Infektionsschutz Meldung

Bändigen Sie die Viren: Grippe, Durchfall und andere Infektionen lassen sich durch ganz einfache Hygienemaßnahmen eindämmen, vor allem durch Händewaschen.

Wo auch immer sie hingeraten, kapern Viren menschliche Zellen und programmieren sie um: Diese produzieren nun weitere Viren, die sich im Körper ausbreiten. Doch man sieht sie nicht, man hört sie nicht, man fühlt sie nicht. Sie schwirren durch die Luft, sitzen auf Türklinken, lassen sich in Zug, Bus und U-Bahn nieder. Viren setzen sich auf den Händen fest, gelangen in Augen, Nase, Rachen oder in den Magen.

Einige können gefährlich werden

Viele Viren sind lästig, aber harmlos. Doch einige können dem Menschen gefährlich werden, ihn mit Durchfall, Fieber oder Grippe schachmatt setzen. Die meisten Menschen wissen, dass Viren durch Tröpfcheninfektion übertragen werden können und halten sich deshalb von hustenden und niesenden Zeitgenossen fern. Doch vielen ist nicht bekannt, dass sie sich auch über Krankheitserreger an den Händen anstecken können. Das ergab zum Beispiel eine Studie des Robert Koch-Instituts.

Ein überraschend einfaches Mittel

Für die Frauen und Männer, die an mehreren Diskussionsrunden über Grippe und Hygiene teilnahmen, gehörte Händewa­schen zum alltäglichen Ritual, verbunden vor allem mit Wohlgefühl und Sauberkeit. Dass sie sich durch Händewaschen auch vor Grippe schützen können, wurde ihnen erst nach einer Erläuterung der Infektionswege bewusst. Als ihnen der Zusammenhang klar war, empfanden sie es als überraschend einfaches Mittel zur persönlichen Gesundheitsvorsorge (siehe Interview).

Einfache Hygieneregeln sind zum Teil auch wegen ihrer Erfolge in Vergessenheit geraten. Der systematische Ausbau der Abwasser- und Abfallentsorgung und verbesserte sanitäre Anlagen hatten schon Ende des 19. Jahrhunderts dazu beigetragen, dass bedrohliche Seuchen wie Cholera, Typhus, Ruhr oder Diphtherie erfolgreich bekämpft werden konnten. Auch die Bedeutung der persönlichen Hygiene zum Schutz vor Krankheiten war im Bewusstsein der Bevölkerung fest verankert. Dadurch zogen sich weniger Menschen Infektionskrankheiten zu oder verstarben daran. In der Folge verbesserte sich der allgemeine Gesundheitszustand kontinuierlich. Auch die bessere Ernährung und die vereinfachte Kühlung von Lebensmitteln, die Einführung wirksamer Impfstoffe und der Antibiotika verhalfen den Menschen zu einem längeren Leben. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlängerte sich die durchschnittliche Lebenserwartung um 30 bis 35 Jahre.

Neue Bedrohungen, neue Krankheiten

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Grippeviren verändern ständig ihr Gesicht. Auf diese Weise täuschen sie das Immunsystem – das kennt die neuen Viren noch nicht und baut nur mit Verzögerung einen Schutz auf.

Wer in den vergangenen 50 Jahren aufge­wachsen ist, wurde mit den Gefahren großer Seuchen kaum konfrontiert. In letzter Zeit zeigen sich allerdings neue Bedrohungen und Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel die Lungenkrankheit Sars (Schweres Akutes Atemwegs-Syndrom), die Vogel- oder Schweinegrippe (siehe „Neue Grippe“). Durch weltweite Reiseaktivitäten wird die schnelle Ausbreitung von Krankheitserregern befördert.

Doch das menschliche Immunsystem ist zunächst überfordert. Wenn neue Keime aus anderen Teilen der Welt eingeschleppt werden, die es noch nicht kennt, baut es nur verzögert einen Schutz auf. Und auch Impfstoffe können erst dann entwickelt werden, wenn der Erreger der Infektion bekannt ist. Zudem wirken antivirale Medikamente nur bedingt und können durch zu häufigen Gebrauch zu Resistenzen führen – die Krankheitserreger werden unempfindlich.

Etliche Antibiotika zum Beispiel sind schon jetzt weniger schlagkräftig, weil die Resistenzen gegen diese Mittel zunehmen; gegen Viren wirken sie aber ohnehin nicht. Viele schon bekannte Krankheitserreger, wie Grippeviren, verändern auch immer wieder ihr Gesicht und tricksen das Immunsystem aus. Und einige Erreger sind weder durch Medikamente noch durch Impfungen allein zu bekämpfen.

Viren lauern auf den „Abnehmer“

Umso wichtiger wird in solchen Situationen die persönliche Hygiene jedes Einzelnen. Der Mensch spielt nämlich die wichtigste Rolle bei der Übertragung von Krankheitserregern, entweder im direkten Kontakt von Mensch zu Mensch, aber auch über Lebensmittel oder Gegenstände, die er anfasst. Viren und andere Krankheitserreger verharren dort längere Zeit in Wartestellung, bis sie einen „Abnehmer“ finden. Grippeviren überleben bis zu zwei Tage außerhalb des Körpers. Noroviren, die gefährliche Durchfallerkrankungen verursachen, können sogar wesentlich länger auf trockenen Oberflächen durchhalten.

Hygiene verringert das Risiko

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Krankheitserreger können an den Händen haften und von dort zum Beispiel auf Türklinken übertragen werden. Wer sie danach anfasst, kann sich anstecken, wenn die Keime über die Schleimhäute, etwa der Augen, in den Körper gelangen.

Einfache Hygieneregeln wie Händewa­schen rücken deshalb verstärkt ins Blickfeld. Dadurch wird das Risiko, sich selbst oder andere anzustecken, deutlich verringert. Dabei helfen auch weitere Schutzmaßnahmen: Abstand halten zu deutlich erkennbar Erkrankten, auf Händeschütteln und Umarmungen verzichten. Geschlossene Räume regelmäßig lüften – das vertreibt zumindest einen Teil der Krankheitserreger aus dem Fenster. Wer in die Armbeuge oder den Ärmel hustet oder niest, schützt seine Mitmenschen vor einer Infektion.

Zuhause lauern die meisten Keime in der Küche. Der beste Schutz vor Magen-Darm-Infektionen ist ein penibler Umgang mit Lebensmitteln, vor allem Geflügel und Speisen mit rohen Eiern. Küchengeräte, Arbeitsflächen und Spültücher sind sorgfältig zu reinigen. Und: Händewa­schen nicht vergessen (siehe auch Adressen).

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