Was sich Patienten nicht gefallen lassen müssen

Für gesetzlich Versicherte ist der Weg zum passenden Hilfs­mittel oft nicht einfach. Wie Sie in typischen Problemfällen vorgehen sollten.

Die Apotheke vor Ort löst mein Hilfs­mittel-Rezept nicht ein.

Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach einem Ansprech­partner in Ihrer Nähe. Kassen sichern die Versorgung über Partner wie Apotheken, Hersteller oder Sanitäts­häuser, Versorger genannt. Sie nehmen das Rezept nur an, wenn Ihre Kasse mit ihnen einen Vertrag hat. Viele Kassen informieren im Internet über Versorger. Die Versorger sind verpflichtet, Betroffene zu beraten und zu beliefern. Fragen Sie nach Probepackungen, probieren Sie diese in Ruhe aus.

Mein Versorger will mich nur mit güns­tigen Produkten beliefern.

Grund sind die meist geringen Monats­pauschalen, die Kassen für Versorgung, Beratung und Betreuung des Versicherten zahlen. Sie schließen oft „Beitritts­verträge“ mit mehreren Versorgern. Das können bundes­weit mehr als 2 000 Partner sein. Je nach Vertrags­modell zahlen Kassen in etwa zwischen 15 und 30 Euro pro Monat. Damit müssen die Versorger haushalten. Konsequenz: Sie bieten möglichst güns­tige Produkte an. Der Versicherte hat die Wahl „zwischen mehreren gleichermaßen geeigneten und wirt­schaftlichen Hilfs­mitteln“, heißt es in der Hilfs­mittel-Richt­linie. „Wünschen der Versicherten soll bei der Verordnung und Auswahl der Hilfs­mittel entsprochen werden, soweit sie angemessen sind“, steht dort. Wer mit dem Produkt unzufrieden ist, kann also ein anderes einfordern.

Mein Versorger bietet mir ein Produkt, auf das ich draufzahlen muss.

Versicherte haben das Recht, das verordnete Hilfs­mittel ohne Aufzahlung zu erhalten, müssen sich aber grund­sätzlich mit maximal 10 Euro pro Monat an den Kosten beteiligen. Unter­schreiben Sie keine Vereinbarungen, die weitere Kosten verursachen – etwa Aufzahlungen wegen höherer Preise oder neuer Verträge. Auch so genannten „Qualitäts­zuschlägen“ sollten Sie nicht zustimmen. Anders verhält es sich, wenn Versicherte von sich aus höher­wertige Produkte wünschen. In diesem Fall zahlen sie die Differenz zur monatlichen Pauschale selbst.

Die Kasse zahlt nur drei Windeln pro Tag. Das reicht mir aber nicht.

Anspruch auf Versorgung haben Patienten mit mindestens mitt­lerer Inkontinenz. Wer hohen Bedarf hat, ist zwar ein schlechtes Geschäft für den Versorger, darf aber nicht abge­lehnt werden. Laut dem Dach­verband der gesetzlichen Krankenkassen soll sich die Versorgung ab März am individuellen Bedarf orientieren. Wenden Sie sich an Ihre Kasse oder Ihren Arzt, wenn die Produkt­zahl nicht reicht.

Mein Lieferant hat sich wieder­holt als unzu­verlässig erwiesen.

Versicherte können den Versorger wechseln, wenn ihre Kasse „Beitritts­verträge“ mit mehreren Part­nern hat. Informieren Sie den bisherigen Versorger schriftlich über den Wechsel.

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