Geld­anlage in der Inflation

Sach­werte: Wohnungen, Häuser und Grund­stücke

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Inhalt

Immobilien sind Sach­werte in Reinkultur. Auf den ersten Blick bieten sie daher den idealen Schutz vor Inflation. Doch so einfach ist die Sache nicht. Durch den Boom der vergangenen Jahre sind die Immobilienpreise oft schon sehr hoch. Seit 2010 haben sich die Preise von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Wohnungen fast verdoppelt. Ein Indikator ist das Verhältnis zwischen Kauf­preis und erziel­barer Jahres­miete. Wir halten es für unattraktiv, wenn der Kauf­preis höher ist als 30 addierte Jahres­mieten.

Baupreise sind gestiegen

Für Käufer, die ein Haus oder eine Wohnung selbst nutzen oder auf einem Grund­stück neu bauen wollen, ist das nicht entscheidend. Sie profitieren von der Miet­ersparnis, vom nied­rigen Zins­niveau der Immobiliendarlehen, oft auch von staatlichen Beihilfen. Allerdings sind auch Baumaterialien teurer geworden. Die Preise für Rohbau­arbeiten an Wohn­gebäuden lagen im Februar 2022 ­bereits um 14,6 Prozent über denen des Vorjahres. Teil­weise sind Baustoffe derzeit gar nicht liefer­bar. ­

Kreditzinsen haben angezogen

Die meisten Menschen können ein Haus oder eine Wohnung nicht ohne Kredit bezahlen. Auch der wird teurer. Seit April 2020 haben sich die Zinsen für ­Finanzierungen mit 15-jähriger Zins­bindung mehr als verdoppelt. Noch sind Baukredite aber güns­tiger als vor zehn Jahren. Aufgepasst: Die Tilgung sollte man nicht zu nied­rig ansetzen. Finanztest empfiehlt eine Tilgungs­rate von mindestens 3 Prozent.

Tipp: Nehmen Sie nicht zu viel Kredit auf, mindestens 20 Prozent sollten als Eigen­kapital vorhanden sein. Unser Grenzzinsrechner zeigt, wie viel Zinsen Sie sparen, wenn Sie mehr Eigen­kapital einbringen.

Vermieter sollten auf Lage achten

Anleger, die über ein ausreichendes Vermögen verfügen und eine vermietete Immobilie kaufen wollen, sollten vor allem auf eine halb­wegs attraktive Lage achten. Es gibt Gegenden, die kaum vom Boom profitiert haben und für junge Leute als wenig attraktiv gelten.

Für Immobilien­besitzer, die zusätzliches Geld in diesem Sektor anlegen wollen, sind offene Immobilienfonds eine Alternative. Sie haben sich in den vergangenen Jahren recht solide entwickelt, wie die Tabelle offene Immobilienfonds zeigt.

Pro und Kontra

+ Sicherheit. Das in die Immobilie investierte Kapital ist vor Geld­entwertung geschützt.

+ Zins­vorteil. Durch die noch relativ güns­tigen Baukredite profitieren Käufer von der aktuellen Zins­situation.

− Neben­kosten. Die Aufwendungen für Steuern, Notar, Makler und anderes liegen meist bei mindestens 10 Prozent des Kauf­preises.

− Klumpenrisiko. Die meisten müssen den Groß­teil ihres Vermögens für den Immobilien­erwerb aufwenden. Darunter leidet die Streuung.

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Heiner52 am 02.10.2022 um 15:17 Uhr
Sachwert vs. Geldwert

Eigentlich eine Binsenwahrheit, Sachwerte tragen den Wert in sich, während Geld nur für das Versprechen steht, sich davon einmal etwas kaufen zu können. Aber, zu welchem Preis in der Zukunft, ist völlig offen. Allerdings gelten diese Prinzipien nur auf lange Sicht, sonst hätten die Sachwerte nach Bekanntwerden der hohen Inflationsrate einen Sprung nach oben machen müssen. Dagegen ist der Goldpreis in US$ betrachtet, ziemlich eingebrochen, von März bei fast 2000 US$ auf 1660 US$ aktuell. Auch der Immobilienmarkt erwartet eine "Preiskorrektur", weil die zuletzt stark gestiegenen Preise mit den ebenso gestiegenen Zinsen nicht finanzierbar sind.

Profilbild Stiftung_Warentest am 30.09.2022 um 09:59 Uhr
Inflationsgeschützte Anleihe ETF

@salaro: Normale EUR-Staatsanleihen haben seit Anfang 2022 knapp 16 % verloren.
Inflationsgeschützte EUR-Anleihen knapp 8 %.
D.h.: Der Kursverlust, der bei Anleihen in einem steigenden Zinsumfeld eintritt, konnte bei Inflationsanleihen gemildert, aber nicht vermieden werden.
Die Endfälligkeitsrendite ist bei gängigen Inflationsanleihen- und EUR-Staatsanleihen-Indizes positiv.

salaro am 24.09.2022 um 22:07 Uhr
Inflationsgeschützte Anleihe ETF

Wieso laufen derzeit inflationsgeschützte Anleihe ETFs so schlecht? Die funktionsweise ist mir da noch nicht so klar? Wo sind die Tücken?

Terentino2017 am 31.08.2022 um 14:38 Uhr
Immobilien und Inflationsschutz

@nightwalker311: Zitat: "Wenn die Immobilienpreise fallen, wo habe ich dann Inflationsschutz?"
Man kann und sollte nicht von der historischen auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung schließen. Wie von der Stiftung WT vom 06.05.2022 angemerkt ist die Wertentwicklung einer Immobilie von mehreren Faktoren abhängig.
Wie die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers 2007/2008 gezeigt hat, schützten auch Kapitalanlagen in Immobilien beim Platzen einer Spekulationsblase nicht vor "Inflation" bzw. Kapitalverlust.
Für die BRD gilt jedenfalls seit 1949, dass es unabhängig vom allgemeinen Zinsniveau und der konjunkturellen Entwicklung bislang keine "fallenden Immobilienpreise" gegeben hat mit Ausnahme von Einzelfällen, wenn man eine Immobilie erwirbt und sich später herausstellt, dass die Sanierung der Immobilie erheblich teurer wird als geplant. In empirischer Hinsicht ist das Gegenteil der Fall. Die Immobilienpreise sind in manchen Regionen bzw. Städten geradezu explodiert.

Terentino2017 am 31.08.2022 um 13:33 Uhr
Eine hohe Inflation trifft alle Bürger.

@Heiner52, Zitat: "Schließlich kann nur der verlieren, der etwas hat."
In einer Wirtschaftsordnung wie der Marktwirtschaft trifft eine (sehr) hohe Inflation nicht zuletzt über das Wirtschaftswachstum am Ende alle Bürger, die einen mehr und die anderen weniger.
Inflation bedeutet steigende Preise, Geldentwertung bzw. Kaufkraftverlust. Daher sind selbstverständlich auch die Bürger von Inflation betroffen, die über sehr wenig bzw. fast kein "Vermögen" verfügen wie z. B. Empfänger von Hartz IV.
Je größer allerdings das persönliche Vermögen ist, desto einfacher ist es auch, das Vermögen auf verschiedene Kapitalanlagen (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, Aktien, Immobilien, Antiquitäten, Gold usw.) zu verteilen und damit die Risiken und Chancen zu diversifizieren. Eine einfache Variante dieser Diversifikation ist das "Pantoffel"-Portfolio der Stiftung Warentest.
Und wer derzeit ein langfristiges Baudarlehen mit niedrigem Zinssatz tilgt, profitiert sogar von einer hohen Inflationsrate.