Geld­anlage in der Inflation

Wie mit der Inflation umgehen?

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Geld­anlage in der Inflation - Mit Sach­werten gegen die Geld­entwertung
Steigende Preise. Die Inflation dürfte noch eine Weile hoch bleiben. Was können Anleger und Verbraucher tun? © Getty Images / Ilja Erceg

Die Inflation reißt tiefe Löcher in Haus­halts­kasse und Spar­buch. Finanztest-Experte Stephan Kühnlenz sagt, worauf es jetzt ankommt.

Geld­anlage in der Inflation - Mit Sach­werten gegen die Geld­entwertung
Stephan Kühnlenz © Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Anle­gerinnen und Anleger finden derzeit ein schwieriges Umfeld vor: Die Aktienmärkte schwächeln, die Inflation frisst die mageren Zinsen für Fest­geld­anlagen auf. Stephan Kühnlenz, wissenschaftlicher Leiter des Ressorts Geld­anlage bei Finanztest, gibt Antworten auf drängende Fragen.

Hohe Energiepreise treiben die Inflation

Neueste Prognosen sehen die Inflation im Früh­jahr bei 11 Prozent. Bleibt das jetzt so?

Schwer abzu­schätzen. Wir werden uns wohl länger als gedacht mit einer hohen Inflation herum­schlagen müssen. Was wir sofort gespürt haben, waren die hohen Energiepreise. Als nächstes rollen dann die Preis­erhöhungen der Produzentenseite auf uns zu. Die Erzeuger­preise sind im August gegen­über 2021 bereits um 45,8 Prozent gestiegen. Alle, die viel Energie brauchen wie Bäcker, werden ihre Produkte teurer machen müssen. Jetzt stehen Preise im Raum – 8 Euro für ein Brot – die wären dramatisch. Im Moment sieht es so aus, dass viele mittel­stän­dische Unternehmen Energieverträge abschließen müssen, die sie zwingen, ganz schön an der Preis­schraube zu drehen. Da ist dann auch der Staat gefordert, das kann der Markt allein nicht mehr richten.

Die EZB hat die Zinsen um 0,75 Prozent­punkte ange­hoben. Was nützt das, wenn die Energiepreise weiter steigen?

Die Energiepreise direkt kann die Europäische Zentral­bank (EZB) nicht beein­flussen. Aber sie kann versuchen, die Inflations­erwartung abzu­dämpfen, um so auch eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern. Die ersten Lohn­forderungen liegen ja jetzt bei 8 Prozent. Wenn man Löhne erhöht, werden auch Güter teurer – das heizt wiederum die Inflation an. Eine Voraus­setzung für hohe Lohn­abschlüsse sind aber gute Konjunk­tur­aussichten. Und die werden durch die Zins­erhöhungen der EZB einge­trübt. Das ist ein stark psycho­logischer Effekt. Die EZB zeigt, dass sie willens ist, die Inflation zu bekämpfen. Mit höheren Zinsen wird sie die Wirt­schaft einbremsen und dafür sorgen, dass die Inflation nicht ausufert.

Spartipps

Energie. Die Preise für Öl, Gas und Strom sind am meisten gestiegen. Hier zu sparen, hilft viel. Online zeigen wir Ihnen, wie Sie den Stromanbieter wechseln und sparen können und worauf Sie bei Preiserhöhungen achten müssen. Energie und damit Kosten sparen können Sie auch mit dem Einbau einer neuen Heizung. Eventuell lohnt sich auch der Kauf spar­samer Haus­halts­geräte.

Konten. Auch bei Bank­dienst­leistungen lässt sich sparen. Online finden Sie güns­tige Girokonten und Wertpapierdepots.

Versicherungen. Prüfen Sie, ob ­Sie alle Ihre Versicherungen ­wirk­lich brauchen. Unser Versicherungs-Check hilft dabei. Schauen Sie ­außerdem, ob Sie Ihre Versicherungen nicht auch güns­tiger bekommen, das lohnt sich etwa bei der Privathaftpflicht, der Kfz-Versicherung oder der Krankenkasse.

Alters­vorsorge. Inflation bedeutet, dass Sie mehr sparen müssen, um die Kauf­kraft Ihres Vermögens zu erhalten. Prüfen Sie geförderte Verträge. Riestern lohnt sich etwa für Kinder­reiche, die Betriebsrente, wenn der Arbeit­geber hohe Zuschüsse zahlt.

Kann es sein, dass die Inflation die Folge der jahre­langen lockeren Geld­politik ist?

So einfach ist es nicht. Die Theorie lautet zwar, dass irgend­wann die Preise steigen müssen, wenn so viel Geld gedruckt wird. Aber tatsäch­lich hat es weitere Faktoren gebraucht, um diese Preissteigerungen auszulösen: den extremen Anstieg der Energiepreise zum Beispiel, die vielen Unter­brechungen der Lieferketten. Die Geldmenge auszuweiten alleine hat zumindest in der Vergangenheit nicht zu mehr Inflation geführt. Statt der Verbraucher­preise sind die Aktien­kurse und die Immobilien­preise gestiegen. Das war sicherlich auch ein Effekt der lockeren Geld­politik.

Steigende Zinsen sind schlecht für die Aktienmärkte, heißt es. Warum das?

Es gibt zwei negative Effekte. Auf der einen Seite werden sichere Anlagen attraktiver. Es lohnt sich wieder mehr, beispiels­weise in Fest­geld zu investieren. Auf der anderen Seite sind steigende Zinsen schlecht für die Konjunktur, weil dann die Kredite teurer werden; die Unternehmen haben höhere Kosten, sich zu finanzieren. Das trifft alle, wenn auch unterschiedlich hart. Auf die mitt­lere bis lange Sicht bin ich allerdings opti­mistisch, dass sich die Aktienmärkte wieder stabilisieren.

Wie der Dollarkurs sich auf den Aktienmarkt auswirkt

Der Dollar ist gestiegen. Davon haben Anleger mit Welt­fonds profitiert. Jetzt fürchten sie, dass sie Geld verlieren, wenn der Dollar wieder fällt.

Bei einem Weltaktienfonds beträgt allein der Anteil der USA knapp 70 Prozent, da liegt tatsäch­lich viel Geld in Dollar. Aber man kann nicht isoliert auf die Dollar­entwick­lung schauen. Der starke Dollar beein­trächtigt zum Beispiel die Export­industrie in den USA, weil amerikanische Produkte für andere immer teurer werden. Umge­kehrt bedeutet ein starker Dollar ja einen schwachen Euro – was wiederum für die hiesige Export­industrie ein Vorteil ist. Deren Gewinne können steigen und somit auch die Aktien­kurse. Man hat also einer­seits einen direkten Effekt – der Dollar steigt oder fällt –, aber anderer­seits auch indirekte Effekte, die das über­lagern. Wenn eines Tages der Dollar wieder fällt, dann würde das gleich­zeitig die Gewinn­aussichten der US-Export­firmen steigern.

Die Zinsen sollen ja weiter steigen. Ist Tages­geld jetzt besser als Fest­geld?

Die Tagesgeldzinsen sind im Moment noch am wenigsten gestiegen. Ich würde zumindest schon mal auf Festgeld für ein bis drei Jahre setzen. Länger würde ich mich nicht fest­legen, da bei längeren Fristen die zusätzlichen Zins­erträge nicht so hoch sind. Eine gute Idee könnte sein, das Geld auf verschiedene kürzere Lauf­zeiten zu verteilen. Das ist der Anfang einer Leiter­strategie. Leiter heißt, man teilt sein Geld in verschiedene Teil­beträge auf und legt die dann für unterschiedliche Zeiträume fest. Im Moment eben einen Teil für ein Jahr, einen für zwei und einen für drei Jahre. So kann man in Zukunft bei der Wieder­anlage auch immer von höheren Zinsen profitieren. Ein biss­chen was sollte man aber im Tages­geld behalten, für alle Fälle.

Solange die Zinsen steigen, machen auch Rentenfonds Verlust. Wie kann ich denn nun mein Risiko streuen?

Mit Festgeld, das ist bereits attraktiver geworden. Man kann auch über Rentenfonds als Beimischung wieder nach­denken. Die Zinsen sind bereits angestiegen und bilden einen Puffer für eventuelle Kurs­verluste. Wenn es zu weiteren Zins­anstiegen kommt, rutschen Anleihefonds erst einmal ins Minus. Bei extrem nied­rigen Zinsen gab es keinen Puffer, bei negativen Zinsen erst recht nicht.

Auch Gold liegt im Minus, obwohl es als der Inflations­schutz schlecht­hin gilt.

Gold war attraktiv, als die Zinsen so nied­rig waren – da hat man durch Gold­besitz nichts verloren. Jetzt verliert man allein dadurch, dass Gold keine Erträge abwirft, schon wieder fast 2 Prozent pro Jahr – verglichen mit lang laufenden Anleihen. Bei Gold spielt zudem eine Rolle, dass sein Preis in Dollar fest­gestellt wird. Auch früher haben die starken Wechsel­kurs­schwankungen den Gold­preis aus Eurosicht zeit­weise stärker beein­flusst als die Entwick­lung des Goldes selbst.

Vor Geld­wert­verlust schützen

Es heißt immer, von einer Inflation profitieren alle, die Schulden haben. Soll ich jetzt einen Kredit aufnehmen?

Für neue Kredite ist die Rechnung nicht so einfach. Die Banken versuchen natürlich, die erwarteten Preissteigerungen in die Kreditzinsen einzurechnen, deshalb haben sie die Kreditzinsen auch schneller angepasst als die Anlagezinsen. Ein großes Problem gibt es für bestehende Kredite: Wenn das Gehalt oder der Lohn nicht ähnlich steigt wie die Inflation, dann bleibt immer weniger Geld im Monat übrig. Die Lebens­haltung wird gleich­zeitig immer teurer.

Wie viel muss ich jetzt mehr sparen, damit ich später keinen Geld­wert­verlust habe?

Tatsäch­lich wäre es gut, jetzt mehr zu sparen. Leider ist das nicht immer möglich, da die Inflation ja weniger vom verfügbaren Einkommen übrig lässt. In der Theorie könnten die höheren Sparraten den Kauf­kraft­verlust in der Zukunft ausgleichen. Statt 100 Euro 110 Euro zu sparen, das wäre die richtige Devise. Viele sparen jetzt aber eher weniger. Um so wichtiger ist die richtige Struktur der eigenen Geld­anlage, zu der außer sicheren Zins­produkten auch breit streuende Aktienfonds gehören – zum Beispiel ETF auf den MSCI World. Denn wenn das Portfolio lang­fristig eine positive reale Rendite abwirft, schützt man sich vor Geld­wert­verlust.

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Heiner52 am 02.10.2022 um 15:17 Uhr
Sachwert vs. Geldwert

Eigentlich eine Binsenwahrheit, Sachwerte tragen den Wert in sich, während Geld nur für das Versprechen steht, sich davon einmal etwas kaufen zu können. Aber, zu welchem Preis in der Zukunft, ist völlig offen. Allerdings gelten diese Prinzipien nur auf lange Sicht, sonst hätten die Sachwerte nach Bekanntwerden der hohen Inflationsrate einen Sprung nach oben machen müssen. Dagegen ist der Goldpreis in US$ betrachtet, ziemlich eingebrochen, von März bei fast 2000 US$ auf 1660 US$ aktuell. Auch der Immobilienmarkt erwartet eine "Preiskorrektur", weil die zuletzt stark gestiegenen Preise mit den ebenso gestiegenen Zinsen nicht finanzierbar sind.

Profilbild Stiftung_Warentest am 30.09.2022 um 09:59 Uhr
Inflationsgeschützte Anleihe ETF

@salaro: Normale EUR-Staatsanleihen haben seit Anfang 2022 knapp 16 % verloren.
Inflationsgeschützte EUR-Anleihen knapp 8 %.
D.h.: Der Kursverlust, der bei Anleihen in einem steigenden Zinsumfeld eintritt, konnte bei Inflationsanleihen gemildert, aber nicht vermieden werden.
Die Endfälligkeitsrendite ist bei gängigen Inflationsanleihen- und EUR-Staatsanleihen-Indizes positiv.

salaro am 24.09.2022 um 22:07 Uhr
Inflationsgeschützte Anleihe ETF

Wieso laufen derzeit inflationsgeschützte Anleihe ETFs so schlecht? Die funktionsweise ist mir da noch nicht so klar? Wo sind die Tücken?

Terentino2017 am 31.08.2022 um 14:38 Uhr
Immobilien und Inflationsschutz

@nightwalker311: Zitat: "Wenn die Immobilienpreise fallen, wo habe ich dann Inflationsschutz?"
Man kann und sollte nicht von der historischen auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung schließen. Wie von der Stiftung WT vom 06.05.2022 angemerkt ist die Wertentwicklung einer Immobilie von mehreren Faktoren abhängig.
Wie die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers 2007/2008 gezeigt hat, schützten auch Kapitalanlagen in Immobilien beim Platzen einer Spekulationsblase nicht vor "Inflation" bzw. Kapitalverlust.
Für die BRD gilt jedenfalls seit 1949, dass es unabhängig vom allgemeinen Zinsniveau und der konjunkturellen Entwicklung bislang keine "fallenden Immobilienpreise" gegeben hat mit Ausnahme von Einzelfällen, wenn man eine Immobilie erwirbt und sich später herausstellt, dass die Sanierung der Immobilie erheblich teurer wird als geplant. In empirischer Hinsicht ist das Gegenteil der Fall. Die Immobilienpreise sind in manchen Regionen bzw. Städten geradezu explodiert.

Terentino2017 am 31.08.2022 um 13:33 Uhr
Eine hohe Inflation trifft alle Bürger.

@Heiner52, Zitat: "Schließlich kann nur der verlieren, der etwas hat."
In einer Wirtschaftsordnung wie der Marktwirtschaft trifft eine (sehr) hohe Inflation nicht zuletzt über das Wirtschaftswachstum am Ende alle Bürger, die einen mehr und die anderen weniger.
Inflation bedeutet steigende Preise, Geldentwertung bzw. Kaufkraftverlust. Daher sind selbstverständlich auch die Bürger von Inflation betroffen, die über sehr wenig bzw. fast kein "Vermögen" verfügen wie z. B. Empfänger von Hartz IV.
Je größer allerdings das persönliche Vermögen ist, desto einfacher ist es auch, das Vermögen auf verschiedene Kapitalanlagen (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, Aktien, Immobilien, Antiquitäten, Gold usw.) zu verteilen und damit die Risiken und Chancen zu diversifizieren. Eine einfache Variante dieser Diversifikation ist das "Pantoffel"-Portfolio der Stiftung Warentest.
Und wer derzeit ein langfristiges Baudarlehen mit niedrigem Zinssatz tilgt, profitiert sogar von einer hohen Inflationsrate.