Infomatec Meldung

Das Landgericht Augsburg sprach erstmals einem Aktionär Schadenersatz aufgrund einer falschen Ad-hoc-Meldung zu (Az. 3 O 4995/00, nicht rechtskräftig). Die Vorstandsvorsitzenden der Softwarefirma Infomatec müssen einem Anleger rund 91.000 Mark zuzüglich der entgangenen Zinsen zurückzahlen.

"Noch nie hat sich ein Aktionär in der über hundertjährigen Geschichte des deutschen Aktienrechts vor Gericht gegen Vorstände durchgesetzt, die falsche Unternehmensmeldungen veröffentlicht haben", sagt Rechtsanwalt Franz Braun von der Kanzlei Rotter. Sie hat das anlegerfreundliche Urteil erstritten.

Die Firma Infomatec hatte am 20. Mai 1999 in einer Ad-hoc-Meldung den "größten Deal in der Firmengeschichte" verkündet. Der netzunabhängige Mobilfunkanbieter Mobilcom hätte an Infomatec einen Auftrag mit einem Volumen von "mindestens ca. 55 Millionen Mark" vergeben. Ende Juli 1999 kaufte der Anleger deswegen Aktien der Firma. Am 29. August 2000 gab Infomatec dann bekannt, dass der Deal mit Mobilcom nicht im erwarteten Umfang stattfinde.

Vor Gericht konnte der Kläger beweisen, dass die Vorstände von Infomatec Gerhard Harlos und Alexander Häferle schon beim Publizieren der ersten Ad-hoc-Meldung wussten, dass ein garantiertes Auftragsvolumen von 55 Millionen Mark nicht vorlag.

Das Gericht vertrat die Auffassung, dass die "Strafvorschrift für unrichtige Angaben" des Börsengesetzes (Paragraph 88) mit dem Schadenersatzparagraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches (Paragraph 823 Abs. 2) kombiniert werden kann. Nun haben auch andere Anleger, die aufgrund falscher Ad-hoc-Meldungen Aktien einer Firma gekauft haben, eine Grundlage, um ebenfalls Schadenersatz von den verantwortlichen Vorständen einzuklagen.

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