Inkassofirma Acoreus Meldung

Zahlreiche Haushalte erhalten derzeit Mahnungen der Firma Acoreus. Grund: Kosten für Call-by-Call-Gespräche. Das berichtet die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Die Forderungen können berechtigt sein. Besonders ärgerlich: Die Inkasso-Kosten sind oft viel höher als die ursprünglichen Gebühren. test.de gibt Tipps.

Automatisch in Verzug

Hintergrund: Call-by-Call-Anrufe tauchen in der monatlichen Telefonrechnung unter der Position „Beträge anderer Anbieter“ auf. Wer seine Telefonrechnung nicht rechtzeitig bezahlt, erhält von der Telekom eine Mahnung. Darauf erscheinen dann aber nur noch die Forderungen des Unternehmens selbst. Die Beträge der anderen Anbieter bleiben außen vor. Wer das übersieht und nur den Mahnbetrag zahlt, bleibt die Gebühren für Call-by-Call-Gespräche schuldig. Schlimmer noch: Er gerät spätestens 30 Tage nach Zugang der ursprünglichen Telekom-Rechnung automatisch in Verzug. Der betroffene Anbieter kann dann Schadenersatz verlangen und darf unter Umständen Inkasso- und Rechtsanwaltskosten in Rechnung stellen.

Schwer zu kontrollieren

Die Forderungen, die Acoreus derzeit geltend macht, liegen nach Darstellung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz teilweise mehrere Jahre zurück und sind für die Betroffenen oft nicht nachvollziehbar. Während die angemahnten Telefonkosten bis zu 5 Euro betragen, liegen die Inkassokosten zwischen 30 und 40 Euro. Betroffene sollten Forderungen wenn möglich anhand der alten Telefonrechnungen prüfen. Zu beachten: Forderungen aus den Jahren 2005 und davor sind inzwischen verjährt und müssen nicht mehr beglichen werden. Forderungen aus dem Jahr 2006 verjähren mit Ablauf dieses Jahres, wenn der Anbieter bis dahin keinen gerichtlichen Mahnbescheid beantragt hat oder Klage erhebt.

Streit um Inkassokosten

Besonders ärgerlich für Betroffene sind hohe Inkasso- oder gar Anwaltskosten. Da Betroffene automatisch in Verzug geraten, hat der Anbieter Anspruch auf Ersatz des Verzugsschaden. Darunter können auch Inkassokosten und Rechtsanwaltsgebühren fallen. Voraussetzung: Sie sind zur Durchsetzung der Forderung erforderlich und angemessen. Die Gerichte urteilen im Einzelfall sehr unterschiedlich. Bei alten Call-by-Call-Forderungen zu berücksichtigen: Viele Telefon-Kunden wissen nicht, dass solche Forderungen anderer Anbieter bei Telekom-Mahnungen unter den Tisch fallen. Es bietet sich daher an, Betroffene zunächst zu informieren und ohne Einschaltung eines teuren Inkassodienstes zur Zahlung aufzufordern. Gerichte könnten zur Auffassung kommen: Der Anbieter ist nach Treu und Glauben dazu verpflichtet, Kunden zunächst diese Chance einzuräumen und nicht gleich kostspielige Inkassodienste oder Rechtsanwälte zu beauftragen.

Zahlung mit Einschränkungen

test.de empfiehlt: Zahlen Sie bei berechtigten und noch nicht verjährten Nachforderungen von alten Call-by-Call-Gebühren auf jeden Fall die eigentlichen Gebühren. Erklären Sie dem Anbieter, dass sie die Bezahlung offenbar wegen der Mahnpraxis der Telekom versäumt haben und ihnen die Inkassokosten und Rechtsanwaltsgebühren unangemessen hoch erscheinen. Beratung im Einzelfall bieten die Verbraucherzentralen. Spätestens, wenn Post vom Gericht kommt, sollten Sie unbedingt reagieren. Fragen Sie im Zweifel einen im Telekommunikationsrecht erfahrenen Rechtsanwalt.

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