Wer „schwach auf der Blase“ ist, kennt so manch schwierige Situation im Job, beim Theater­­be­such oder auf Reisen. Sichere, diskrete Einlagen helfen.

Statt schlanker Hightechprodukte standen Inkontinenten früher nur dicke Zellstofflagen oder Gummihosen zur Verfügung. Die Hilfsmittel speicherten wenig Flüssigkeit und trugen auf. Wer „schwach auf der Blase“ war, konnte sein Problem im Alltag nur schwer vor Dritten verbergen. Doch das ist vorbei. Inkontinente können sich heute sicherer fühlen – und am Alltagsleben teilnehmen. Dass es zuverlässige und diskrete Einla­gen gibt, ist Bindemitteln hoher Speicherkapazität zu verdanken, Superabsor­ber­materialien, Kristalle, die bei Kontakt mit Flüssigkeit ein Gel bilden – und Urin binden. Geruchsbinder bringen zusätzlichen Nutzen.

Vier Millionen in Behandlung

Inkontinenz kann jeden betreffen. Mindestens vier Millionen Menschen in Deutschland sind wegen Blasenschwäche in ­Behandlung. Es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer. Betroffen sind meist ältere Menschen. Aber auch nach der Niederkunft sind Frauen oft inkontinent – ein tiefer Einschnitt in die Lebensqualität.

Einlagen als erste Hilfe

Die Harnblase des Menschen nimmt etwa 250 bis 500 Milliliter auf. Ist sie voll, gehen wir innerhalb von 16 Stunden, abhängig von Trinkgewohnheiten, meist fünf bis sechs Mal auf die Toilette. Ausgeschieden wird entsprechend der Trinkmenge. Zunächst wird ein Inkontinenzproblem durch die erhöhte Zahl der Toilettengänge gelöst. Bei Kontrollverlust helfen letztlich gezielte therapeutische Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Medikamente oder Operation. Und Einlagen – oft zum Überbrücken der Situation bis zum erfolgreichen Abschluss einer Therapie.

Das Fassungsvermögen

Wir haben 24 Einlagen, die für verschiedene Inkontinenzgrade geeignet sind, getestet. Es sind Produkte mit unterschiedlichem Aufnahmevermögen – bis hin zu fast einem Liter. In der Tabelle Einlagen für sehr leichte Blasenschwäche sind Einlagen für eine (sehr) leichte Blasenschwäche aufgeführt, bei der günstigstenfalls nur wenige Tröpfchen abgehen (Tröpf­chen­­inkontinenz), sowie Einlagen für leichte Blasenschwäche. Diese Produkte werden zum Teil für Frauen auch in Lebensmittel- und Drogeriemärkten angeboten. Bei einer mittelschweren Inkonti­nenz helfen im Alltag Windelhosen (Pants), bei schwerer Inkontinenz, zum Beispiel für die Nacht, noch speicherfähigere Großformate in Windelform (Slips).

Es gibt unterschiedliche Formen der Inkontinenz wie Drang-, Belastungs- und Überlauf­inkontinenz (siehe test 9/04). Für die Auswahl von Einlagen ist es zunächst wichtig zu wissen, wie viel Harn abgeht.

Sehr leichte Blasenschwäche: Ein Harnverlust bis etwa 30 Milliliter pro Tag.

Leichte Blasenschwäche: Etwa50 bis 300 Milliliter Harnverlust pro Tag. Tröpfeln, gelegentlicher Harnverlust, auch beim Lachen oder Niesen.

Mittlere Inkontinenz: 400 bis 800 MilliliterVerlust/Tag, oft beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen.

Schwere Inkonti­nenz: 900 Milliliter Harnverlust pro Tag – der bis zur vollständigen Blasenentleerung gehen kann; steter Harn­ver­lust, auch im Liegen.

Die Menge des ungewollten Harnverlusts gibt wichtige Anhaltspunkte. Mit ihr finden Betroffene das für sie in Aufnahmekapazität und Größe geeignete Hilfsmittel (siehe Tabelle „Kapazität bis zum Auslaufen“). So können Inkontinente das für sie erforderliche Fassungsvermögen her­ausfinden: Die Einla-gen im Laufe von 48 Stunden vor und nach dem Gebrauch abwiegen und ein Protokoll führen. Den Harnverlust festzu-stellen hilft, ein möglichst kleines und dennoch speicherstarkes Format zu finden.

Auch die Wahrung der Intimsphäre hat einen hohen Stellenwert. Auslaufschutz und Sicherheitsgefühl sind durch die Formstabilität der Einlage mit bedingt, auch durch die Art der Einklebefolien, die ein Verrutschen verhindern sollen. Erst die Si­cherheit, der funktionierende Auslaufschutz und die Unauffälligkeit machen eine Einlage im Alltag gebrauchstauglich. Auf diese Anforderungen haben wir im Test besonderen Wert gelegt.

Die Testergebnisse

Den meisten Einlagen können wir „gute“ test-Qualitätsurteile geben. Tena Lady Ultra mini hat das „Sehr gut“ knapp verfehlt. Die Produktinformationen wären aber noch zu verbessern. Bei acht Einlagen wurden Tragekomfort und/oder Wahrung der Intimsphäre etwas schlechter bewertet. Sieben erhielten deshalb ein „befriedigendes“ test-Qualitätsurteil. Das Schlusslicht im Test, das Produkt Abri-San mini, wurde zusätzlich auf „Ausreichend“ abgewertet, weil dort überhaupt jegliche Kundeninformation fehlt mit schlechten und guten Beispielen der Deklaration.

Ärgernis Deklaration

Ein dicker Minuspunkt bleibt, den wir bereits bei unserem Test vor vier Jahren bemängelt haben: die Deklaration der Produkte. Den Vogel schießt der Hersteller der schon erwähnten Einlage Abri-San mini 40 Air plus ab: Er druckt Rosenblüten auf die Verpackung, enthält Kunden aber ansonsten jegliche Produktinformation vor, sogar die Bezeichnung der Ware. All das führt dazu, dass Menschen, die zum ersten Mal mit dem Problem Inkontinenz konfrontiert werden – so genannte Erstversorger –, meist ein falsches Produkt wählen. Es wäre wünschenswert, dass sich die Hersteller auf einen Informationsstandard einigen. Verbraucher sollten erkennen können, für welchen Schweregrad der Inkontinenz die Produkte ausgelegt sind. Alle Abmessungen sollten genannt (auch bei taillierten Einlagen), das Fassungsvermögen in Millilitern und/oder in Tröpfchen dargestellt werden. Denn gleich große Einlagen können eine unterschiedliche Speicherkapazität haben. Wichtig sind auch Hinweise zum Anlegen und zur Entsorgung.

Die Kosten

Die Krankenkassen bezahlen Inkonti­nenzhilfen erst bei einer mindestens mittelgradigen Inkontinenz (100 Milliliter Harnverlust in vier Stunden), wenn der Einsatz medizinisch angezeigt ist (zum Beispiel um Hautschäden vorzubeugen), wenn er im Einzelfall erforderlich ist, dem Versicherten ermöglicht, „Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zu befriedigen“. Für den Bedarf bei sehr leichter Inkontinenz kommen die Krankenkassen nicht auf. Das preiswerteste Produkt im Test, dm/Jessa Ultra mini, kostet 9 Cent pro Stück. Für schwere Inkontinenz ist es Attends (55 Cent). In Drogeriemärkten oder bei Lebensmitteldiscountern finden sich oft preisgünstige Angebote. Für verord­ne­te Inkontinenz­­einlagen zahlt der Patient zehn Prozent pro Packung dazu, maximal aber 10 Euro im Monat. Überschreiten Zuzahlungen die Belastungsgrenze von zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens, bei Chronikern von einem Prozent, übernimmt die Kasse alle weiteren Kosten. Erfragen Sie bei der Pflegeversicherung die Lieferbedingungen vor Bestellung oder Kauf (Sachleistung über zugelassene Vertragspartner).

Tipps

  •  Gehen Sie zum Spezialisten (siehe Interview). Der Arzt bestimmt die Therapie.
  •  Bis zum Erfolg der Therapie wird ein Hilfsmittel verordnet.
  • Erst Harnverlust „auswiegen“, dann wählen: Die Einlagengröße allein sagt nichts über die Aufnahmekapazität aus.
  • Wechseln: Zwei- bis dreimal am Tag.
  • Nicht zwei Einlagen „kombinieren“.
  •  Auch Männer können Einlagen (Pads) nutzen – oder in Apotheke oder Sanitätshaus nach Spezialprodukten fragen.
  • Vor dem Einlegen etwas aufschütteln.
  • Beckenboden stärken: Dann kommen
  • Sie eventuell „ohne“ aus.

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