Internet-Scheidung Meldung

Scheidung per Mausklick: Den Antrag gibt es online, aber geschieden wird noch immer vor Gericht.

Internet-Scheidungen, wie sie manche Anwaltskanzleien für einvernehmliche Trennungen anbieten, bringen nur selten die versprochene Kostenersparnis. Die scheidungswilligen Partner können allenfalls Fahrtkosten sparen oder den Verdienstausfall, den sie durch einen Termin beim Advokaten hätten. Anwaltskosten sparen sie nicht.

Der Scheidungsantrag wird auf der Internetseite der Kanzlei ausgefüllt, die nötigen Urkunden per Post geschickt. Für Rückfragen bleibt der Kontakt per E-Mail oder Telefon, Beratungstermine in der Kanzlei entfallen. Auch ohne Internet können sich die Partner bei einer einvernehmlichen Scheidung aber auf einen Anwalt beschränken. Das Honorar ist gesetzlich geregelt und richtet sich nach dem Streitwert der Scheidung. Es wird also nicht billiger, wenn man seinen Anwalt nur per Mail kontaktiert.

Geschieden wird nicht im Netz, sondern noch immer vor dem Richter. Den Anwalt lernen die Parteien meist erst am Tag der Verhandlung persönlich kennen. Sie verzichten darauf, sich vorher ein persönliches Bild von ihm zu machen und bekommen eine Beratung nur auf Rückfrage.

Strittige Punkte bei Sorgerechts- oder Unterhaltsfragen können via E-Mail schnell übersehen oder falsch eingeschätzt werden. Vor Gericht kann es dann unter Umständen für eine Klärung zu spät sein, da der Anwalt im Streitfall dort nur eine Partei vertreten darf. Statt einer günstigen, unkomplizierten Abwicklung droht dann eventuell später Ärger.

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