Internet-Einführungskurse Test

Website, Provider, Download – für viele ist das Internet ein Buch mit sieben Siegeln. Wir haben neun Einführungskurse getestet. Nicht jeder macht fit zum Surfen.

Der billigste Kurs war der beste. Eigentlich ein tolles Ergebnis. Doch profitieren können davon nur die Hauptstädter. Denn der in unserer Auswahl beste Internet-Einsteigerkurs wird an der Volkshochschule Berlin-Neukölln gegeben. Die großen Bildungsträger, um die es uns bei dieser Untersuchung in erster Linie ging, haben dagegen enttäuschend abgeschnitten. Ärgerlich ist vor allem, dass die relativ teuren Seminare der Fachinstitute (bis zu 280 Euro) ihr Geld oft nicht wert sind. Sie vermitteln zu wenig Grundwissen und geben den Teilnehmern auch nicht genügend Zeit zum Üben.

Doch auch bei den Volkshochschulen (VHS) gibt es große Unterschiede. Das Schlusslicht bildet nämlich der zweite exemplarisch ausgewählte VHS-Kurs in Berlin-Reinickendorf. Während hier der Dozent offenbar allein die Inhalte bestimmt, stützt sich der Kurs der VHS Neukölln auf das von der Bertelsmann Stiftung, dem Volkshochschulverband und dem Magazin „stern“ entwickelte Konzept „Internet für Einsteiger“.

Insgesamt haben wir neun InternetEinführungskurse unter die Lupe genommen, darunter sieben große Weiterbildungsinstitute, die meist sowohl Privatkunden als auch Mitarbeiter von Firmen ausbilden, und die beiden Volkshochschulen. Uns interessierte vor allem, ob die Kurse Internetneulingen das erforderliche Rüstzeug vermitteln, um sich im Netz frei bewegen und wichtige Onlineangebote nutzen zu können.

Was sollte ein Einsteigerkurs bieten? In einem Expertengespräch haben wir acht Punkte festgelegt, die Teilnehmern mit geringem oder keinem Vorwissen vermittelt werden sollten. Dabei kommt es nicht darauf an, alles ausführlich und bis in letzte Tiefen auszuloten. So können die ersten drei Punkte kurz abgehandelt werden. Wichtig sind praktische Übungen, um beispielsweise die Funktionen des Browsers, die Arbeit mit Suchmaschinen und die Handhabung des E-Mail-Programms auszuprobieren. Den Schwerpunkt sollten unserer Meinung nach die Punkte Navigation, Informationssuche und Kommunikation bilden.

Doch nicht nur der Inhalt ist wichtig, sondern auch die Form der Wissensvermittlung. Dabei haben wir vor allem darauf geachtet: Werden die Erwartungen der Teilnehmer berücksichtigt? Wie geht der Dozent auf Fragen ein? Folgt der Unterricht einem Konzept? Gibt es genügend Zeit für Übungen?

Das von unseren Experten geforderte Grundwissen wurde in vollem Umfang lediglich an der Volkshochschule Berlin-Neukölln vermittelt. Hier stand der theoretische Unterricht auch in einem sehr guten Verhältnis zu Übungen am Computer, bei denen die Teilnehmer das Gelernte praktisch erproben konnten.

Suchstrategien kommen zu kurz

Internet-Einführungskurse Test

Bei den anderen Kursen kam dagegen Wichtiges oft zu kurz und manches wurde gar nicht erwähnt. Am schwerwiegendsten ist jedoch die fehlende Übungszeit. Den ersten Schritt ins Internet etwa, die Einwahl über das DFÜ-Netzwerk, sollte jeder Anfänger einmal am Computer durchexerzieren. Doch Fehlanzeige: Viele Kursanbieter haben diese Übung nicht im Programm.

Wer mit dem Internet noch gar nicht oder wenig vertraut ist, muss vor allem lernen, wie man aus dem Überangebot an Informationen das jeweils Passende herausfischt. Suchstrategien werden in den Einführungskursen aber viel zu wenig geübt. So fehlte beispielsweise bei Com und Dekra die Praxis zur Theorie der Suchmaschinen. Lediglich ein Suchbeispiel einer Teilnehmerin durchzugehen (Dekra), ist entschieden zu wenig. Wer das Internet optimal nutzen will, muss Suchstrategien beherrschen.

Eine der wichtigsten Anwendungen im Internet ist die E-Mail. Die von uns untersuchten Kurse haben das nicht immer ausreichend berücksichtigt. Doch das Einrichten eines E-Mail-Kontos und das Senden und Empfangen von E-Mails sollten Standard sein.

Hilfreich ist es, wenn am Ende des Kurses das Gelernte in einer komplexen Übung angewendet werden kann. Am besten wurde das im Einsteigerkurs der Deutschen Telekom praktiziert. Auf einer „Schnitzeljagd im Internet“ mussten die Teilnehmer ein Lösungswort suchen, dessen Buchstaben auf Webseiten, in herunterzuladenden Dateien und anderen Onlinedokumenten zu finden waren. Eine Stunde anleitungsloses Surfen wie beim Kurs des Kolping Bildungswerks ist dagegen kein idealer Abschluss.

Dozenten teilweise überfordert

Der Telekom-Kurs liefert übrigens auch den Beweis dafür, dass in der sehr knapp bemessenen Zeit von 7,5 Stunden ein ordentlicher Einführungskurs möglich ist. Allerdings wurde er von zwei sich gut ergänzenden Dozenten geleitet. Ohne Doppelspitze sind unserer Meinung nach mindestens zehn Stunden erforderlich, um das Grundwissen zu vermitteln. Die Qualität der Lehrer war ansonsten durchwachsen. Zwar brachten alle die nötige fachliche Qualifikation mit, doch nicht bei allen klappte die Verbindung von Theorie und Praxis. Manchen gelang es nicht, Fragen aus dem Teilnehmerkreis in den Unterricht zu integrieren. So reagierte der Dozent der VHS Reinickendorf auf Zwischenfragen oft unwirsch und der Leiter des Kolpingwerk-Kurses war mitunter überfordert.

An der Organisation und Ausstattung gibt es wenig auszusetzen. Kritik verdienen dagegen die Informationen in den Prospekten und auf Webseiten. Da steht oft nur vage, was in den Kursen gelehrt wird. Lernziele beschreibt kaum einer. Wer aber bis zu knapp 280 Euro für eine Weiterbildung ausgibt, will schon wissen, was er danach kann.

Dieser Artikel ist hilfreich. 887 Nutzer finden das hilfreich.