Inhaber-Schuldverschreibungen Meldung

Immer mehr Firmen geben auf eigene Faust Anleihen aus und bieten dafür hohe Zinsen. Die attraktive Rendite ist mit hohen Risiken verbunden.

Würden Sie Ihrem Nachbarn Geld ­leihen? Nicht nur 20 Euro, sondern richtig viel. 1000 Euro, 10 000? Nein? Zu unsicher? Sie kennen ihn gar nicht?

Die meisten wären wohl vorsichtig. Wenn ihnen jedoch ein Finanzvermittler eine Anleihe offeriert, für die es 6 oder 7 Prozent Zinsen pro Jahr gibt, schlagen viele zu. Eine Anleihe, das ist doch was Sicheres, denken sie.

Leider ist sie das oft nicht. Keine Geldanlage ist hochrentabel und gleichzeitig absolut sicher. Je mehr Zinsen, desto höher das Risiko. Für sichere Anleihen gibt es zurzeit um die 3 Prozent, je nach Laufzeit.

Die verheißungsvollen Prospekte liegen zuhauf in den Briefkästen: „Erlesene ­Rendite“ verspricht einer. Auf einem anderen prangt dick: „6,85 %“. Die Angebote heißen Inhaber-Teilschuldverschreibung, Unternehmensanleihe oder einfach Anleihe. Es ist alles dasselbe.

Anleger suchen Rendite, Firmen brauchen Geld. Mittelständler zum Beispiel ­haben es schwer, bei der Bank Geld auszuleihen. Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig, als sich das Geld über eine Anleihe auf dem freien Markt zu beschaffen.

Frosch Touristik

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Frosch Touristik (FTI)

6,75 Prozent Zinsen pro Jahr bietet der ­Reiseveranstalter Frosch Touristik (FTI) für seine Anleihe, die bis 2010 läuft. FTI will 30 Millionen Euro einsammeln und hat die Schuldverschreibung in Papiere zu je 1 000 Euro gestückelt.

Das Münchner Unternehmen ist nach eigenen Angaben der sechstgrößte deutsche Touristikanbieter. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2003/2004 betrug 546 Millionen Euro. Am Ende hat FTI einen Verlust von 1,9 Millionen gemacht, nach 57 Millionen im Vorjahr.

„Sonnige Aussichten für Ihre Finanzen“ verheißt FTI. Eine Flaute in der Branche könnte jedoch für trübes Wetter sorgen: Die Finanzlage sei noch nicht nachhaltig gefestigt, schrieb der Wirtschaftsprüfer vor zwölf Monaten. „Um die Unternehmensführung sicherzustellen, ist das ­Erreichen der Planungen für das laufende Geschäftsjahr 2004/2005 notwendig.“

„Wir haben die Planzahlen sogar übertroffen“, heißt es ein Jahr später bei FTI, wo zurzeit der Jahresabschluss 2004/2005 erstellt wird.

Fazit: Die Firma ist ein bekannter Anbieter auf dem Tourismusmarkt, verdient aber nur wenig. Von den Umsatzerlösen bleibt nicht viel übrig. Anleger riskieren viel, wenn sie FTI Geld geben. Sie sollten vor einer Kaufentscheidung die aktuellen Zahlen abwarten, die voraussichtlich ­Anfang Dezember veröffentlicht werden.

Edel Music AG

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Edel Music AG

7 Prozent bietet die Edel Music AG aus Hamburg für eine Anleihe, die fünf Jahre läuft. Der Konzern ist börsennotiert und nach eigenen Angaben das führende unabhängige Musikunternehmen in Europa. Er vermarktet Künstler wie Chris de Burgh, Jennifer Paige oder Vonda Shepard.

Obwohl das Musikgeschäft generell eher schlecht lief, hat Edel im Jahr 2004 (Bilanzstichtag 30. September) sein Ergebnis verbessert: Nach 1,6 Millionen ­Euro ­Verlust im Vorjahr erzielte die Firma nun einen Jahresüberschuss von einer halben Million Euro. Der Umsatz ist mit 140 Millionen Euro aber nahezu gleich geblieben.

Die Firma weist 98 Millionen Euro Schulden aus. Mit der Anleihe will sie weitere 30 Millionen Euro aufnehmen. Als Eigenkapital gibt Edel 31 Millionen Euro an.

Fazit: Edel Music hat unrentable Betei­ligungen abgestoßen und seine Kosten ­gesenkt. Voraussetzung für eine weitere ­Gesundung ist aber, dass sich in der ­Musikbranche auf Dauer Geld verdienen lässt. Wir halten das Papier für riskant. ­Aktuelle Geschäftszahlen will das Unternehmen Anfang Dezember bekannt geben.

Swisskap

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Swisskap

Auf dem Anleihemarkt sind nicht nur ­seriöse, mitunter klamme Mittelständler, sondern auch dubiose Unternehmen unterwegs. Aus gutem Grund bekommen sie von keiner Bank mehr Kredit, etwa weil sie schon hoch verschuldet oder die Erfolgsaussichten ihres Geschäfts gering sind.

Angebote gibt es jede Menge. Uns ­fragen nahezu täglich Leser nach der ­Seriosität solcher Papiere. Beispielsweise wollten sie wissen, was Finanztest von der Anleihe von Swisskap hält.

Swisskap kommt aus der Schweiz und die eidgenössische Solidität muss her­halten für die vermeintliche Sicherheit der Anleihe, die die Firma zurzeit in Deutschland platziert: Laufzeit 5 Jahre, Zinssatz 5,75 Prozent, Mindestanlage 1 000 Euro. „Wer die Schweiz als Standort wählt, setzt auf Sicherheit. Swisskap AG – ein Schweizer Unternehmen.“

Die Züricher Firma gibt an, dass sie Immobilien verwaltet und sich an anderen ­Unternehmen beteiligt, etwa an IT-Unternehmen. Ist Swisskap wirklich so solide, wie uns die Herkunft weismachen soll?

Im Verkaufsprospekt geht es hauptsächlich um das Umfeld der Firma. Unter ­„Geschäftsentwicklung 2004“ liest man überwiegend allgemeine Marktberichte.

Konkrete Zahlen findet der Anleger erst in der Bilanz im Anhang. Interessant ist, was Swisskap als Anlagevermögen angibt. Es besteht vor allem aus Unternehmensbeteiligungen, die 33,7 Millionen Franken wert sein sollen. Darunter ist als größter Brocken ein hochspekulatives Venture-­Capital-Investment, das mit seinem „Zukunftswert“ bilanziert ist. Das Unternehmen, eine US-Firma, die neue Technologien vermarktet, soll 25 Millionen Franken wert sein – irgendwann einmal.

Mit der Anleihe will Swisskap einen Kredit von 40 Millionen Euro (61,5 Millionen Franken) aufnehmen.

Fazit: Swisskap wirbt mit Solidität. Wir halten das für einen krassen Gegensatz zu den Zahlen in der Bilanz. Wer seine Bilanz mit geschätzten Zahlen aufstellt, rechnet sich womöglich reicher als er ist. Wir raten vom Kauf ab und ­setzen das Angebot auf die Warnliste (siehe „Unser Rat“).

EECH AG

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EECH AG

Die Hamburger Firma EECH AG steht ­bereits auf unserer Warnliste. Sie hat die hochriskante „Solaranleihe“ ausgegeben, für die sie 8,25 Prozent Zinsen pro Jahr verspricht. EECH hat nach eigenen Angaben mit dieser Anleihe 50 Millionen Euro eingesammelt.

Nun bietet sie über ihre Tochter EECH Windkraft Italien Projektentwicklung (WIP) eine vier Jahre laufende Anleihe mit einem jährlichen Zins von 7,25 Prozent. Mit dem Papier will die WIP einen Kredit von 20 Millionen Euro aufnehmen.

Die Firma hält Beteiligungen an drei Windparks in Italien, deren Wert mit 10,3 Millionen Euro angegeben ist. Das Eigenkapital der WIP ist laut Bilanz vom 31. Dezember 2004 negativ: minus 7 200 Euro.

Die WIP hat zudem Schulden von 12,5 Millionen Euro, die „im Wesentlichen die Anschaffungskosten für die in Italien ­erworbenen Windkraftprojekte gegenüber der EECH AG“ enthalten, wie uns die EECH AG auf unsere Anfrage mitgeteilt hat. Mit dem Erlös der Anleihe wolle die WIP diese Schulden begleichen.

Fazit: Wegen des fehlenden Eigenkapitals erscheint uns die WIP-Anleihe äußerst riskant. Sollte sich der Wert der Windparks als niedriger erweisen, als in der ­Bilanz ­angesetzt, wäre dem Anleger kein Puffer ­sicher, der den Verlust auffängt. Wir setzen das Angebot deshalb auf unsere Warnliste.

Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West

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Wohnungsbaugesellschaft Leipzig West

Auf unserer Warnliste stehen außerdem die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West und die Firma DM Beteiligungen. Beide sind auf dem Anleihemarkt alte Bekannte. Ihre Geschäfte sind nach unserer Einschätzung hochriskant. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie frühere Anleihen, die fällig waren, zurückgezahlt haben. Unterm Strich sind ihre Schulden gewachsen.

Gleich zwei Anleihen gibt zurzeit die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West heraus. Eine läuft drei Jahre und verspricht 6,25 Prozent Zinsen pro Jahr. Die andere läuft noch vier Jahre, für sie soll es 6,75 Prozent Zinsen geben.

Zum 31. Dezember 2004 beliefen sich die Schulden der Leipziger Firma auf 261 Millionen Euro (31. Dezember 2003: 210 Millionen; 2002: 168 Millionen), davon 215 Millionen Euro aus Anleihen (2003: 165 Millionen; 2002: 112 Millionen).

Das Eigenkapital verharrt auf 6,7 Millionen Euro. Das entspricht einer Quote von 2,5 Prozent am Gesamtkapital. Als gesund gilt gemeinhin eine Quote von 20 bis 30 Prozent.

Fazit: Das Wachstum der Firma ist ­aus­schließlich auf Pump finanziert. Uns er­scheint ein Investment höchst riskant. Die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West bleibt auf unserer Warnliste.

DM Beteiligungen

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Auch die Schulden des Unternehmens DM Beteiligungen wachsen. Sie haben sich in zwei Jahren verdreifacht. Sie stiegen von 25 Millionen Euro im Jahr 2002 (davon 10 Millionen Euro aus Anleihen) auf 76 Millionen Euro im Jahr 2004 (67 Millionen aus Anleihen).

Das Eigenkapital beträgt 11,7 Millionen Euro. Laut Jahresabschluss vom 31. Dezember 2004 muss DM Beteiligungen in diesem Jahr Anleihen in Höhe von 27 Millionen Euro zurückzahlen. Gleichzeitig gibt die Düsseldorfer Firma zwei neue Anleihen heraus, mit denen sie 40 Millionen Euro einsammeln will. Eine (5,5 Prozent pro Jahr) läuft bis Juli 2006, die andere (6,85 Prozent) bis 2009.

Fazit: Die Schulden steigen rasant. Hinzu kommt, dass die Firma laut Verkaufsprospekt Patronatserklärungen, eine Art Bürgschaft, in Höhe von 38,9 Millionen Euro abgegeben hat. Nach unserer Meinung handelt es sich bei den Anleihen ­daher um äußerst riskante Papiere. Wir führen die DM Beteiligungen deshalb weiter auf unserer Warnliste.

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