedenen Anbietern zusammenzustellen?

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