Informations­blätter für Indexfonds im Test Test

Indexfonds sind für viele Anleger ideal, doch die wissen davon nichts. Denn die gesetzlich vorgeschriebenen „Wesentlichen Anleger­informationen“ sind oft keine Hilfe. Finanztest hat Informations­blätter zu 18 Indexfonds geprüft – die meisten sind eine große Enttäuschung. Die Experten der Stiftung Warentest erklären, was in einer guten Anleger­information stehen muss, und zeigen anhand konkreter Beispiele, wie man es besser machen kann.

Zum Vergleich kaum geeignet

Das Ideal sieht so aus: Anleger erhalten stan­dardisierte Informations­blätter, die sie neben­einander­legen, um Eigenschaften, Chancen und Risiken verschieden­artiger Geld­anlagen vergleichen zu können. Und das ist die traurige Wirk­lich­keit: Die von Finanztest untersuchten Informations­blätter zu 18 Indexfonds sind oft zum Davon­laufen formuliert. Der Gesetz­geber fordert in den Ausführungen zu einer EU-Richt­linie ausdrück­lich: „Jargon ist zu vermeiden“. Viele Infoblätter strotzen jedoch vor Fach­begriffen und sind sprach­lich wie inhalt­lich eine Zumutung für den Leser. Sie tragen wenig zum Verständnis und Vergleich von Geld­anlagen bei.

Verständlich schreiben ist kein Hexen­werk

Keine der untersuchten 18 Anleger­informationen schafft es auch nur ansatz­weise, die wichtigsten Eigenschaften eines Indexfonds einfach und korrekt darzustellen. Dabei geht das durch­aus. Man muss es nur wollen. Finanztest zeigt, wie man es besser macht – und hat ein Muster für die „Wesentlichen Anleger­informationen“ erarbeitet, in dem sich die gesetzlichen Anforderungen wieder­finden, das aber auch dem Anspruch auf Klarheit, Verständlich­keit und Trans­parenz gerecht wird. Zwei wichtige Abschnitte der Anleger­informationen haben wir detailliert ausgearbeitet. In der Grafik „Vorher – Nachher: Basis­informationen“ finden Sie den Abschnitt, der die Basis­informationen und Ziele des Indexfonds beschreibt, in unserer Muster-Grafik „Vorher – Nachher: Wert­entwick­lung“ geht es um den wichtigen Aspekt der Wert­entwick­lung. Aber auch auch die Risiken und Fonds­kosten lassen sich ohne weiteres so klar und verständlich beschreiben, dass der Normal­anleger etwas damit anfangen kann.

Indexfonds für viele Anleger ideal

Finanztest befürchtet, dass die verkorksten Informations­blätter Normal­anleger abschre­cken. Dabei eignen sich von allen Geld­anlagen, deren Risiko über das von Tages­geld hinaus­geht, breit streuende Indexfonds am ehesten für jeden. Indexfonds – in der Regel handelt es sich um börsen­gehandelte Fonds, sogenannte ETF (Exchange Traded Funds) – sind kostengünstig und für Anleger einfach zu verstehen, weil sie stur die Wert­entwick­lung von Aktien- oder Rentenindizes nach­zeichnen. Wer zum Beispiel den deutschen Dax regel­mäßig verfolgt, weiß auch, wie sich sein Dax-Indexfonds entwickelt.

Risiken kommen zu kurz

Das für den Anleger wohl wichtigste Thema bei Fonds ist das Risiko, auf das er sich gefasst machen muss. Die für die „Wesentlichen Anleger­informationen“ maßgebliche EU-Richt­linie schreibt eine sieben­stufige Risiko­skala vor, mit Stufe 7 als höchstem Risiko. Aktienfonds stehen aufgrund ihrer Wert­schwankungen normaler­weise auf Stufe 6 oder 7. Anleger wissen also, dass sie schlimms­tenfalls erhebliche Verluste erleiden können. Leider ist die Skala nicht fein­teilig genug, um breit anlegende Fonds von hoch­spekulativen Fonds abzu­grenzen.

Auf die falsche Fährte gelockt

Die Risiken von Aktienmärkten erleben Anleger vor allem in Gestalt von Kurs­schwankungen. Sehr hilf­reich wäre eine Angabe über den maximalen Verlust, den sie in der Vergangenheit mit einem Fonds inner­halb eines Jahres erleiden konnten. In den Informations­blättern sucht man solche Zahlen vergeblich. Immer wieder werden durch die Wort­wahl Risiken verschleiert. So lockt es Anleger auf die falsche Fährte, wenn Wert­entwick­lungen nur als „positiver oder negativer Ertrag“ etikettiert werden. In mehr als der Hälfte der Informations­blätter ist das der Fall. Ein „negativer Ertrag“ ist ein Verlust und sollte so genannt werden. In der EU-Richt­linie bleiben viele Details offen und manche Risiko­faktoren unbe­rück­sichtigt. Entsprechend dürftig sind die Anleger­informationen in diesen Punkten. Zum Beispiel ist das Währungs­risiko für die Einstufung in die Risikoklassen kein Thema.

Kuddelmuddel bei den Vorschriften

Es liegt nicht nur an den Fondsanbietern, wenn die Informations­blätter mehr Verwirrung als Nutzen stiften. Das Kuddelmuddel beginnt bei den gesetzlichen Vorgaben. Das deutsche Wert­papier­handels­gesetz macht klare Vorgaben für die Beschreibung von Aktien, Anleihen und Zertifikaten. Die Rege­lungen für Investmentfonds wurden dagegen auf EU-Ebene getroffen. Schon im Aufbau und Erscheinungs­bild sind die Informations­blätter so unterschiedlich, dass Anleger eine Einzel­aktie und einen Aktienfonds nicht miteinander vergleichen können. Für Vermögens­anlagen wie geschlossene Fonds­beteiligungen oder Genuss­rechte gibt es wieder andere Informations­blätter. Sie haben in unserem letzt­jährigen Test Vermögensanlagen: Die Anbieter informieren schlecht ebenfalls enttäuscht. Gleiches gilt für die Informationen, die Anbieter von Zins­produkten ihren Kunden freiwil­lig zur Verfügung stellen – Zinsanlagen: Produktinformationen oft trügerisch.

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