Interview: Es liegt auf der Hand

Infektionsschutz Meldung

Professor Martin Exner

Professor Martin Exner ist Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn. Er glaubt, dass der Nutzen persönlicher Hygienemaßnahmen unterschätzt wird.

Warum beschäftigt sich die Wissenschaft zunehmend mit einer Banalität wie dem Händewaschen?

Wir wissen aus den Erfahrungen in der Krankenhaushygiene, dass die Hände eine ganz entscheidende Rolle bei der Infektionsübertragung spielen. Gerade mit guter Händehygiene kann man viele Infektionen vermeiden. Das gilt genauso im privaten Bereich. Aber das scheint der Bevölkerung nicht immer bewusst zu sein.

Wie können die Hände Krankheiten übertragen?

Im Alltag, in öffentlichen Einrichtungen, wenn Sie mit Bus oder Bahn unterwegs sind, nehmen Sie unter anderem Krankheitserreger mit auf. Oder wenn Sie auf die Toilette gehen und die Hände nicht richtig waschen, haben Sie Fäkalbakterien an den Händen. Die können Sie dann auf verschiedene Kontaktoberflächen und auch auf Lebensmittel übertragen. Mehr als die Hälfte der Durchfallerkrankungen entstehen im häuslichen Umfeld, zum Beispiel durch Infektionen mit Salmonellen, Campylobacter oder Rotaviren.

Wann sollte man die Hände waschen?

Wenn sie sichtbar schmutzig sind, nach Kontakt mit Verunreinigungen, nach dem Gang zur Toilette. Am besten auch, wenn Sie nachhause kommen, weil auch von außen Mikroorganismen übertragen werden, auf jeden Fall aber, bevor Sie Essen zubereiten. So schützen Sie sich selbst und andere.

Sollte man Seife benutzen?

Auf jeden Fall. Seife löst Verschmutzungen auf, schäumt sie auf und schwemmt sie dann ab. Wenn die Hände nur abgewaschen werden, löst das die Bakterien nur zum Teil ab. Etwa 20 Sekunden einseifen, dann abspülen.

Warmes oder kaltes Wasser?

Warmes Wasser löst möglicherweise etwas besser auf, auch wenn der Unterschied wahrscheinlich nicht sehr groß ist. Die meisten Menschen empfinden lauwarmes Wasser als angenehmer, das motiviert sie dann auch stärker, die Hände zu waschen.

Wie sinnvoll ist die Desinfektion der Hände?

Bei schweren Durchfallerkrankungen in der Familie oder wenn pflegebedürftige Personen im Haushalt leben, sollte man die Hände mit Alkohol desinfizieren. Auch auf Reisen, nach längeren Zugfahrten, wo viele Menschen die Oberflächen anfassen, kann es sinnvoll sein, nach dem Aussteigen die Hände zu desinfizieren. Es gibt inzwischen kleine Fläschchen mit alkoholischen Desinfektionsmitteln fürs Handgepäck.

Ist es notwendig, das Bad, die Küche oder die Türklinken regelmäßig zu desinfizieren?

Nicht generell, aber bei Durchfallerkrankungen oder um Pflegebe­dürftige und chronisch Kranke mit geschwächter Abwehr zu schützen. Denn Infektionen werden weniger über die Toilette, sondern eher über Kontaktflächen der Hände, wie Türklinken übertragen. Es gibt in der Apotheke kleine präparierte Tücher, mit denen man solche Flächen desinfizieren kann. Oder man kann ein Tuch mit Desinfektionsmittel tränken.

Kann zu viel Hygiene schaden?

Eine ausgewogene Grundhygiene wie Händewaschen schützt vor Infektionskrankheiten, die auch wieder zunehmen können, wie wir das jetzt bei der Influenza erleben. Das ist kein Übermaß an Hygiene. Dadurch können wir auch das Weiterverbreiten von Krankheitserregern unter Kontrolle halten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 726 Nutzer finden das hilfreich.