Qualität statt flippiger Trendprodukte – die Skatebranche hat an den inneren Werten der 14 Neulinge im Test gefeilt. Herbe Kritik gab es beim Labor- und Praxistest der Protektoren.

Das schlechte Wetter war schuld. Regen und Schnee im Frühjahr und feuchte Witterung im Sommer haben den erfolgverwöhnten Skate-herstellern im vergangenen Jahr bis zu 35 Prozent Minus bei den Verkäufen beschert. Wegen hoher Lagerbestände orderte der Handel neue Ware äußerst vorsichtig. Zum Saisonauftakt 2002 stehen in manchen Geschäften mehr preisreduzierte Modelle aus dem Vorjahr als neue Skates in den Regalen.

Wer nach den Unterschieden zwischen neu und alt sucht, muss genau hinsehen. Statt auf bahnbrechende Neuheiten haben sich die Hersteller 2002 auf die Modellpflege konzentriert. Statt flippiger Trendprodukte suchen die inzwischen über zehn Millionen Freizeit- und Fitness-Skater in Deutschland Qualität. Verbessert wurden Passform, Tragekomfort, Einstieg und Schließen der Schuhe. Mehr Alu- statt Kunststoffschienen und größere Rollen sollen die Skates flotter machen. Keine Experimente mehr bei den Bremsen: Die Fersenbremse ist bewährter Standard bei allen. Hersteller K2 bietet mit einem Modulsystem aus beliebig kombinierbaren Schienen, Schuhen und Rollen die Qual der Wahl.

Hypno setzt auf den Schuh mit abnehmbarer Schiene für Gehpausen zwischendurch. Was als pfiffiger Zwitter aus Laufschuh und Inlineskate beworben wird, ist weder besonders neu noch besonders gut. Zum Laufen sind die Schuhe im Sohlenbereich, wo die Skateschiene angeklippt wird, zu hart. Auch die zum Skaten wichtige Abstützung des Fußgelenks macht den Schuh zum Schlendern in der Stadt unbequem. Positiv: Im Unterschied zu früheren Testergebnissen ist die Verbindung fahrbar und stabil.

Die Preiswerten holen auf

Auffällig ist der Leistungszuwachs bei den preiswerten Angeboten. Während Skates für unter 100 Euro in den Vorjahren dem breiten Testfeld deutlich hinterherfuhren, erreichte der Hudora für 55 Euro im aktuellen Test das Urteil „befriedigend“. Der Crazy Creek für 80 Euro schließt sogar mit einem respektablen „Gut“ ab. Beide erleichtern preisbewussten Anfängern den Einstieg und sind eine Alternative zu Aktionsmodellen, bei denen ein guter Kauf Glücksache ist.

Wer mit einem komfortabel passenden Skate flott vorankommen will, muss mehr ausgeben. Die Mittelklasse im Test war mit sechs neuen Modellen für 140 bis 180 Euro vertreten. Sechs Skates für 200 bis 315 Euro runden das Testfeld nach oben ab. Echte Innovationen suchten wir selbst bei den teuren Skates vergebens. Komplizierte Federn und Dämpfungssysteme zwischen Schiene und Schuh sind verschwunden. Elastische Schäume und Kunststoffe im Fersenbereich übernehmen zusammen mit den Laufrollen die Aufgabe, ermüdende Vibrationen auf rauhem Untergrund zu dämpfen.

Positiv fiel unseren vier weiblichen und vier männlichen Testläufern im Praxistest die Dämpfung und der Tragekomfort bei Rollerblade Core 07 und EVO 08 auf. Für den Roces BER Berlin ist das Urteil „befriedigend“ beim Tragekomfort bereits ein Fortschritt. Schließlich war ein Roces-Modell im Vorjahr wegen drückender Kanten im Schuh bei den Testern gefürchtet.

Bis auf Hudora werden alle Schuhe im Test als Damen- und Herrenmodell angeboten. Die Frauenschuhe sind im Leisten und Schaft an die Anatomie des weiblichen Fußes angepasst. Dass sich der Griff zum Damenschuh auszahlt, können unsere Testpilotinnen bestätigen.

Anfänger brauchen mehr Halt

Die Grundkonstruktion ist bei allen Schuhen inzwischen gleich. Ein hartes Kunststoffskelett hält die Verbindung zum Fahrwerk und stützt den in weiche Polster eingebetteten Fuß. Anfänger brauchen mehr Halt, geübte Skater weniger. Guter Sitz beginnt beim Fußbett. Positive Beispiele dafür sind die Schuhe von Salomon, K2 und Rollerblade. Da kann der preiswerte Hudora nicht mithalten. Sein hoher Schaft macht dieses Manko trotz des guten Seitenhalts nicht wett.

K2 wendet sich mit dem deutlich niedrigeren Schuh Mod 10 aus seinem Modulsystem an geübte Skater mit gut auftrainierter Fußmuskulatur. Hier sorgt der tiefe Schnitt für mehr Bewegungsfreiheit beim Abdruck und bei Manövern. Für weniger trainierte Skater ist der etwas höhere Mod-8-Schuh die bessere Wahl.

Einsteigen und losrollen – langes Fummeln vor dem Start ist out. Bei K2, Rollerblade, Salomon, Tecnica und Hudora klappt der Start dank großer Ösen und griffiger Bänder recht fix. Am schnellsten sitzt der K2 Syncro am Fuß. Statt der Schnürung hat er ein breites elastisches Band wie ein Slipper. Hineinschlüpfen, Klettband über den Rist, Schaftschnalle schließen und losrollen – „sehr gut“. Nur der Rollerblade EVO 08 zieht hier im Urteil gleich. Kritik erntet der Roces BER Berlin, in den schlecht zu schlüpfen ist.

Gerissene Bänder, ausgerissene Ösen, gebrochene Schnallen: diesmal Fehlanzeige. Die Hersteller haben auch hier ihre Hausaufgaben gemacht. Schwächen leisten sich nur die beiden Rollerblades und der K2 Mod 10 bei der feinen Zahnung der Schaftschnallen. Die überstanden den rauen Testbetrieb nicht und ­halten jetzt nicht mehr zuverlässig in jeder Stufe. Die beiden Rollerblades kostete dieser Punktabzug sogar vordere Plätze im dichten Spitzenfeld.

Der Praxistest auf langen Geraden, auf der Slalomstrecke und die Rollversuche auf einer abschüssigen Asphaltbahn trennten schnell die Spreu vom Weizen. Wendig in der Kurve waren K2 Xcelerate, Rollerblade Core 07 und EVO 08. Minuspunkte in der Kurve erhielten der zu steife Hypno mit der abnehmbaren Schiene und der K2 Mod 10 wegen der langen Aluschiene. Im Geradeauslauf punkteten K2 Mod 8, K2 Xcelerate und Rollerblade Core 07 sowie Salomon XTR Pulse.

Bei den Rollversuchen fuhren Salomon XTR Pulse, K2 Mod 10 und Mod 8 am schnellsten durch die Lichtschranke. In der Gesamtwertung der Fahreigenschaften gehören K2 Xcelerate, Rollerblade Core 07 und Rollerblade EVO 08 zu den besten Allroundskates im Testfeld. Am meisten Tempo bei langen Touren macht der K2 Mod 10 mit der langen Aluschiene, harten 80er Rollen und Titanlagern.

Wer flott fährt, braucht sichere und zuverlässige Bremsen. Richtig eingesetzt macht die bei allen Skates vorhandene Fersenbremse jedem Fahrrad Konkurrenz. 2,5 Meter Bremsweg aus Tempo 20 km/h bei Rollerblade EVO 08 belegen eindrucksvoll, was die Hackenbremse leisten kann. Aktive Bremshilfe, besonders für Anfänger, leistet bei diesem Modell die ABT-Lite-Bremse. Einziger Nachteil: Der Austausch des abgefahrenen Stoppers, der sich bei allen anderen mit wenigen Handgriffen erneuern lässt, ist bei der ABT-Lite-Bremse eine ziemliche Fummelei. Die lange Schiene bei K2 Mod 8 und Mod 10 sorgt beim Bremsen für einen ungünstigen Hebel und verlängert so den Bremsweg auf über 4 Meter.

Fazit des Tests: Zehnmal „gut“ in der Gesamtwertung und nur viermal „befriedigend“ zeigen, wie dicht die Ergebnisse beieinander liegen. Deutlich aufgeholt haben die preiswerten Angebote von Hudora und Crazy Creek. Schade, dass ausgerechnet beim rundum guten K2 Syncro für 150 Euro beim Schlagtest im Labor die Bremshalterung gebrochen ist. Für sportlich ambitionierte Skater bietet das Modulsystem von K2 keine billigen, aber reizvolle Alternativen. Auch der Griff zu einem der preisreduzierten Auslaufmodelle kann lohnen. Die besten Modelle aus dem Vorjahr wären auch in diesem Vergleich vorn mitgefahren.

Protektoren auf dem Prüfstand

Anders als bei den Skates reicht Modellpflege bei den Protektoren nicht aus. Die Testergebnisse stichprobenartig ausgewählter Sets zeigen: Bei den Schützern besteht noch viel Entwicklungsbedarf.

Im Falle eines Falles, und irgendwann stürzt jeder Skater einmal, muss der Protektor zwei Aufgaben erfüllen: den Stoß abfangen oder abmildern und Schürfverletzungen verhindern. Im Unfallschutz haben drei der sechs geprüften Ellbogenprotektoren nur ein „Befriedigend“ und drei nur ein „Ausreichend“ erreicht. Bei den Knieprotektoren schnitten drei mit „ausreichend“, einer mit „befriedigend“ und nur der Rollerblade „sehr gut“, und der Roces „gut“ im Unfallschutz ab.

Bei einem realen Sturz wäre das Er­gebnis möglicherweise noch schlechter ausgefallen. Bei drei der im Stoßtest „befriedigenden“ Kandidaten, K2- und Hudora-Ellbogenschutz und Hudora-Knieschutz, ist die Abstreifsicherheit nur „befriedigend“. Bei einem Unfall wäre der Schützer wahrscheinlich verrutscht. Die Abriebprüfung haben alle Protektoren zwar bestanden. Aber die Abziehversuche zeigen deutlich: Bei einem Fall mit anschließender Gleitphase über rauem Untergrund ist die Befestigung am Körper nicht immer ausreichend gesichert.

Weitere Kritik: Nur im Ausnahmefall passen alle Teile eines Sets optimal bei einer Person. Tragekomfort ist beim Streetfighter-Set ein Fremdwort. K2 zwickt und kratzt auf blanker Haut. Das Salomon-Set trägt sich am besten, fiel aber bei der Stoßdämpfung durch. Und von pfiffigem Design, das zum Tragen der Schützer motiviert, kann keine Rede sein. Die Strümpfe zum Überstreifen und Klettbänder zum Fixieren der Schützer leiern bei den meisten schon nach kurzer Tragezeit aus. Der Verschleiß ist erheblich.

Alle Kritik sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Selbst der schlechteste Schützer ist besser als gar keiner. Was aber keine Rechtfertigung für die Hersteller sein kann, die Hände in den Schoß zu legen.

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