Inkasso Special

E-Mail oder Brief vom Inkassobüro? Keine Sorge! Oft ist diese Post versuchte Abzocke.

Wenn Inkassofirmen Geld eintreiben, müssen sie klare recht­liche Grenzen einhalten. Doch es gibt reichlich schwarze Schafe. Finanztest erklärt, wie Sie seriöse Inkassounternehmen von unseriösen unterscheiden können – und wie Sie auf Post von Geld­eintreibern reagieren sollten.

Vorsicht, Abzocke!

Da sitzt der Schreck tief. „Das ist unsere letzte Mahnung. Zahlen Sie inner­halb von drei Tagen. Ansonsten übergeben wir die Akte dem Staats­anwalt und der Schufa.“ Wer in sein E-Mail-Post­fach schaut, findet nicht selten Zahlungs­aufforderungen von angeblichen Inkassobüros. Die Nach­richten sind gespickt mit Drohungen. Weitere Mahnungen, Gerichts­voll­zieher und Lohn­pfändung werden angekündigt. Jetzt heißt es durch­atmen. Diese E-Mails sind reine Abzock­versuche. Seriöse Inkassounternehmen arbeiten anders. Finanztest erklärt, woran Empfänger sie erkennen können.

Wenn Mahnungen nicht helfen

Das Geschäft von Inkassofirmen ist das Eintreiben von unbe­zahlten Forderungen. Inkassobüros werden für Gläubiger tätig. Manchmal kaufen sie die Forderung und treten selbst als Gläubiger auf. Hat ein Kunde übers Internet etwa einen Laptop gekauft und bezahlt ihn nicht, wird der Verkäufer Schritte unternehmen, um an sein Geld zu kommen. Meist verschickt er zunächst Mahnungen. Reagiert der Kunde darauf nicht, kann der Händler Hilfe bei einem Inkassounternehmen suchen.

Regeln für Inkassobüros

Nicht jeder darf Geld eintreiben. Inkassofirmen müssen bei Amts- oder Land­gerichten zugelassen und registriert sein. Zuständig ist das Gericht an ihrem Geschäfts­sitz, auch für ihre Aufsicht. Für die Zulassung müssen Inkassounternehmer beispiels­weise recht­liches Fachwissen nach­weisen. Gut für Kunden: Jeder kann im Internet unter Rechtsdienstleistungsregister.de sofort kostenlos nach­sehen, ob ein Unternehmen gelistet ist. Nur dann darf es berechtigte Forderungen eintreiben. Auch auf einen Blick ersicht­lich: Aus dem Schreiben muss die Registrierung hervorgehen. Ein Muss sind auch „Abtretungs­erklärung“ oder „Inkassovoll­macht“, unter­schrieben vom Gläubiger. Empfänger können diese Dokumente im Original verlangen. Schon im ersten Schreiben muss außerdem stehen, wer was wofür möchte.

Konten in Bulgarien und der Slowakei

Unseriöse Eintreiber ohne Erlaubnis versuchen oft, mit falschen Inkasso­forderungen Geld zu kassieren. Ein Beispiel: Anfang 2015 warnten die Verbraucherzentralen vor der Firma Risk & Collect Forderungs­management (RFC) GmbH mit Sitz in Hamburg. Sie verschickte Zahlungs­aufforderungen und gaukelte den Empfängern vor, dass bei einem angeblich telefo­nisch bestellten Gewinn­spiel­dienst der Firma EuroMillions Ltd. noch Beträge offen seien. Das nicht registrierte Unternehmen verlangte, einen Betrag von rund 240 Euro auf ein Konto in Bulgarien zu über­weisen. Weiteres Beispiel: Aktuell kursieren Forderungs­schreiben verschiedener Firmen, die Forderungen für angebliche Telefonsex­dienst­leistungen der Firma RMI aus Tortola (Karibik) eintreiben wollen. Das Geld, Beträge zwischen 90 und 260 Euro, sollen Empfänger beispiels­weise auf slowakische Konten über­weisen.

Bei Zahlungs­aufforderungen aus dem Ausland genau hinsehen

Ein Sitz im Ausland oder eine ausländische Bank­verbindung können verdächtig sein – müssen es aber nicht. „In einigen Ländern ist der Begriff „Inkassobüro“ im Titel einer ausländischen Behörde enthalten, etwa in den Nieder­landen. Wer Zahlungs­aufforderungen aus dem Ausland erhält, beispiels­weise wegen eines Knöll­chens, sollte genau hinsehen, ob das Schreiben nicht von einer Behörde stammt“, erklärt Thomas Otters­bach vom Bundes­amt für Justiz.

Falscher Rechnung wider­sprechen

Ob seriös oder unseriös – liegenbleiben sollte ein Inkasso­brief nie. Hält der Empfänger die Forderung für falsch, sollte er dem Brief sofort schriftlich wider­sprechen. Nur betrügerische Mails kann jeder einfach löschen. Unseriöse Unternehmen schi­cken oft trotz Protest weitere Mahnungen mit höheren Kosten. Sie gehen auf den Wider­spruch nicht ein. Tatjana Halm, Rechts­referentin bei der Verbraucherzentrale Bayern, sagt: „Das ist nicht rechtens. Wenn der Ange­schriebene dargelegt hat, dass und warum er nicht zahlen wird, dürfen nicht unnötig Kosten in die Höhe getrieben werden. Ein gut vorgebrachter Wider­spruch muss reichen. Noch mal schreiben muss man nicht.“

Seriöse Inkassofirmen reagieren auf Einwände

Eine unbe­rechtigte Forderung kann aber auch von einem seriösen Inkassobüro kommen. Juristin Halm: „Unternehmen sind nicht verpflichtet, die Forderungen recht­lich genau zu prüfen. Seriöse Unternehmen werden allerdings zumindest prüfen, ob eine Forderung juristisch nach­voll­zieh­bar erscheint und späteren Einwänden nachgehen.“

Berechtigte Forderung zahlen

Schuldet der Betroffene dem Gläubiger das Geld tatsäch­lich, muss er zahlen. „Hat der Empfänger eine Rechnung nicht recht­zeitig bezahlt oder auf eine Mahnung nicht reagiert, ist er im Zahlungs­verzug. Dann können auch Inkasso­gebühren als so genannter Verzugs­schaden von ihm verlangt werden“, sagt die Verbraucherschützerin. Ein genauer Blick auf die Gebühren lohnt sich. Inkassobüros dürfen nur so viel berechnen, wie Anwälte verlangen würden.

Was nicht erlaubt ist

Einige Kosten können Inkassofirmen gar nicht abrechnen. „Gerne werden etwa Gebühren für eine nicht nötige Adress­ermitt­lung oder Konto­führung erhoben“, so Halm. „Solchen Rechnungs­posten sollte der Schuldner wider­sprechen und Nach­weise verlangen.“ Wenn der Gläubiger die Forderung an die Inkassofirma abge­treten hat, muss der Schuldner gar keine zusätzlichen Inkasso­gebühren zahlen. Ob das der Fall ist und die Inkassofirma der neue Gläubiger ist, steht im Schreiben. Ist die Inkasso­rechnung richtig, aber der Schuldner kann gerade nicht zahlen, sollte er mit dem Inkassobüro über Kompromisse verhandeln – etwa Ratenzah­lungen.

Nicht einschüchtern lassen

Unseriöse Inkassofirmen kennen viele unfaire Mittel. So fiel etwa das Unternehmen Global Network Inkasso Anfang 2015 auf, weil es mit „persönlichem Besuch eines Außen­dienst­mit­arbeiters“ drohte. Panik ist in so einem Fall fehl am Platz. „Erst mit einem Gerichts­urteil oder Voll­stre­ckungs­bescheid kann eine Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnahme einge­leitet werden“, erklärt Tatjana Halm. „Das Inkassobüro kann also weder den Gerichts­voll­zieher schi­cken noch den Lohn pfänden. Der Ange­schriebene muss auch erst­mal keinen Schufa-Eintrag befürchten, wenn er der Forderung wider­spricht.“

Verbraucherzentralen prüfen Beschwerden

Seriöse Inkassofirmen bedrohen niemanden. Nächt­liche Anrufe, plötzliche Haus­besuche und Erkundigungen bei den Nach­barn sind für sie tabu. Fällt ein registriertes Unternehmen durch unsaubere Arbeit auf, kann es seine Zulassung verlieren. Beschwerden nehmen die Gerichte entgegen, auch zu nicht registrierten Inkassobüros. Ob per Post oder per E-Mail: Der Ärger über Inkassofirmen ist ein Dauer­thema. Derzeit prüfen die Verbraucherzentralen bundes­weit Beschwerden. Ziel ist es, noch mehr dubiose Inkassopraktiken zu ermitteln. Die Ergeb­nisse stellen sie voraus­sicht­lich im November 2015 vor.

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