Frischer Ingwer. Er hat deutlich mehr Aroma und Scharf­stoffe als getrock­neter.

Fruchtig-scharf, leicht süß, zitronig – die Ingwer­knolle lockt mit einem exotischen Aromen­mix. Ihre ätherischen Öle und Scharf­stoffe – Gingerole und Shogoale – verleihen Gerichten eine feurige Note. Und die Knolle wird immer beliebter: Seit 2014 hat sich die Einfuhr­menge nach Deutsch­land verdoppelt. Frische Ware enthält mehr Gingerol als getrock­neter Ingwer, zeigt ein Test.

Frische Bio-Knollen aus Peru ganz vorn

Frische Ingwer­knollen bringen rund zehnmal mehr schärfegebendes Gingerol mit als getrock­nete, kandierte Ingwer-Stücke. Das ergab ein Test der Schweizer Verbraucher­zeit­schrift Saldo, in dem auch Produkte von Alnatura, Lidl und Seeberger vertreten waren. Das meiste Gingerol boten Bio-Knollen aus Peru: bis zu 0,5 Prozent.

Sorten­vielfalt: Von sehr mild bis beißend scharf

Zingiber officinale, so der bota­nische Name, stammt aus Indien oder China. Heute wird die schilf­ähnliche Pflanze vieler­orts in den Tropen angebaut. Geerntet wird ihr Wurzel­stock. Es gibt zahlreiche Sorten: Australischer Ingwer etwa gilt als sehr mild, indischer als beißend scharf. Für den Frische­verzehr werden meist unreife Knollen wenig faseriger Sorten bevor­zugt. Reife Knollen werden oft getrocknet, entrindet und pulverisiert. Sie bereichern Gewürz­mischungen wie Curry, Ras el-Hanout und Lebkuchengewürz. Als besonders gilt das feine, zitronige Aroma von Jamaika-Ingwer.

Viele Versprechen rund um Gingerol

Gingerol soll bei Schmerzen und Entzündungen helfen, auch gegen Schnupfen­viren. Solide belegt – durch Studien am Menschen – ist das meiste davon nicht. Immerhin: Einige Studien deuten diese positiven Wirkungen an, sie müssen aber noch besser erforscht werden.

Chinesischer Ingwer mit Pestiziden belastet

Achtung: Im Test der Schweizer Kollegen von Saldo fielen drei Knollen aus China negativ auf. Sie enthielten das für Bienen ­schäd­liche Insektizid Clothianidin, das im Frei­land nicht mehr einge­setzt werden darf. Zwei dieser drei Knollen waren zusätzlich mit dem Insekti­zid Bifen­thrin belastet, das laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit eventuell krebs­er­regend sein kann.

Einfuhr hat sich verdoppelt

China ist dem Statistischen Bundesamt zufolge das wichtigste Herkunfts­land für den deutschen Markt: 2019 kam mit 12 100 Tonnen mehr als die Hälfte des importierten Ingwers aus Fern­ost. Weitere Herkunfts­länder waren Peru (2 800 Tonnen) und Nigeria (1 200 Tonnen). Insgesamt hatte Deutsch­land 20 700 Tonnen Ingwer 2019 importiert, fast doppelt so viel wie noch 2014. Umge­rechnet auf die Bevölkerung verzehrt jeder Deutsche damit etwa 250 Gramm im Jahr.

Bei Übel­keit hilf­reich

Die chinesische und indische Medizin setzen Ingwer traditionell als Heil­mittel ein. Auch die Naturheil­kunde hier­zulande schätzt ihn. Belegt ist, dass Ingwer gegen Übel­keit, etwa auf Reisen oder in der Schwangerschaft, wirken kann (Medikamente im Test: Ingwer).

Tipp: Viele schwören auf Ingwer-Tee. Er wärmt – und die Scharf­stoffe lassen freier atmen. Dazu einen Teil der Knolle frisch auf­schnei­den und für etwa 10 Minuten in Wasser köcheln lassen. Oder mit kochendem Wasser über­gießen, mehrere Minuten ziehen lassen. Wegen möglicher Rück­stände Ingwer besser schälen oder zu Bioware greifen. Die war im Test frei von Pestiziden.

Mit Fleisch und Gemüse kombinieren

Frischer geriebener oder klein geschnittener Ingwer passt auch zu asiatischen Fleisch- und Gemüse­gerichten aus dem Wok oder zu Suppen, Karotten, Kürbis und Süßkartoffeln. Er ergänzt die zitronigen Noten von Zitrusfrüchten und Basilikum und fügt ihnen Schärfe hinzu. Knoblauch nimmt er das Schwef­lige. Viele schätzen ihn einge­legt als Gari zu Sushi.

Tipp: Frischer Ingwer sollte nicht lange kochen, dann verliert er an Aroma. Wer größere Stücke mitkocht und später entfernt, muss sie nicht schälen.

Diese Meldung ist am 5. Januar 2018 auf test.de erschienen. Sie wurde am 25. Januar 2021 aktualisiert.

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