Angst vor kleinen Tieren, die stechen und beißen? Hier finden Sie Präparate und praktische Tipps gegen die Plagegeister. Und zum Stichtag noch Arzneimittel zur effektiven Behandlung der Folgen.

Kein Zweifel – wem eine Hornisse in die Quere kommt, der wird leicht von Panik erfasst. Nicht so Manfred Waldschmidt aus Göttingen. Er bietet seit Jahren Tieren Asyl und schützt auch das größte Insekt der heimischen Tierwelt. Gelegentlich siedelte er im amtlichen Auftrag Hornissenschwärme um. „Wer die Hornisse in Ruhe lässt, wird auch in Ruhe gelassen“, ist sich der Tierschützer sicher. „Der Adler unter den Insekten, der aussieht wie ein Tiger“, sei keine Bedrohung, in seinem Bestand aber selbst bedroht.

Es muss kein aggressiver Riesenbrummer und auch nicht die Malariamücke sein, der Tatort kein fernes Land – ein Problem sind stechende Insekten auch hierzulande allemal. Durch fehlenden Schutz, falsches Verhalten, Unachtsamkeit oder unglückliche Zufälle werden Kinder und Erwachsene immer wieder vor allem von Bienen und Wespen gestochen, von Bremsen attackiert, von Mücken gepiesackt und durch Zeckenbisse mit Krankheitserregern infiziert.

Millionen Insektengiftallergiker

Etwa jeder Zweite im Lande ist schon einmal von einer Biene oder Wespe gestochen worden. Etwa 2,5 Millionen Bundesbürger sind Insektengiftallergiker. Die Zahl der Betroffenen hat sich in den vergangenen zehn Jahren – so Berechnungen – etwa verdoppelt. Sie reagieren in unterschiedlicher Intensität allergisch auf das Gift von Bienen und Wespen. Jahr für Jahr gibt es durch Bienen- und Wespenstiche etwa 20 Todesfälle.

Reaktionen auf Insektenstiche reichen von Rötung, örtlicher Schwellung, Brennen, Juckreiz zu Reaktionen wie Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Schwindel, Kopfschmerzen, Beschwerden von Herz und Kreislauf, Übelkeit bis hin zum Schockzustand. Er kündigt sich durch Kribbeln oder Brennen auf der Zunge oder im Rachen an, durch Juckreiz an Handflächen und Fußsohlen. Dann muss man gewappnet sein – und braucht rasch ärztliche Hilfe.

Notfallsets für Gefährdete

  • Es ist wichtig zu wissen, ob in der Familie bereits Allergien aufgetreten sind. Ist ein Elternteil Allergiker, besteht zu etwa 30 Prozent die Wahrscheinlichkeit, dass diese Veranlagung vererbt wurde.
  • Mit einem Test wird zum Beispiel das vermutete Allergen als Tröpfchen auf die Haut gebracht, diese darunter eingeritzt (Prick-Test). Beim positiven Befund entsteht eine Quaddel.
  • Ergänzend kann ein Bluttest (RAST) feststellen, ob es sich wirklich um eine Allergie handelt.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern kann er den Hauttest ersetzen, weil er weniger belastet. Das gilt auch bei Verdacht auf hochgradige Sensibilisierung bei drohendem allergischen Schock.

Ist die Insektengiftallergie festgestellt, sollten Betroffene sich ein Notfallset verschreiben lassen und zusammenstellen. Es enthält ein schnell wirksames Antihistaminikum sowie Kortison und vor allem Adrenalin als Injektion oder Spray gegen das gefährliche Anschwellen der Schleimhäute im Rachen und andere Reaktionen. Der Arzt macht Patienten vertraut mit rezeptpflichtigem

  • Adrenalin gegen schwerwiegende Reaktionen zur Injektion mit Autoinjektor wie Anapen (Dr. Beckmann), Fastjekt (Allergopharma), Suprarenin (Aventis Pharma);
  • Kortison mit rasch wirkenden Glukokortikoiden wie Prednisolon- oder Prednison-Tabletten;
  • Antihistaminika mit schneller Wirkung zum Einnehmen wie Tavegil (Novartis), Fenistil (Novartis).

Unempfindlich werden

Wer auf Insektenstiche stark reagiert, kann mit dem Arzt eine Hyposensibilisierung („Spezifische Immuntherapie“, SIT) in Erwägung ziehen. Voraussetzung: Eine IgE-Antikörper-Reaktion muss nachgewie­­­sen sein. Die Hyposensibilisierung soll die Wirkung bestimmter Allergene mindern und zur Unempfindlichkeit führen. Die Insektengifte werden nach ansteigendem Dosierschema erst wöchentlich, dann monatlich unter die Haut des Oberarms gespritzt. Die Therapie dauert drei bis fünf Jahre. Die Erfolgsquote bei Insektenstichen liegt außerordentlich hoch. So behandelt wird aber bisher nur etwa jeder zehnte Insektengiftallergiker. Eine Immunisierung ist auch gegenüber Hummeln, Hornissen, Mücken, Ameisen möglich.

Hinweis: Einige Erkrankungen und Arzneimittel wie Betablocker, ACE-Hemmer, bestimmte Augentropfen, Schmerz- und Rheumamittel stehen einer Hyposensibilisierung entgegen, ebenso wie eine Schwangerschaft.

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