Intelligenter Stromzähler Meldung

Sie kommen: Seit Jahresbeginn Pflicht für Neubauten und bis 2022 für sämtliche Haushalte vorgesehen – intelligente Stromzähler auch smart meter genannt. Ihr Potenzial? Geschätzte 5 bis 10 Prozent Energieeinsparung. Doch außer Kosten bringt der bloße Einbau vorerst nix. Noch ungeklärt: Die Datensicherheit. Intelligente Zähler machen Verbraucher zum gläsernen Kunden.

Wer zahlt die Zeche?

Laut Gesetz hat jeder Verbraucher seit Jahresbeginn das Recht, von seinem Stromversorger den Einbau eines intelligenten Stromzählers zu verlangen. Für Neubauten oder bei größeren Sanierungen ist der Einbau seit Januar sogar Pflicht. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Die Einschränkung im Energiewirtschaftsgesetz: „Soweit dies technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar ist.“ Die Kosten trägt der Netzbetreiber. Der Kunde zahlt lediglich eine Monatsmiete für das Gerät. Für Altbauten gilt: Der Einbau ist grundsätzlich möglich – aber noch freiwillig. Daher zahlt in der Regel der Verbraucher die Zeche. So weit die Theorie.

Chaotische Lage

Und die Praxis? Bleibt unübersichtlich und chaotisch. Noch immer fehlen einheitliche Standards für die Geräte, gibt es bei vielen Energieversorgern nur Pilotprojekte und sind wichtige Fragen zur Datensicherheit noch ungelöst. Immerhin: Wer einen smart meter möchte, kann ihn auch bekommen.

Viel zu hohe Kosten

Zum Beispiel bei Yellow-Strom. Die Tochter von EnBW bietet die Geräte bundesweit an. Allerdings ist die Sache nicht ganz billig. Kostenpunkt: 79 Euro sowie eine monatliche Miete für den smart meter. Alternativ ist auch der Wechsel zu Yellow möglich - aber nicht unbedingt preiswerter. Neben dem Einrichtungspreis von 79 Euro, steigt je nach Postleitzahl auch die monatliche Grundgebühr um einige Euro. Beispiel Potsdam: Bei den Stadtwerken kostet die Grundversorgung monatlich 5,45 Euro, die Kilowattstunde 22,84 Cent. Mit dem smart meter von Yello steigt der Grundpreis auf 17,25 Euro und die Kilowattstunde auf 23,89 Cent. Das ist happig. 1 Cent Rabatt gibt es von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr. Nicht gerade viel, wenn im Gegensatz dazu die Nerven des Nachbarn durch den Nachtgang der Waschmaschine blank liegen. Aufs Jahr gerechnet, kann die Zusatzbelastung schnell auf über 100 Euro steigen. Im Vergleich dazu: die Strompreise bundesweiter Ökostromanbieter – alle ohne smart meter, dafür aber deutlich preiswerter.

Smart spart 5 bis 10 Prozent

Dass der smart spart, scheint unbestritten. Die Pilotversuche der Energieversorger zeigen, dass der Stromverbrauch bei den Kunden im Schnitt um 5 bis 10 Prozent zurückging. Bei EnBW haben ein Drittel der Testkunden ihren Verbrauch sogar um mehr als 10 Prozent gesenkt. Dabei gilt: Je größer der Haushalt und je höher der Energieverbrauch, desto höher auch das mögliche Einsparpotential. Doch aufgepasst! Das neu eingebaute Gerät spart noch keinen einzigen Cent. Im Gegenteil: Nur der Kunde kann sparen – durch Änderung seines Verbraucherverhaltens.

Verbraucherverhalten steht im Mittelpunkt

Ein smart meter ist nur Mittel zum Zweck. Wo früher eine rotierende Scheibe den aktuellen Stromverbrauch allenfalls erahnen ließ, kann der Smarte den Verbrauch taktgenau anzeigen. Über einen PC ist so der persönliche Tages- oder Wochenverbrauch haargenau bilanzierbar. Das Resultat: Verbraucher werden für ihren alltäglichen Stromverbrauch sensibilisiert, können Stromkosten nachvollziehen oder sogar heimliche Stromfresser aufspüren.

Gläserne Zukunft

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So könnte die mit einem smart meter gemessene Energieverbrauchskurve in Zukunft aussehen. Dargestellt ist der „Stromverbrauch“ (Lastgang der Leistung) bei einer Familie über einen gesamten Tag.

So könnte die mit einem smart meter gemessene Energieverbrauchskurve in Zukunft aussehen. Dargestellt ist der „Stromverbrauch“ (Lastgang der Leistung) bei einer Familie über einen gesamten Tag.

Das Szenario: Kurz vor 6:00 Uhr aufgestanden, anschließend geduscht, tagsüber ist jemand in der Wohnung, abends erneutes Duschen, Baden oder Kochen, Bettruhe Punkt 22:00 Uhr – Daten die ein smart meter detailgenau auf den heimischen PC zaubern könnte – und an den Energieversorger. Denn auch der will genaue Verbrauchsdaten. Sein Vorteil: Er kann sich dem aktuellen Strombedarf anpassen und flexible Tarife anbieten. Nachteil für den Kunden: Er wird gläsern – sein Privatleben sogar nachvollziehbar. Noch ist die Frage zum Umgang mit den sensiblen Daten nicht eindeutig geklärt. Doch Experten, wie Dr. Alexander Dix, Jurist und Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, warnen bereits im Vorfeld: Die derzeitigen Planungen lassen für den Verbraucher nichts Gutes erahnen.

Schlau kaufen und Geld sparen

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Doch es geht auch ohne smart meter und vor allem viel einfacher. Zum Beispiel über die Internetseite www.test.de/spargeräte. Der Stromverbrauch von mehr als 700 Haushaltsgeräten ist dort kostenfrei abrufbar. Vor allem Altgeräte belasten die Stromrechnung. Ein Austausch lohnt – mit bis zu 400 Euro, wie der Modellhaushalt der Stiftung Warentest zeigt.

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