Inflationsgeschützte Anleihen Meldung

Altpapier. Binnen kurzer Zeit war das Papier mehr wert als die Summe, die darauf stand. Unser Bild zeigt, wie Arbeiter in einem Berliner Secondhand-Laden Scheine zu Altpapier bündeln

Die Inflation nagt am Geld der Sparer. Jetzt gibt es ein Mittel dagegen: inflationsgeschützte Anleihen. Ihr Zins und ihre Rückzahlung steigen mit der Inflationsrate.

Viele kennen sie von ihren Eltern oder den Großeltern, die Millionen-Mark-Scheine aus der Zeit der großen Inflation der zwanziger Jahre. Eine schlimme Geschichte: Lohn gab es täglich, die Arbeiter fuhren die Geldbündel mit der Schubkarre nachhause. Die Notenpressen liefen Tag und Nacht, Fabriken kamen mit der Papierproduktion kaum nach.

Ladenöffnungszeiten richteten sich nach der Bekanntgabe der aktuellen Wechselkurse. In Restaurants konnte sich der Preis für die Mahlzeit während des Essens verdoppeln. Pfarrer reichten für die Kollekte in der Kirche Wäschekörbe herum.

Jeder versuchte, Bargeld so schnell wie möglich in Sachwerte einzutauschen. Sämtliche Ersparnisse wurden vernichtet.

Seither haben die Währungshüter der Notenbanken viel dazugelernt. Ein solcher Preisverfall ist heute unvorstellbar, doch Inflation gibt es nach wie vor.

Im Jahr 2006 lag laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat die Preissteigerungsrate in Deutschland bei 1,8 Prozent. Der Wertverlust betrifft vor allem Geldvermögen, Bargeld in erster Linie, aber auch Geld, das in Zinspapieren angelegt ist. Sachwerte hingegen sind von Inflation weniger betroffen.

Neue Anleihen auf dem Markt

Inflationsgeschützte Anleihen Meldung

Millionen. Zur Zeit der großen Inflation druckte die Reichsbank immer mehr Geldscheine mit immer höherem Wert.

Vor Wertverlust schützen können spezielle Anleihen. Ihr Zins und ihr Rückzahlungsbetrag sind an die Inflationsrate gekoppelt. International gibt es solche Papiere schon länger. Seit einem Jahr ist auch in Deutschland eine inflationsgeschützte Bundesanleihe auf dem Markt. Sie läuft bis 2016 und ist mit einer festen Verzinsung von 1,5 Prozent pro Jahr ausgestattet.

Der Kupon ist deshalb so niedrig, weil der Inflationsausgleich extra bezahlt wird. Diesen Inflationsausgleich gibt es auf die eingezahlte Summe und auf die Zinsen.

Und so geht es: Ein Anleger investiert 1 000 Euro in die inflationsgeschützte Bundesanleihe, für die es einen festen Zins von 1,5 Prozent gibt. Nach einem Jahr erhält er zunächst 15 Euro Zinsen. Nun ist aber in demselben Jahr das Preisniveau um 1,8 Prozent gestiegen. Dafür bekommt der Anleger einen Ausgleich. 1,8 Prozent von 15 Euro sind 27 Cent. Insgesamt beträgt die Zinsausschüttung 15,27 Euro.

Würde die Anleihe zum selben Zeitpunkt fällig, bekäme der Anleger nicht nur seine ursprünglich eingezahlten 1 000 Euro zurück, sondern auch auf diese Summe einen Inflationsausgleich von 1,8 Prozent oder 18 Euro. Die Rückzahlung beträgt demnach 1 018 Euro.

Unterm Strich hat der Anleger mit der inflationsgeschützten Anleihe nach einem Jahr 1 033,27 Euro bekommen. Die tatsächliche, im Fachjargon „reale“, Verzinsung liegt allerdings trotzdem bei 1,5 Prozent – der Zuschlag von 18,27 Euro gleicht nur die Geldentwertung aus.

Eine herkömmliche Anleihe

Ein anderer Anleger, der für 1 000 Euro eine normale Bundesanleihe mit fester Verzinsung gekauft hat, bekommt bei Fälligkeit genau jene 1 000 Euro zurück, die er eingezahlt hat. Dazu kommt die von vornherein höhere Verzinsung: Hier ist der Inflationsausgleich schon eingerechnet. Er wird für die Laufzeit geschätzt.

Angenommen, unser Sparer hat vor einem Jahr für 1 000 Euro eine solche normale Anleihe mit einem Kupon von 3,3 Prozent gekauft, und diese Anleihe ist jetzt fällig. Dann bekommt er nun 33 Euro Zinsen und seine 1 000 Euro zurück.

Nach Abzug der Inflation von 1,8 Prozent bleibt unterm Strich gleich viel übrig wie bei der inflationsgeschützten Anleihe: rund 1 015 Euro.

Die normale Anleihe schneidet in diesem Fall genauso ab wie die inflationsgeschützte, weil die Marktteilnehmer zum Kaufzeitpunkt die künftige Inflation richtig geschätzt haben. Hätten sie zu viel geschätzt, wäre der Ertrag der normalen Anleihe höher ausgefallen.

Umgekehrt wäre die reale Verzinsung der herkömmlichen Anleihe gesunken, wenn die Inflation stärker ausgefallen wäre als angenommen. Bei einer Preissteigerungsrate von 2,3 Prozent hätte der Anleger nur rund 10 Euro verdient. Den Rest hätte die Inflation aufgefressen.

Die inflationsgeschützte Anleihe hätte die Inflation dagegen ausgeglichen. Sie lohnt sich immer dann, wenn die Inflationsrate stärker steigt als angenommen.

Die Inflationserwartung

Wie hoch die Inflationserwartung gerade ist, können Anleger an den Renditen der Anleihen ablesen. Die Rendite berücksichtigt, im Unterschied zum Zins, auch die Laufzeit der Anleihe und ihren Kurs.

Bei der herkömmlichen Anleihe geht die Inflationserwartung in die Rendite ein. Bei der inflationsgeschützten bleibt sie wie beim Zins außen vor. Die Preissteigerung wird ja extra ausgeglichen. Die Rendite ist hier die „reale Rendite“. Sie zeigt, was der Anleger tatsächlich verdient.

Der Renditeabstand der herkömmlichen und der inflationsgeschützten Anleihe zeigt die Inflationserwartung.

Starke Schwankungen

Seit zehn Jahren pendelt die Preissteigerungsrate in Deutschland im Jahresdurchschnitt zwischen 0,6 und 1,9 Prozent. Das ist wenig. Nach der ersten Ölkrise in den siebziger Jahren stiegen die Preise um fast 8 Prozent pro Jahr. Auch Mitte der achtziger Jahre und nach der Wiedervereinigung betrug die Teuerung über 6 Prozent.

Nahezu bei null lag sie dann Anfang 1999, knapp 3 Prozent pro Jahr betrug sie Mitte 2001 – noch vor der Einführung des Euro. Danach sank sie wieder und erreichte 2003 einen Tiefpunkt von 0,4 Prozent.

Die inflationsgeschützte Bundesanleihe bezieht sich nicht auf die Teuerung in Deutschland, sondern die der Eurozone (genau: harmonisierter Verbraucherpreisindex HVPI ohne Tabak). Weil Deutschland in Euroland aber ein großes Gewicht hat, unterscheiden sich die beiden Preissteigerungsraten kaum.

In den vergangenen zehn Jahren lag die hiesige Inflation meist ein wenig unter der in Euroland. Das kann sich künftig aber ändern, möglicherweise schon bald, falls sich die Mehrwertsteuererhöhung auf das Preisniveau niederschlägt.

Andere Inflationspapiere

Auch Frankreich, Italien und Griechenland haben Anleihen herausgegeben, die vor der Inflation der Eurozone schützen. Die Anleihen sind unterschiedlich ausgestaltet. Es ist jedoch schwer, an die genauen Bedingungen heranzukommen.

Weitere Probleme gibt es beim Kauf der Anleihen. An der Frankfurter Börse sind zwar einige gelistet, gehandelt werden sie jedoch nur unregelmäßig. Kaum eine Anleihe kommt auf ein ähnliches Handelsvolumen wie die deutsche. Die ausländischen Papiere an ihrer Heimatbörse zu kaufen, lohnt sich wiederum wegen der hohen Gebühren nicht.

Auch die USA und Großbritannien sind mit staatlichen Inflationsschutzpapieren auf dem Markt. Die Papiere lauten auf Dollar und Pfund – Vorsicht, Währungsrisiko! – und beziehen sich auf die jeweilige Landesinflation. Es ist aber wenig sinnvoll, sich hierzulande vor der britischen oder amerikanischen Inflation zu schützen.

Die große Inflation in Deutschland führte schließlich zu einer Währungsreform. Auf hundert Billionen Deutsche Mark lautete der Wert der höchsten von der Reichsbank gedruckten Banknote. Dann war Schluss. Von November 1923 an zahlten die Deutschen mit Rentenmark.

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