Interes­sengemeinschaft Meldung

In dieses Dresdner Hotelgebäude hat der geschlossene Immobilienfonds HAT 47 investiert.

Erst­mals hat ein Gericht geur­teilt, dass Geschäfts­führer einer Anleger-Interes­sengemeinschaft Zahlen offenlegen müssen. Geklagt hatte ein Anleger-Ehepaar, das den Geschäfts­führern ihrer Interes­sengemeinschaft auf den Zahn fühlen wollte.

Geschäfts­führer sollen Zahlen offen legen

Wenn eine Geld­anlage schief­geht, bieten oft Interes­sengemeinschaften Geschädigten ihre Hilfe an. Die Opfer zahlen ihnen Beiträge und hoffen, dass das Geld sinn­voll verwendet wird. Erst­mals hat nun ein Ehepaar vor Gericht Auskunft darüber erstritten, wie viel die Geschäfts­führer ihrer Muster-Prozess-Gemeinschaft (MPG) wofür bekommen haben. Ab dem Jahr 2004 traten mehr als 4 000 Anleger schlecht laufender Immobilienfonds des Emissions­hauses HAT aus Hamburg der MPG bei. Sie erreichte unter anderem, dass mehrere Banken Vergleiche abschlossen, also sich mit Anlegern einigten.

Echte Zahlen erst nach Drängen

Im Sommer 2011 rechneten die drei Geschäfts­führer ab: Von 1,2 Millionen Euro Mitglieds­beiträgen und Zinsen sei über die sieben Jahre gut die Hälfte auf Kosten für die Geschäfts­führung entfallen. Mit dem Rest habe die MPG Rechts­anwälte, Prozesse, Versand­kosten und Ähnliches bezahlt. Übrig seien knapp 19 000 Euro. Mit diesen Auskünften war das Paar nicht zufrieden. Später räumten die Geschäfts­führer ein, dass sie mehr bekommen hatten: Sie kassierten Geld von Banken für den Aufwand mit den Vergleichen. Allein die HSH Nord­bank zahlte gut eine halbe Million Euro.

Land­gericht auf Seiten der Anleger

Das Land­gericht München I gab dem Ehepaar im Februar 2013 weit­gehend recht. Es legte den Geschäfts­führern auf, den Klägern die Adressen der Mitgesell­schafter heraus­zugeben. Sie müssen zudem Einsicht in die Bücher gewähren, Geld an die MPG zurück­zahlen und die Einnahmen und Ausgaben für einzelne Jahre ausweisen. MPG-Geschäfts­führer Dieter Korn­blum sieht darin wenig Sinn: „Wir haben viel Aufwand damit. Aber das Ergebnis wird sich dadurch nicht ändern.“ Sein Mit-Geschäfts­führer Hans Jürgen Straub betont, dass fast alle MPG-Mitglieder zufrieden mit dem Erreichten seien. Beide weisen sämtliche Vorhaltungen von sich. Alle drei Beklagten haben Berufung einge­legt.

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