Inhalationsgeräte Test

Asthmamittel wirken in den Bronchien. Ihr Ziel erreichen sie nur, wenn Wirkstoffpartikel klein genug sind und durch falsche Anwendung nicht im Rachenraum hängen bleiben. Kleine Kinder nutzen Atemmasken – sie kommen mit Mundstücken noch nicht zurecht.

Alle Vernebler erzeugen wirksam lungengängige Partikel – aber das System geht mit Arznei recht verschwenderisch um.

Unter dem Titel „Zugeschnürt“ berichtet der Autor „skycastle“ im Online-Magazin Neon anschaulich von den Ängsten eines Asthmatikers: „Ich kann wieder nicht schlafen. Ich höre mir beim Atmen zu. Die Asthmasprays liegen alle hübsch sortiert neben mir. ... Ich nehme eines, schüttle es vorsichtig neben meinem Ohr. Ist genug drin? Ja. Alles in Ordnung.“

Deutlich wird, wie sehr Asthmatiker auf Medikamente angewiesen sind, wie wichtig es ist, dass Arznei direkt vor Ort rasch wirkt. Per Inhalation können ausreichende Wirkstoffmengen in die Bronchien und tief in die Lunge gelangen.

Für die Aerosoltherapie stehen folgende Inhalationssysteme zur Verfügung: Inhalationsgeräte (Vernebler), von denen wir zehn Modelle getestet haben, Dosier­aerosole, Pulverinhalatoren oder Soft-mist Inhaler (siehe Inhalationssysteme). Vernebler sind bei Atemwegskranken insbesondere für Kinder unter sechs Jahren geeignet. Denn für kleine Patienten ist die Anwendungstechnik der Dosieraerosole und Pulverinhalatoren noch zu schwierig. Auch mancher erwachsene Asthmatiker kommt mit diesen Systemen nicht klar oder bringt keinen dafür ausreichend hohen Atemfluss auf.

Mit Verneblern und den anderen Inhalationssystemen lassen sich bronchienerweiternde Medikamente wie b2-Sympathomimetika und Anticholinergikazerstäuben sowie Kortison, das Entzündungen hemmt. Haben sich in den Atemwegen erst einmal Bakterien eingenistet, müssen Antibiotika gegeben werden – eine rasche Vermittlung in die Bronchien ist über Vernebler möglich.

Arznei zum Atmen

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Durch Intervallverneblung und kon­trollierte Atmung lässt sich der Wirkstoffanteil in den Bronchien stark steigern. Einige Vernebler ermöglichen Intervallverneblung – das bringt mehr Wirkstoff in die Lungen.

Haupteinsatzgebiet sind Erkrankungen der Lunge und Atemwege wie Bronchialasthma und die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (engl. COPD), besser bekannt als „Raucherlunge“ und „Raucherhusten“. Durch eine chronische Entzündung der Atemwege kommt es beim Bronchialasthma und bei der COPD zu einer Verengung der Bronchien, die zu Luftnot und eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit führt. Bronchialerweiternde Medikamente wirken auf die glatte Muskulatur der Atemwege, lösen den Krampf, erweitern die Bronchien. Kortison wird gegen Atemwegsentzündungen eingesetzt. Das Einatmen physiologischer Kochsalzlösung erleichtert besseres Abhusten bei Mukoviszidose und chronischer Bronchitis. Die Geräte dienen auch als Hilfen bei Erkältungskrankheiten oder bei (Reiz-)Husten.

Außerhalb der ärztlichen Therapie hat sich der Wellnessbereich als Markt aufgetan: Hier werden Nebel aus aromatischem ätherischem Öl oder Solezubereitungen eingeatmet.

Druckluft oder Ultraschall

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Die Geräte müssen penibel gereinigt werden. In den Gebrauchsanleitungen stehen dazu detaillierte Informationen. Links: Einzelteile werden abgekocht.

Die Vernebler können Aerosole durch Druckluft oder Ultraschall erzeugen. Die beiden Ultraschallgeräte im Test schnitten bei der Partikelgröße des Aerosols jeweils „sehr gut“ ab. Bei den Druckluftgeräten kann da nur Pari Boy SX mithalten. Es gibt die Möglichkeit einer „Dauer-“ oder einer „Intervallverneblung“. Bei der Intervallverneblung wird das Aerosol nur während der Inhalationsphase freigegeben. Diese Betriebsart hilft, Wirkstoffverluste während des Atemzyklus zu verringern. Aber die Behandlungsdauer verlängert sich. Neben Aerosonic Combineb sind Omron C 1 und Pari Boy SX serienmäßig mit Intervallvernebler ausgestattet. Hinweis: Wir haben die Geräte im Test vergleichend im Dauerbetrieb geprüft.

Vorteil der Inhalation mit Verneblern ist die leichtere Koordination beim Bedienen. Nachteile sind der zum Teil hohe Preis, die Größe, das Aufstellen und Anschließen des Geräts, die eingeschränkte Bewegungsfreiheit bei der Arzneiaufnahme. Die Ultraschallgeräte Aerosonic und Tchibo/Scala Ultraschall sowie Pari Boy mobile S können auch per Akku betrieben werden.

Wirkstoffpartikel

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Über den Therapieerfolg entscheidet die in der Lunge abgelagerte Wirkstoffdosis. Für die physikalisch-medizinische Beurteilung sind das erzeugte Partikelspektrum des Aerosols bedeutsam, die Wirkstoffverluste und -reste im Vernebler und – geräte­unabhängig – während des Ausatmens oder durch die individuelle Atemtechnik. Die Aerosolqualität der Geräte ist besser geworden. Wurden im letzten Test vor fünf Jahren vielfach weniger lungengängige Partikel erreicht, konnten wir jetzt acht Geräten eine „gute“ bis „sehr gute“ Partikelgröße bescheinigen.

Die Partikelgröße ist sehr wichtig, denn für die Therapie von Atemwegserkrankungen muss ein möglichst großer Anteil des Aerosols in die unteren Atemwege der kleinen und größeren Bronchien sowie in die Lungenbläschen (Alveolen) gelangen (Lungengängigkeit). Partikel, die größer als 10 Mikrometer (μm) sind, erreichen die unteren Atemwege kaum. Sie werden bereits zu einem großen Teil im Nasen-Rachenraum abgeschieden. Sehr kleine Partikel (kleiner als 1 μm) werden wiederum beim Ausatmen wieder abgeatmet. Unter Ruheatmung ist bei Erwachsenen eine Partikelgröße von etwa 3 μm optimal, um die unteren Atemwege zu erreichen. Bei Kindern können auch Partikel um 2 μm vorteilhaft sein.

Mit Wirkstoff nicht sparsam

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Neben der Größenverteilung des Aerosols ist auch die Abgaberate wichtig: Die Wirkstoffmenge pro Zeit, die für das Einatmen zur Verfügung steht, bestimmt Wirkungseintritt und Therapiedauer. Arzt und Patient wünschen hier Schnelligkeit. Ein weiteres Kriterium: die Ergiebigkeit der Aerosolabgabe. Es steht stets nur ein Teil der Wirkstoffmenge zur Verfügung, weil durch Atemzyklus, Funktion und Kons­truktion des Geräts Wirkstoffverluste eintreten. Trotz des guten Ergebnisses bei der Partikelgröße wird durch Inhalationsge­räte nur ein Drittel und weniger des eingesetzten Wirkstoffs als atembares Aerosol zur Verfügung gestellt – teure Medikamente werden verschwendet.

Behandlungsdauer

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Verwinkelte Ecken beim Tchibo Scala Ultraschall-Gerät, ...

Das Tchibo / Scala-Ultraschallgerät war neben Pari Boy SX und Aerosonic Combineb bei der Partikelgröße zwar „sehr gut“, aber es kommt eben nicht nur auf die Partikelgröße an. Wichtig sind auch die Behandlungsdauer und die Ergiebigkeit der Aerosolabgabe. Als test-Urteil erhielt das Gerät deshalb nur ein „Ausreichend“.

Bei der Behandlungsdauer fanden sich im Test deutliche Unterschiede: Die Inhalationsgeräte MicroDrop Pro, Pari Boy SX und Aerosonic Combineb wurden mit „gut“ bewertet, Pari Boy mobile S und Scala Inhalator nur mit „ausreichend“.

Die pro Minute abgegebene Aerosolmenge im Dauerbetrieb betrug zwischen 90 und 235 Mikroliter der Lösung. Die Geräte MicroDrop Pro und Aerosonic Combineb sowie Pari Boy SX gaben etwa 10 Prozent der vorgegebenen 2,5 Milliliter Wirkstofflösung pro Minute ab, beim Inhalationsgerät Scala Inhalator waren es dagegen nur knapp 4 Prozent.

Auch die Ergiebigkeit der Aerosolabgabe schwankt bei den Geräten. Sie liegt zwischen 12 und 33 Prozent. Ein erheblicher Wirkstoffanteil wird wieder ausgeatmet oder verbleibt im Behälter. Tchibo / Scala Ultraschall hat hier mit „mangelhaft“ am schlechtesten abgeschnitten.

Handhabung

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ein dicker Atemschlauch bei Aerosonic Combineb sind Erschwernisse für das Reinigen und Trocknen dieser Einzelteile.

Neben dem Abkochen von Geräteteilen oder dem Säubern per (Geschirr-)Spülmittel, Spülmaschine und/oder Desinfektionsmittel nach Gebrauchsanleitung ist sorgfältiges Trocknen wichtig, um Infektionsrisiken zu minimieren. Ein verwinkelter Aufbau und „Schmutzkanten“ erschweren die Reinigung. Kein Gerät schnitt hier „gut“ oder „sehr gut“ ab. In den Gebrauchsanleitungen finden sich zwar überall entsprechende Hinweise, aber nur bei Omron wurden die Anleitungen insgesamt mit „gut“ bewertet.

Die Prüfer kritisierten einige Details: So ist der Schlauch zwischen Kompressor und Vernebler bei den MicroDrop-Geräten sehr schwer aufzustecken und abzunehmen. Der Filterwechsel ist häufig unkomfortabel (zum Beispiel bei Scala-Inhalator, Flaem Masterneb), oft erst durch den Einsatz einer Münze oder eines Schraubenziehers möglich. Besonders problemlos erweist sich hier das MicroDrop Pro.

Umständlich und etwas schwierig ist es, die Flüssigkeit beim Inhalationsgerät Scala Ultraschall von Tchibo einzufüllen. Hier muss die Luftstromkammer mit Kraft bei gleichzeitiger Betätigung zweier Taster entfernt werden. Vor allem bei den Experten in der Kritik: die Masken. Sie sollten flexibel, anpassungsfähig und weichkantig sein und nicht aus unflexiblem Kunststoff bestehen. Auch die Form der Mundstücke könnte zum Teil verbessert werden.

Laute Kompressoren

Ebenfalls eher störend: Kompressorgeräte in Funktion brummen recht heftig. Das ist vor allem bei häufigem Gebrauch nicht jedermanns Sache. Ultraschallgeräte arbeiten nahezu geräuschlos.

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