Inhaber-Schuldverschreibungen Meldung

Die Angebote klingen verlockend: Bis zu sieben Prozent Zinsen pro Jahr bieten Herausgeber von Inhaber­schuld­verschreibungen. Die Firmen geben die Papiere heraus, um sich auf dem freien Markt Geld zu beschaffen. Grundsätzlich gilt: Die attraktive Rendite dieser Anleihen ist mit hohen Risiken verbunden. Auch Schuldverschreibungen seriöser Anbieter eignen sich nur für risikobereite Anleger. Im schlimmsten Fall verlieren Anleger ihr Geld. Dann platzt der Traum vom Superzins.

Nicht immer sicher

Inhaber-Teilschuldverschreibungen heißen auch Anleihen, Bonds oder Obligationen. Viele Anleger denken dabei an eine sichere Geldanlage. Leider ist das nicht immer der Fall. Als Faustregel gilt: Je höher der Zins, desto höher das Risiko. Für sichere Angebote gibt es zur Zeit um die drei Prozent Zinsen pro Jahr, je nach Laufzeit. Hinzu kommt: Auf dem Anleihemarkt tummeln sich nicht nur seriöse, mitunter klamme Mittelständler, sondern auch dubiose Unternehmen. Sie erhalten aus gutem Grund von keiner Bank mehr Kredit. Oft sind sie schon hoch verschuldet oder die Erfolgsaussichten ihres Geschäfts gering. Anleger können die Seriosität solcher Geldanlageangebote allerdings nur schwer einschätzen. Hilfe bietet die Warnliste Geldanlageangebote von Finanztest. Sie informiert über Angebote, bei denen Chancen und Risiken in krassem Missverhältnis stehen, die unseriös beworben oder mit dubiosen Methoden vermittelt werden.

Angebote im Überblick

Der Testkompass informiert über sechs Unternehmen, die Anleihen herausgeben: Wer etwa eine Anleihe bei Frosch Touristik (FTI) oder Edel Music AG kauft, riskiert einiges. Nicht umsonst bietet der Reiseveranstalter Frosch Touristik 6,75 Prozent Zinsen pro Jahr für seine Anleihe, die fünf Jahre läuft. Die Finanzlage sei noch nicht nachhaltig gefestigt schrieb der Wirtschaftsprüfer vor zwölf Monaten. FTI setzt dagegen. Zum laufenden Geschäftsjahr 2004/2005 heißt es: „Wir haben die Planzahlen sogar übertroffen“. Zurzeit erstellt das Unternehmen den Jahresabschluss. Die Edel Music AG bietet sieben Prozent für eine Anleihe, die fünf Jahre läuft. Obwohl das Musikgeschäft generell eher schlecht lief, hat Edel im Jahr 2004 sein Ergebnis verbessert: Nach Verlusten im Vorjahr erzielte die börsennotierte Firma nun einen Jahresüberschuss von einer halben Millionen Euro, bei nahezu konstantem Umsatz. Auch hier gilt das Fazit: Die Anleihe ist riskant.

Auf der Warnliste Geldanlageangebote

Gar nicht kaufen sollten Anleger die Anleihen der Swisskap, der EECH Windkraft Italien Projektentwicklung (WIP), der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West und der DM Beteiligungen. Beispiel Swisskap: Die Züricher Firma wirbt mit Schweizer Solidität. Sie gibt an, dass sie Immobilien verwaltet und sich an anderen ­Unternehmen beteiligt. Im Verkaufsprospekt geht es hauptsächlich um das Umfeld der Firma. Unter „Geschäftsentwicklung 2004“ lesen Interessenten überwiegend allgemeine Marktberichte. Konkrete Zahlen findet der Anleger erst in der Bilanz im Anhang. Interessant ist, was Swisskap als Anlagevermögen angibt. Es besteht vor allem aus Unter­nehmens­beteiligungen, die 33,7 Millionen Franken wert sein sollen. Darunter ist als größter Brocken ein hochspekulatives Venture-­Capital-Investment, das mit seinem „Zukunftswert“ bilanziert ist. Das Unternehmen, eine US-Firma, die neue Technologien vermarktet, soll 25 Millionen Franken wert sein - irgendwann einmal. Finanztest hat die Swisskap auf die Warnliste Geldanlageangebote gesetzt, ebenso die WIP, die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West und die DM Beteiligungen.

Komplett + interaktiv: Die sechs Unternehmen im Überblick
Infodokument: Warnliste Geldanlageangebote der Stiftung Warentest

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