Inlineskates 1 Test

Millionen in Deutschland fahren auf die schnellen Rollen ab. Wir haben Damen- und Herrenmodelle für Fitness und Freizeit getestet. Die Sieger kommen von Fila und K2.

Über zehn Millionen Menschen haben die Rollenschuhe im Schrank, vorsichtig geschätzt. Inlineskating ist zu einer Massenbewegung geworden, deren größeren Teil Frauen stellen. Die Hersteller haben dem jetzt Rechnung getragen: Boten sie die meisten Schuhe früher als Unisexmodelle an, gibt es heute Damen- und Herrenschuhe für die Gemeinde fein säuberlich getrennt.

Wir haben Herren- und Damenmodelle des gleichen Produkts geprüft, nur Head 90 T 2 ist unisex. Ergebnis: Die Unterschiede sind bei Optik und Aufbau nicht unerheblich, aber in den Laufeigenschaften so klein und fein, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Brauchen Frauen tatsächlich andere Schuhe als Männer – bislang ging es doch auch unisex? Abgesehen vom Design und der Farbgebung sprechen auch Unterschiede in der Anatomie des Fußes für zweierlei Paar Schuhe. Ursache ist der bei Frauen meist etwas tiefere Wadenansatz, der schmalere Leisten (Fußbreite) und die oft verkürzte Achillessehne.

Probleme mit Skates für Frauen

Inlineskates 1 Test

Moderate Standhöhe trotz 90er Rollen: K 2 Max. Rechts Rollerblade Activa.

Um dem Frauenfuß gerecht zu werden, gehen die Hersteller verschiedene Wege. Teilweise verwenden sie etwas kürzere Schäfte oder sparen sie im Wadenbereich aus. Wird dann jedoch die übliche Schaftversteifung verwendet, kann es zu Druckstellen am Schuhrand kommen. Andere Hersteller bieten einen weicheren Schuhabschluss, der sich besser an die Wadenform anpasst. Unsere Testfahrten haben gezeigt, dass es kaum Grund für Beanstandungen gab, nur in Einzelfällen klagten die Frauen über Druckstellen – besonders beim Streetfighter Pro 1400.

Inlineskaten ist keine ganz billige Sache – vor allem dann nicht, wenn ganze Familien auf die Piste gehen wollen. Die Mehrzahl der für „gut“ befundenen Modelle des Testfelds kostet zwischen 150 und 200 Euro. Für weniger als 100 Euro präsentiert sich im Test nur ein „guter“ Schuh: Hudora RX 23. Aber immerhin bestätigte sich auch jetzt der Trend der zurückliegenden Tests: Die zu billigeren Preisen angebotenen Modelle hinken in der Qualität nicht mehr in jedem Fall hinterher.

Die geprüften Inlineskates rollen auf relativ hohem Niveau aus der Fabrikation. Richtige Versager im Test gab es nicht. Nur zwei Modelle (Streetfighter Pro 1400 und Head 90 T 2) mussten sich mit dem test-Qualitätsurteil „befriedigend“ abfinden.

Neben dem Preis bekommen deshalb die Details ein größeres Gewicht. Bei vergleichbarer Qualität könnte beispielsweise die Schnürung den Ausschlag für die Kaufentscheidung geben. So haben vier Schuhe kein klassisches Schnürsystem zum Binden: Man zieht kräftig mit einer Hand an einer Schnur und schon ist der Schuh festgezurrt (K2 Athena/Exo, Rollerblade Activa/Crossfire und Rollerblade Wing 4/Astro 4). Aber nicht jedem gefällt das: Manche unserer Testfahrer und -fahrerinnen waren begeistert, anderen war die Schnellschnürung schnuppe. Auch das Festzurrsystem mit Drehknopf (Rollerblade Wing 6 und Astro 6) erfreute sich unterschiedlicher Wertschätzung – also ausprobieren.

Den Stopper, das skateeigene Bremssystem, oder auch die Rollen auszutauschen, ging nicht immer gleich gut. Wer viel unterwegs ist, sollte einen geschärften Blick in die entsprechenden Tabellenzeilen werfen. Ärgerlich ist es, wenn der Bremsgummi nur so dahinschmilzt und früh ersetzt werden muss, wie beim Streetfighter Pro 1400. Aber auch Head 90 T2 und K2 VO2 Max radierten sich relativ schnell weg.

Die Rollenfrage

Inlineskates 1 Test

Größenvergleich: 80er, 84er und 90er Rollen (von oben nach unten).

Wichtig ist die Rollenfrage: Sollen sie größer oder kleiner, härter oder weicher sein? Im Prinzip beschleunigt man mit kleineren Rollen besser und sie bringen auch mehr Wendigkeit, während größere bei der Geschwindigkeit punkten und sich auf langen Strecken leichter fahren.

Wie sich das Fahr-verhalten ändern kann, je nachdem ob mit kleineren oder größeren Rollen geskatet wird, ist sehr gut am Fila Night Hawk CS zu sehen, den wir mit 90er und mit den kleineren 84er gefahren sind. In beiden Varianten gehört der Night Hawk zu den Besten des Vergleichs. Mit den kleineren 84er Rollen ist er aber noch einen Tick wendiger. Dafür kommt der mit den größeren Rollen auf mehr Speed. Die Unterschiede sind aber nicht sehr groß, und wirklich klein sind 84-Millimeter-Rollen auch nicht – schließlich waren früher Rollendurchmesser von 76 Millimetern die Regel.

Einsteiger werden sich wohl eher für Skates mit kleineren Rollen entscheiden. Sie schenken am Anfang der Fahrtechnik mehr Augenmerk als der Geschwindigkeit. Fortgeschrittene dagegen sind reif für mehr Speed und größere Rollen. Doch nicht jeder Skate mit 90er Rollen bietet die erhoffte höhere Geschwindigkeit, wie Head 90 T 2 im Test bewies. Überhaupt zeigten sich viele mit kleineren Rollen den größeren beim Tempo ebenbürtig. Es kommt eben nicht nur auf die Größe, sondern auf die gelungene Kombination von Rollen, Lagern und Achsen an.

Neben weiteren Faktoren beeinflusst auch die Härte der Rollen das Fahrverhalten, so bei der Dämpfung und dem Überwinden von Unebenheiten, wie Betonfugen oder Gullydeckeln. Eine Rolle mit der Bezeichnung 78 A (Werkstoffkennwert für Elastomere und Kunststoffe) ist weicher als eine 80 A – je höher die Zahl, desto härter die Rolle. Vereinfacht lässt sich sagen, härtere Rollen bringen höhere Geschwindigkeiten, aber die Haftung ist geringer. Glatte Bahnen und Feuchtigkeit können problematisch werden. Im Test hatten wir Härten von 78 A bis 84 A (siehe Tabelle „Inlineskates für Damen und Herren“).

Von der Straßenverkehrsordnung werden Skater stiefmütterlich behandelt: Sie dürfen nicht auf die Fahrbahn, aber auch der Radweg ist tabu. Man zählt sie zu den „besonderen Fortbewegungsmitteln“ wie Rollstühle oder Kinderwagen und sie unterliegen den Regeln für Fußgänger (siehe Skaterstrecken). Im wirklichen Leben schweben sie aber in ständiger Gefahr, mit Autos oder Fußgängern zu kollidieren. Skater besorgen sich deshalb am besten mit den Schuhen auch gleich eine private Haftpflichtversicherung.

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