Vermögens­strategie

Zins­anlagen: Mit und ohne Inflations­schutz

Inhalt

Für Zins­sparer sieht es zurzeit nicht gut aus. Weder Tages- noch Fest­geld bringen auch nur annähernd genügend Erträge, um den Kauf­kraft­verlust auszugleichen. Bei Zinsen von knapp über Null ergibt sich ein Realzins – der Zins nach Abzug der Inflation – von rund minus 7 Prozent.

Tages­geld und Fest­geld

Trotz Inflation und negativer Realrenditen sind Zins­anlagen wichtig als Stabilitäts­anker im Depot. Außerdem sollten Anle­gerinnen und Anleger stets eine Barre­serve von etwa drei Netto­monats­gehältern für Notfälle oder unerwartete Ausgaben vorhalten. Wir zeigen vierzehntäglich aktualisiert die besten Zinsangebote.

Kurs­verluste, wenn die Zinsen steigen

Die Zinsen für Anleihen sind zuletzt zwar gestiegen, doch auch sie liegen unter der aktuellen Inflations­rate. Ange­nommen, es bleibt bei hohen Preis­steigerungen, erleiden Anleger auch mit Euro-Rentenfonds reale Verluste. Das gilt für Rentenfonds mit Staatsanleihen, Unternehmensanleihen sowie einem Mix aus Staats- und Unternehmensanleihen. Der folgende Chart verdeutlicht die Zins­entwick­lung am Euro-Anleihen-Markt.

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Steigende Zinsen bei Anleihen haben außerdem erst einmal Kurs­verluste zur Folge. Investoren kaufen dann lieber neue, besser verzinste Papiere, die alten schlechter verzinsten ­verlieren an Wert. Das ist der Grund, weshalb Euro-Rentenfonds derzeit rote Zahlen schreiben.

Der folgende Chart zeigt die Entwick­lung der drei wichtigsten Anleihen-Indizes.

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Inflations­geschützte Anleihen

Dieser Mecha­nismus – steigende Zinsen, fallende Kurse – greift auch bei ­inflations­geschützten Anleihen. Wegen der über­raschend hohen Inflation haben sie zuletzt aber gut performt: Per Ende März 2022 haben Fonds mit solchen Anleihen eine Jahres­rendite von plus 6,5 Prozent erzielt. Bei inflations­indexierten Papieren sind Zinsen und Rück­zahlung an die Inflations­rate ­gekoppelt. Steigt die Inflation, steigen auch die Zinsen. Und aus beispiels­weise 1 000 Euro Rück­zahlung werden bei 7 Prozent Inflation nach einem Jahr 1 070 Euro.

Inflations­geschützte Anleihen können sich lohnen, wenn die Inflation stärker steigt als erwartet. Aufgepasst: Das heißt nicht, dass man mit diesen Anleihen auto­matisch eine positive ­Realrendite ­erzielt. Aktuell sind die Endfäl­ligkeits­renditen negativ.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 06.05.2022 um 11:46 Uhr
Immobilien als langfristiger Inflationsschutz

@alle: Bitte beachten Sie, dass Immobilien als Kapitalanlage als eine (sehr) langfriste Anlage zu betrachten sind. Das Ziel eines Immobilienkaufs ist auf lange Sicht eine Rendite über der Inflation zu erzielen. Ob das im Einzelfall gelingt, hängt nicht nur von der durchschnittlichen Inflation in der Zukunft ab. Ob Immobilieneigentümer die anvisierten Mietsteigerungen und am Ende einen Verkaufspreis, der ihren Vorstellungen entspricht, hängt nicht allein vom Zinsniveau der Hypothekenkredite ab.

nightwalker311 am 05.05.2022 um 21:16 Uhr
Immobilien und Inflationsschutz?

Hallo, erstmal vielen Dank für den tollen Beitrag.

Ich habe noch eine Frage:
Die Zinsen können z.B. auf 5 % steigen und bei einer Inflation von 7% würde mit -2% Realrendite sich die Staaten weiter wie bisher entschulden. Somit ist eine Zinserhöhung wahrscheintlich.

Bei einem Zinsanstieg müssten doch die Immobilienpreise fallen, da Selbstnutzer nicht mehr so viel Kredit bekommen und Investoren dann auf Anleihen mit 5% ausweichen, statt auf eine Mietrendite von z.B. 1,5% in München zu setzen. Die Mieten können alle 3 Jahre max. um 20% bis zum Mietspiegel angehoben werden. Der Mietspiegel ist der Durchschnitt aus den letzten 6 Jahren und steigt somit langsamer als die Inflation an.
Wenn die Immobilienpreise fallen, wo habe ich dann Inflationsschutz?
Wo ist da der Fehler in meinem Gedankengang?
Über einen Beitrag in der Finanztest über die Auswirkungen eines Zinsanstieges auf die verschiedenen Anlageklassen würde ich mich sehr freuen.
Ich bedanke mich und viele Grüße

nightwalker311 am 01.05.2022 um 19:21 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.01.2022 um 13:01 Uhr
Zinsanlagen und Sicherheit

@alle; @andreas.nicola: Die von Finanztest empfohlenen Zinsanlagen werden von der Stiftung Warentest als sicher bezeichnet, weil die Spareinlagen für den Fall der Pleite des Bankinstituts über das Einlagensicherungssystem der Banken geschützt sind. Das ist ein gewichtiger Unterschied zu Anlageformen, bei denen ein Kursschwankungsrisiko besteht und / oder das Risiko des Totalverlustes.
Um den inflationsbedingten Wertverlust auszugleichen können Anlegerinnen nicht allein auf Tages- und Festgeldanlagen setzen. Doch ganz verzichten können Verbraucherinnen darauf auch nicht. Zum Beispiel sollte für kurzfristige Anschaffungen Geld auf dem Tagesgeldkonto geparkt werden. Und auch für den Sicherheitsbaustein beim Anlagekonzept der Pantoffel-Strategie sollte zumindest zu einem Anteil Tagegeld dabei sein, damit Aktien-ETF zugekauft werden können.
In diesem Artikel finden Anlegerinnen Hinweise darauf, mit welchen Anlagekonzepten sie versuchen können, den inflationsbedingten Wertverlust auszugleichen.
Wichtig: Es gibt keine Anlage, die alle denkbaren Anforderungen von Verbraucherinnen erfüllen. Daher macht es Sinn, unterschiedliche Anlagen zu kombinieren.

andreas.nicola am 04.01.2022 um 09:19 Uhr
Zinsanlagen nicht sicher!

Ich finde es bemerkenswert, dass Sie sogar in einem Artikel, in dem Sie selbst darauf hinweisen, dass derzeit eine Realverzinsung von mindestens MINUS 4 Prozent besteht - das nennen Sie "schleichende Entwertung" - und die Bundesbank von weiter steigenden Inflationsraten ausgeht, immer noch behaupten, klassische Zinsanlagen seien "sicher". Sie meinen damit den Nominalwert, aber der Realwert ist doch relevant! Ich finde, Sie sollten Ihre Sprachregelung anpassen und vom SICHEREN VERLUST einer Zinsanlage sprechen.
Wenn Sie schon Zinsanlagen als Anlageklasse empfehlen, dann vermisse ich aber die inflationsindexierten Staatsanleihen. Diese haben eine niedrige Grundverzinsung, zahlen aber einen inflationsabhängigen Ausgleich. So wird der Realwert wirklich und sicher erhalten und nicht nur der Nominalwert. Inflationsindexierte Anleihen gibt es auch als ETF!