Interview: „Kulturelle Barriere ist nicht zu unterschätzen!“

Interkulturelles Training Test

Agnieszka Olkusznik

Ohne die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, ist ein fruchtbarer Kontakt zwischen Kulturen nicht machbar, meint Agnieszka Olkusznik, die für EkoConnect ein deutsch-polnisches Ökolandbauprojekt in Niederschlesien koordiniert.

Finanztest: Frau Olkusznik, Sie koordinieren das Projekt „Ökologisch zusammen- wachsen“, das polnische und deutsche Akteure aus der ökologischen Landwirtschaft vernetzt. Welche Ziele hat dieses Projekt?

Olkusznik: Die Landwirte, Unternehmen, Multiplikatoren und Organisationen aus der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft sollen sich kennenlernen und Vorurteile abbauen. So wollen wir den Ökolandbau in der Euro-Region Neiße fördern und die Grenze ein Stück weit unbedeutender machen.

Finanztest: Wie bringt man die Akteure aus dem Ökolandbau zweier Länder zusammen?

Olkusznik:So ein Projekt bedarf einer langen Vorbereitung. Wir haben durch unsere langjährige Arbeit in Mittel- und Osteuropa Kontakte zu Partnerorganisationen und Unternehmen im ökologischen Landbau aufgebaut. Dadurch kannten sich viele Akteure bereits vor Beginn des Projekts und hatten schon Vertrauen zueinander gefasst. Wichtig für das Projekt ist auch, dass wir Experten aus Erwachsenenbildung, ökologischem Landbau und landwirtschaftlicher Beratung aus beiden Ländern an einen Tisch gebracht haben. Denn bei der Wahl der Partner ging es auch darum, Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen ins Boot zu holen.

Finanztest: Worauf mussten Sie denn angesichts des deutsch-polnischen Teilnehmerkreises besonders Rücksicht nehmen?

Olkusznik: Sich darauf einzustellen, war eine Herausforderung. Die Erwartungen der Akteure waren sehr unterschiedlich, und es war nicht klar, wie sich das Miteinander der deutschen und polnischen Teilnehmer entwickeln würde. Um den gegenseitigen Zugang zu erleichtern, reicht es jedenfalls nicht, Seminare zweisprachig anzukündigen und abzuhalten. Es hat sich gezeigt, dass die Sensibilität im gegenseitigen Umgang und das Respektieren und „ernst genommen werden“ in der eigenen Kultur ganz wichtig sind.

Finanztest: Wo gab es die größten Unterschiede zwischen den Teilnehmern?

Olkusznik: In der Art zu kommunizieren. Die deutschen Teilnehmer beschäftigten sich bei den Veranstaltungen des Projekts häufig erst mit der fachlichen Thematik, die persönliche Ebene kam dann nach und nach dazu. Den polnischen Teilnehmern ging es meist darum, erst eine persönliche Ebene mit ihrem Gegenüber zu finden, um diese dann als Grundstein für eine fruchtbare Zusammenarbeit zu nutzen. Dieser Unterschied ist übrigens auch in der Zusammenarbeit mit anderen mittel- und osteuropäischen Ländern zu beobachten.

Finanztest: Sie selbst sind ja zweisprachig aufgewachsen und vermitteln zwischen den Kulturen. Wie hoch ist die Barriere, die Deutschland von Polen beziehungsweise seinen östlichen Nachbarländern trennt?

Olkusznik: Ich glaube, dass die kulturelle, vor allem aber die sprachliche Barriere nicht zu unterschätzen ist. Die gemeinsame Grenze hat auch eine gemeinsame Geschichte, Deutsche und Polen haben sie aber anders erlebt und interpretiert. Um die Geschichte gemeinsam zu betrachten, muss auch die sprachliche Distanz überwunden werden, etwa mit Projekten zum gegenseitigen wirtschaftlichen Nutzen. Von der Kommunikationsbereitschaft der Mitwirkenden wird abhängen, ob sich die beiden Kulturen näherkommen.

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