Insulinpens Test

Jugendliche kommen mit den meisten Insulinpens schnell zurecht.

Sie erleichtern das Leben von Diabetikern sehr. Doch manche Insulinpens haben Tücken, vor allem für Anwender mit eingeschränkter Sehfähigkeit oder Motorikstörungen.

Für viele Diabetiker gehört es einfach zum Tagesablauf: Regelmäßig müssen sie ihren Blutzuckerspiegel mit einer Dosis Insulin regulieren, weil ihr Körper das nicht mehr selbst schafft (siehe „Diabetes mellitus“). Lange war das eine umständliche Prozedur: Allein das Hantieren mit einer Spritze war vielen unangenehm. Dazu kam das fummelige Aufziehen des Insulins, die schlechte Dosierbarkeit. Seit es Insulinpens gibt, gehört das aber der Vergangenheit an. Neun von zehn insulinpflichtigen Diabetikern nutzen heute den praktischen Pen.

Mehr Lebensqualität

Insulinpens Test

Beim Arzt: Der Diabe­tiker erhält eine erste Einweisung in die ­Benutzung eines In­sulinpens.

Der Pen (englisch für Stift) hat zu mehr Lebensqualität insulinpflichtiger Diabetiker geführt, nicht nur weil er einfacher zu handhaben ist als die Spritze, er ist auch unauffälliger. Mit einem Pen ist der tägliche Pieks für viele auch in der Öffentlichkeit kein Problem mehr, etwa am Arbeitsplatz oder im Restaurant – mit herkömmlichen Spritzen für die meisten undenkbar. „Das trägt zur Motivation der Patienten bei und damit zu einer weiteren Verbesserung der Behandlung“, so die Berliner Diabetologin Dr. Elke Austenat. „Daher sollte jeder den Pen wählen, mit dem er am besten zurechtkommt.“

Wie Diabe­ti­ker mit verschiedenen Modellen klarkommen, haben wir an 21 Insulinpens geprüft, darunter sind 15 wiederauffüllbare mit Wechselkartuschen und 6 Fertigpens mit fest eingebauter Kartusche. 60 Diabetiker – vom Schulkind bis zur Rentnerin – haben jeden einzelnen Pen in einem Praxistest ausprobiert und bewertet.

Die meisten Pens lassen sich „gut“ bedienen. Allerdings gibt es die eine oder andere Besonderheit in der Handhabung, die für manchen zur Hürde wurde. Vor allem Anwender, die in der Sehfähigkeit oder der Beweglichkeit der Finger eingeschränkt sind – bei fortgeschrittenem Diabetes keine Seltenheit –, hatten mitunter ihre Schwierigkeiten (Tabelle „Insulinpens“).

Probleme beim Einstellen der Dosis

Insulinpens Test

Diabetikerschulungen: Hier werden nicht nur Tipps zu Sport und Ernährung vermittelt, sondern auch verschiedene Pens ausprobiert.

Erfreulich ist die Dosierge­nauigkeit: Die eingestellte Dosis entspricht immer der injizierten Insulinmenge. Probleme bereitete aber das Einstellen der Dosis. So ist etwa das Dosierrädchen bei einigen zu schwergängig, vor allem bei halbautomatischen Pens: Bei dieser Technik wird mit dem Rädchen eine Feder gespannt, die per Knopfdruck die Injektion auslöst. Das Injizieren fällt so leichter, das Dosieren braucht aber mehr Kraft. Die Autopens liefern daher Aufsätze als Kraftverstärker mit (siehe „Die Halbautomatik“).

Auch die Dosisanzeige ist nicht immer praktisch: Ein Lupenglas über dem Anzeigefenster des Humalog und des Liprolog Pens spiegelt so stark, dass die eingestellte Dosis nur schwer zu erkennen ist. Gut fanden die Testpersonen dagegen große, kontrastreiche Zahlen am Dosierrädchen, etwa bei den beiden HumaPens. Die Digitalan­zeigen der beiden Optipens und des Innovo beurteilten sie ebenfalls als vorteilhaft (siehe „Alles manuell“).

Lässt sich das Insulin nicht richtig dosieren, sind Fehler programmiert – mit den Folgen, die ein schlecht eingestellter Zucker bringt. Am schwierigsten beim Diapen: Mehr als jeder zweite Patient mit Seh- und Motorikeinschränkungen stellte hier anfangs eine falsche Dosis ein. Der Dosierknopf lässt sich auch mit beweglichen Fingern nur schwer drehen, außerdem ist die Dosisanzeige trotz aufgesetzter Lupe so klein, dass sie selbst mit gesunden Augen kaum zu entziffern ist.

Der Diapen gehört ohnehin zu den am schlechtesten bewerteten Pens im Test. Er ist den meisten zu umständlich. Das mag an seiner Funktionsweise liegen. Der Diapen wurde speziell für Patienten entwickelt, die Angst davor haben, sich selbst zu spritzen. Im Unterschied zu allen anderen Pens muss sich der Anwender hier die Nadel nicht selbst in die Haut stechen. Die Kanüle wird unsichtbar mit einem Spannmechanismus im Gehäuse des Pens versenkt, per Knopfdruck injiziert und nachher wieder mit einem Plastikstutzen unsichtbar aus dem Pen entfernt. Dafür sind allerdings einige recht knifflige Handgriffe erforderlich (siehe auch „Der Vollautomat“).

Ein Sonderfall ist auch der Optiset: Er ist für Anwender gedacht, die immer die gleiche Insulindosis spritzen müssen, etwa morgens und abends. Damit die Einstellung nicht versehentlich verändert wird, ist der Dosierknopf extra schwergängig. Das ist gut gemeint, doch unsere Testpersonen kamen mit der Dosiseinstellung schlecht zurecht.

Keine Dosisrückstellung möglich

Wurde versehentlich eine zu hohe Dosis eingestellt, lässt sich das bei den meisten Pens durch Zurückdrehen des Dosierrädchens korrigieren. Beim OptiPen 1E und den halbautomatischen Pens ist die Dosisrückstellung nicht möglich. Wer hier zu viel eingestellt hat, muss die gesamte Dosis verwerfen. Aber auch die anderen sind nicht immer reibungslos zu korrigieren: Bei den NovoPens etwa stellten 84 Prozent der Anwender mit Seh- oder Motorikstörungen beim Zurückdrehen anfangs eine falsche Dosis ein, weil der Mechanismus kompliziert zu bedienen ist.

Bei Fertigpens entfällt der Patronenwechsel, was bequem ist. Alle enthalten 300 Einheiten Insulin. Wer täglich 30 Einheiten spritzt, kommt damit zehn Tage lang aus. Ist die Patrone leer, kommt der Fertigpen in den Müll. Auffüllbare Pens dagegen halten in der Regel zwei Jahre. Daher gibt es hier auch aufwendiger gearbeitete Pens, etwa mit Metallgehäuse.

Ist die Diagnose „insulinpflichtiger Diabetes“ gestellt, muss der Patient Insulin spritzen. Der Arzt verschreibt je nach Therapieform das passende Medikament (siehe „Insulin“). Zu jedem Insulin gibt es passende Pens, wobei verschiedene Pharmaunternehmen meist vergleichbare Insuline auf dem Markt haben, sodass der Patient zwischen unterschiedlichen Pens wählen kann. Lediglich manche Insulin­analoga sind nur in Verbindung mit einem einzi­gen Pen erhältlich. Bei Typ-2-Diabetes sollen Insulinanaloga aber nur noch in Ausnahmefällen von der Krankenkasse bezahlt werden (siehe Meldung: Diabetesbehandlung). Für Human­insulin, Pens und Nadeln tragen die Krankenkassen bei einer ärztlichen Verordnung die Kosten.

Wer zur Ersteinstellung seines Blutzuckers in einer Klinik behandelt wird, bekommt dort meist eine Schulung, bei der es neben Hinweisen zu Ernährung und Sport auch darum geht, verschiedene Pens auszuprobieren – nicht zuletzt um Fehler beim Spritzen zu vermeiden (siehe „Richtig spritzen“). Beim Hausarzt ist allenfalls eine kurze Einweisung die Regel. Daher sollten Patienten nach Schulungen fragen, insbesondere wenn der Arzt nur eine geringe Auswahl an Pens vorrätig hat. Krankenkassen und Selbsthilfeverbände helfen weiter (siehe „Adressen“). Die Kosten für anerkannte Schulungen werden bei einer entsprechenden Verordnung von der Kasse übernommen.

Ein Kundendienst versagte

Wer Probleme mit seinem Pen hat, ist dringend auf Hilfe angewiesen. Wir haben an den Telefonhotlines der Anbieter um Rat gefragt, etwa zum Patronenwechsel oder zur Dosiseinstellung. Oft ist die Auskunft kostenfrei und das Ergebnis erfreulich: Bis auf eine Ausnahme wurde freundlich und kompetent geholfen. Nur der Anruf bei der Firma Haselmeier, zuständig für den Diapen, endete in einem Fiasko und mit dem Ratschlag, den Pen doch besser einzuschicken. Der Kundendienstmitarbeiter konnte keine einzige Frage beantworten.

Auch der Gang zur Apotheke hätte womöglich nichts gebracht. Wir haben mit einem präparierten Pen exemplarisch in zehn Apotheken um Hilfe gebeten, jede zweite davon eine ausge­wiesene Diabetes-Spezialapotheke. In neun Fällen wurde das Problem nicht gelöst.

Dieser Artikel ist hilfreich. 4518 Nutzer finden das hilfreich.