Im erste Halbjahr 2010 stieg die Zahl der Firmenpleiten nach Angaben von Bürgelwirtschaftsinformationen um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Betroffen waren auch zu 45 Prozent Selbstständige und Gewerbetreibende, die mit ihrem Privatvermögen haften. Finanztest sagt, wie sie ihre Altersvorsorge krisenfest machen können.

Insolvenz kann auch Altersvorsorge dahinraffen

Für Selbstständige bedeute eine Insolvenz häufig auch den Verlust ihrer Altersvorsorge, weil die Gläubiger auf ihre Ersparnisse, Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung zugreifen können. Besonders bitter ist so etwas für Unternehmer, die kurz vor der Rente mit ihrer Firma Schiffbruch erleiden. Sie können bei einer Insolvenz auf einen Schlag ihre gesamte Altersvorsorge verlieren.

Sichere und unsichere Produkte

Einige Altersvorsorgeprodukte sind jedoch insolvenzsicher. Hierzu gehören beispielsweise die staatlich geförderten Riester- und Rürup-Verträge. Alle anderen Geldanlagen konnten Gläubiger bis vor Kurzem im Pleitefall komplett verwerten. Seit März 2007 hat sich die Situation geändert. Der Gesetzgeber hat einen Pfändungsschutz für Altersvorsorgeverträge eingerichtet. Er greift aber nur, wenn ein Vertrag die folgenden drei Kriterien erfüllt:

  • Es darf keine einmalige Kapitalauszahlung an den Selbstständigen möglich sein.
  • Im Vertrag muss unwiderruflich eine lebenslange Rente vereinbart werden.
  • Die Rente darf nicht vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt werden.

Der Gesetzgeber hat sich zwar nicht auf bestimmte Produkte der privaten Altersvorsorge festgelegt. Doch in der Praxis können nur Lebens- und Rentenversicherungen diese strengen Kriterien erfüllen.

Pfändungsschutz nur für bestimmte Beträge

Der Pfändungsschutz ist auf vorgegebene Beträge beschränkt. Sie sind gestaffelt und richten sich nach dem Alter des Versicherten. Selbstständige dürfen zum Beispiel für jedes Lebensjahr ab 18 einen Betrag zwischen 2 000 (bis 29 Jahre) und 9 000 Euro (zwischen 60 und 65 Jahren) ansparen. Insgesamt können Selbstständige bis zu 238 000 Euro schützen. Die Tabelle zeigt für jedes Alter den jährlichen Einzahlungsbetrag und den pfändungsfreien Höchstsatz.

Vertragsumstellung möglich

Bereits abgeschlossene private Rentenversicherungsverträge können Selbstständige ändern lassen. Sie müssen aber die Kosten für die Vertragsänderung tragen. Einige große Versicherer wie Huk-Coburg, Allianz und Debeka Versicherung verlangen für die Umstellung kein Geld.

Kosten entstehen aber, wenn der Anleger gleichzeitig seine Versicherungssumme erhöht, um sie beispielsweise den Pfändungsfreigrenzen anzupassen. Wer seine Altersvorsorge pfändungssicher macht, sollte außerdem wissen, dass er der Bank diesen Versicherungsvertrag nicht mehr als Sicherheit für einen Kredit anbieten kann.
Tipp: Mehr zum Thema Existenzgründung und die richtige Absicherung für Selbstständige finden Sie im Finanztest Spezial Selbstständige. Die besten Tipps für Freiberufler und Kleinunternehmer.

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