Interview: Fremde Nachbarn

Interkulturelles Training Test

Prof. Dr. Alexander Thomas

Interkulturelle Trainings bereiten Teilnehmer auf den Kontakt mit anderen Kulturen vor. Sie sind nicht nur für exotische Länder sinnvoll: Geografische Nähe sei da kein Kriterium, sagt ­Alexander Thomas, Professor für Sozial- und ­Organisationspsychologie an der Uni Regensburg.

Finanztest: Was versteht man unter dem Begriff interkulturelle Kompetenz?

Thomas: Wer sich mit Menschen aus ­anderen Kulturen auseinander setzt, muss seine eigene kulturelle Prägung mit dem Verhalten und den Werten der ­Person aus der anderen Kultur in Verbindung bringen. Ziel sollte sein, beiden Partnern eine zufrieden stellende Zusammenarbeit sowie die Erreichung ihrer ­Ziele zu ermöglichen.

Finanztest: Was können Teilnehmer von einem ein- bis dreitägigen interkulturellen Training erwarten?

Thomas: Die Teilnehmer sollten kulturelle Unterschiede verstehen: Sie müssen erkennen, dass der „Andere“ nicht irgendwie, sondern als Zugehöriger einer anderen Kultur mit eigenen Verhaltensmustern anders ist. Und sie sollten realisieren, dass auch ihr eigenes Verhalten von solchen Mustern geprägt ist. Zudem bereitet ein Training die Teilnehmer darauf vor, was sie erwartet, wenn sie mit Personen aus der Zielkultur in Kontakt treten.

Finanztest: Sind solche Kurse vor allem für die Vorbereitung von Kontakten mit exotischen Kulturen sinnvoll, oder lohnen sich auch Seminare für europäische ­Länder?

Thomas: Geografische Entfernung ist kein Kriterium: In arbeitsrelevanten Kontexten sind zum Beispiel die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Chinesen in ihrer Bedeutsamkeit nicht größer als zwischen Deutschen und ­Franzosen.

Finanztest: Mit welchen Maßnahmen, die über einen Kurs hinausgehen, können Verbraucher ihre interkulturelle Kompetenz verbessern?

Thomas: Wenn der Teilnehmer mit ­seinem Wissen in die praktische Arbeit geht, stellen sich zwangsläufig neue ­interkulturelle Probleme ein oder alte verschärfen sich. Diese Probleme sollte man mit kompetenten Gesprächspartnern erörtern können. Supervisionen oder Aufbau­semi­nare können zum Beispiel ­eine ­solche Funktion übernehmen.

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