Fipro­nil-Skandal Meldung

Nieder­sächsische Behörden haben in einer groß angelegten Aktion Legehennen­betriebe und Pack­stationen über­prüft, aber keine weiteren Belastungen mit dem Insektizid Fipro­nil entdeckt. Auch untersuchte Proben von Produkten mit verarbeiteten Eiern waren negativ. Das Bundes­land­wirt­schafts­ministerium geht davon aus, dass mindestens zehn Millionen kontaminierte Eier aus den Nieder­landen nach Deutsch­land gelangt sind. Auch deutsche Eier waren betroffen. Viele Chargen wurden zurück­gerufen, zuletzt auch Salate mit Ei. Das Bundes­institut für Risiko­bewertung schließt ein Gesund­heits­risiko für Kinder nicht ganz aus.

In Nieder­sachsen keine weiteren Legehennen­betriebe belastet

Laut Nieder­sachsens Agrar­minister Christian Meyer (Grüne) untersuchten Fachleute der Behörden fast 300 Proben aus Legehennen­betrieben und Eier-Pack­stationen auf Fipro­nil – keine der Proben war mit dem Insektizid belastet. Auch zehn Proben aus Produkten mit verarbeiteten Eiern waren unauffäl­lig. Der Minister deutet das als „leichte Entspannung aber noch keine voreilige Entwarnung.“ Auslöser für die Über­prüfungen: Bei vier nieder­sächsischen Legehennen­betriebe mit insgesamt 130 000 Hühnern hatte man Fipro­nil nachgewiesen – in den Eiern oder im Gefieder von Jung­hennen. Die betroffenen Betriebe sind bis auf Weiteres gesperrt.

Aldi verlangt Unbe­denk­lich­keits­erklärung

Auch der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungs­formen KAT, dem rund 2 400 Lege­betriebe mit mehr als 5 400 Ställen angehören, gibt zumindest eine Teil-Entwarnung: Es gelangten keine belasteten Eier mehr frisch in den Handel, sagte der Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke der Neuen Osnabrücker Zeitung. Verbraucher könnten wieder unbe­sorgt Schalen­eier deutscher Betriebe kaufen. Der Lebens­mittel-Discounter Aldi hält dennoch daran fest, „dass nur noch Eier an Aldi geliefert werden, für die ein negativer Fipro­nilnach­weis aus einer amtlichen Probenahme oder von einem akkreditierten Labor vorliegt“, wie es in einer Aldi-Pressemitteilung heißt.

Auch Hühner­fleisch auf dem Prüf­stand

Nieder­ländische Behörden prüfen derzeit Hühner­fleisch in Betrieben, in denen zuvor mit Fipro­nil kontaminierte Eier entdeckt worden waren. Betroffen seien „einige Dutzend“ Höfe, die sowohl Eier als auch Hühner­fleisch produzierten, erklärte ein Sprecher der nieder­ländischen Behörde für Lebens­mittel­sicherheit (NVWA). Dem Bauern­verband LTO zufolge gibt es nur wenige solche Höfe – die meisten Betriebe produzieren entweder Eier oder Fleisch. Die Tests seien eine reine Vorsichts­maßnahme, sagte der Behörden­sprecher.

Belastete Eier in 15 EU-Ländern, Schweiz und Hong­kong

Das vom Bundes­amt für Verbraucher­schutz und Lebens­mittel­sicherheit betriebene Portal www.lebensmittelwarnung.de warnt inzwischen vor belasteten Eiern in allen Bundes­ländern: Zunächst waren insgesamt etwa 2,9 Millionen mit Fipro­nil belastete Eier aus den Nieder­landen nach Nord­rhein-West­falen und Nieder­sachsen geliefert worden. Laut Umweltministerum NRW sind davon knapp 900 000 in den Handel gelangt. Sie wurden zurück­gerufen. Weitere 1,3 Millionen Eier seien über die Pack­stellen nach Nieder­sachsen gelangt und auch bereits im Handel und verkauft worden, gab das niedersächsische Agrarministerium bekannt. In den vier betroffenen nieder­sächsischen Betrieben haben Hühner nach Angaben von Landes­agrar­minister Meyer etwa 16 Millionen mit Fipro­nil kontaminierte Eier gelegt, die entweder verkauft oder zurück­gerufen worden. Mitt­lerweile sind in 15 EU-Ländern, sowie auch in der Schweiz und Hong­kong belastete Eier aufgetaucht.

Belgische Behörden wussten seit Anfang Juni von dem Problem

Offen­bar ist ein Mittel zur Stall­reinigung und Stall­des­infektion verbotener­weise mit dem Insektizid vermischt worden. Dass Hühner­eier möglicher­weise mit Fipro­nil belastet sind, haben die belgischen Behörden bereits vor zwei Monaten erfahren. Aufgrund von Betrugs­ermitt­lungen sei diese Information aber nicht öffent­lich gemacht worden, teilte die belgische Behörde für Lebensmittelsicherheit mit. Nieder­ländische Ämter wussten mutmaß­lich schon im November 2016 von Fipro­nil belasteten Eiern – das sagte jetzt der belgische Land­wirt­schafts­minister Denis Ducarme in einer Krisensit­zung seines Parlaments.

Ermitt­lungen gegen nieder­sächsische Land­wirte

In Nieder­sachsen setzte wohl ein nieder­ländischer Dienst­leister das betroffene Mittel in den jetzt gesperrten vier Betrieben ein. Einer der Legehennenhalter hatte sich bei den Behörden gemeldet. Darauf­hin gab es eine Unter­suchung seiner Eier, der Befund für Fipro­nil war positiv – ebenso in drei weiteren Legehennen­betrieben in Nieder­sachsen. Jetzt ermittelt die Staats­anwalt­schaft Oldenburg gegen alle vier Legehennenhalter.

Spur führt nach Rumänien

Das Nach­richtenportal Spiegel Online berichtet über Hinweise, dass ein belgischer Chemikalienhändler große Mengen eines fipro­nilhaltigen Tiermedikaments in einer Fabrik in Rumänien bestellt habe. Es war offen­bar einem Produkt namens „Dega 16“ beigemischt, mit dem Geflügels­tälle gesäubert werden. In Deutsch­land ist dieses Präparat auf dem offiziellen Markt nicht erhältlich, schreibt Spiegel Online.

Rück­ruf von eierhaltigen Produkten

Inzwischen ist bekannt, dass auch eierhaltige Produkte von dem Fipro­nil-Skandal betroffen sind. Der Hersteller Neue Mayo Fein­kost GmbH aus Lübeck rief Salate zurück, in denen er mit Fipro­nil belastete Eier in gekochter und geschnittener Form verarbeitet hatte:

  • Porree­salat Toscana: MHD 20.08.2017
  • Gosch Sonn­tags­frühstück: MHD 28.08.2017
  • Oma‘s Pell­kartoffel­salat: MHD 16.08.2017
  • Eiersalat klassisch: MHD 18.08.2017
  • Hofgut Eiersalat: MHD 16.08.2017
  • Hofgut Thun­fisch­salat: MHD 16.08.2017

Laut Nieder­sachsens Agrar­minister Meyer soll geprüft werden, ob mit Fipro­nil belastete Eier zur Herstellung weiterer Lebens­mittel – etwa Nudeln und Fertigkuchen – verwendet worden sind. Ebenso will man unter­suchen, ob von Geflügel­fleisch eine Gefahr ausgeht. Bislang gebe es darauf aber keine Hinweise, so Meyer.

Stempel­aufdruck über­prüfen

Wer in den vergangenen Tagen Eier gekauft hat, sollte den Stempel­aufdruck der gekauften Eier kontrollieren. Betroffene Eier sollten nicht verzehrt, sondern über den Restmüll entsorgt werden. Möglicher­weise nehmen Geschäfte die Ware aber auch zurück.

So erkennen Sie betroffene Eier

In Deutsch­land wurde Fipro­nil in Eiern mit folgenden Stempel­aufdrucken nachgewiesen (Quelle Lebensmittelwarnung.de):

Beginnend mit 0: 0-DE-0360521, 0-NL 4385501 , 0-NL 4392501 , 0-NL-4031001 , 0-NL-4170101, 0-NL-4310001 , 0-NL-4352602

Beginnend mit 1: 1-DE-0357731 , 1-DE-0358001, 1-NL 4128604 , 1-NL 4286001 , 1-NL-4167902 , 1-NL-4322401 , 1-NL-4331901 , 1-NL-4339301, 1-NL-4339912 , 1-NL-4359801, 1-NL-4385701

Beginnend mit 2: 2-DE-0358621, 2-NL-4212103 , 2-NL-4272201, 2-NL-4272202, 2-NL-4272301, 2-NL-4322402 , 2-NL-4332601 , 2-NL-4332602 , 2-NL-4385702

Besonders belastete Eier in den Nieder­landen

Die nieder­ländischen Über­wachungs­behörden warnen darüber hinaus vor Eiern mit so hohen Fipro­nil-Gehalten, dass der Verzehr eine akute Gefahr für die Gesundheit mit sich bringen könne. Sie tragen die Stempel­nummer 2-NL-4015502.

In den Nieder­landen sind weit mehr Eier belastet: Wer dort kürzlich Eier gekauft hat, findet eine Über­sicht über alle Stempelnummern der belasteten niederländischen Eier auf der Website der nieder­ländischen Aufsichts­behörde.

Gesund­heits­risiko für Kinder

Für die Fipro­nil-Gehalte, die bisher bei den betroffenen Eiern gemessen wurden, hält das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein akutes Gesund­heits­risiko für Erwachsene mit normalem Eier-Verzehr für unwahr­scheinlich. Das gilt im Prinzip auch für Kinder, im Zweifels­fall ist jedoch Vorsicht geboten: Sie sollten die Eier lieber nicht verzehren.

Insektizid gegen Parasiten

Fipro­nil wird in der Tiermedizin als Mittel gegen Parasiten wie Flöhe, Zecken, Läuse, Schaben und Milben genutzt, zum Beispiel bei Hunden und Katzen. Bei lebens­mittel­liefernden Tieren darf es nicht einge­setzt werden. Daher müssen alle damit belasteten Lebens­mittel aus dem Verkehr gezogen werden – egal wie hoch sie mit dem Insektizid belastet sind.

Im Tier­versuch giftig

Fipro­nil ist im Tier­versuch akut giftig, wenn es oral oder über die Haut aufgenommen oder inhaliert wird. Ebenfalls im Tier­versuch zeigte sich, dass es Schäden am Nerven­system und an der Leber verursachen kann. Der Stoff wirkt aber nicht haut- oder augen­reizend und verursacht keine allergischen Haut­re­aktionen. Weitere Details rund um Fipronil hat das Bundes­institut für Risiko­bewertung veröffent­licht.

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* Diese Meldung ist erst­mals am 1. August 2017 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­mals aktualisiert, zuletzt am 11. August 2017.

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