Neue Grippe: Gut gerüstet für den Ernstfall

Grippewelle. Bleibt die Neue Grippe – so die wissenschaftlich korrekte Bezeichnung für die Schweinegrippe – auf ihrer Reise von Mexiko um die Welt eher zahm, oder wird sie an Gefährlichkeit zulegen? Das weiß bisher niemand, doch sicherheitshalber stellen sich Gesundheitsinstitutionen in Deutschland auf Überraschungen ein, die mit der saisonalen Grippewelle im Herbst heranrollen könnten.

Vorbereitungen. Immerhin sind sie gut gerüstet. Die Vorbereitungen für die Bewältigung einer möglichen Krise laufen seit 2005. Seither gibt es einen Nationalen Pandemieplan, der regelt, wie die Bundesländer und Kommunen im Fall einer Epidemie reagieren. Es gibt Empfehlungen für Ärzte, Krankenhäuser und Gesundheitsämter. Krankheitsfälle werden erfasst, diagnostische Tests stehen zur Verfügung und Anti­viren-Medikamente für rund 20 Prozent der Bevölkerung liegen bereit. Große Pharmafirmen haben mit der Produktion eines Impfstoffs begonnen, der im Herbst bereitstehen soll.

Virus. Das Influenzavirus H1N1 enthält Erbgut von Viren, die bei Menschen, Vögeln und Schweinen vorkommen. Schweine gelten als klassische „Mischgefäße“, weil sie sich mit allen drei Virustypen anstecken können. Übertragen werden die neuen Viren vor allem von Mensch zu Mensch. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben die Menschen gegen den neuen Erreger bislang keinen oder nur einen geringen Immunschutz. Dennoch verliefen die meisten Infektionen bisher eher mild, dramatische Erkrankungen und Todesfälle trafen vor allem Menschen mit anderen schweren Erkrankungen wie Asthma oder Herzleiden.

Pandemie. Am 11. Juni 2009 hat die WHO die Neue Grippe zur Pandemie erklärt – sie hat sich weltweit ausge­breitet. Auf der südlichen Halbkugel der Erde ist jetzt Winter, und in Aus­tra­lien, Argentinien und Chile beispielsweise nahmen die Grippefälle explosionsartig zu. Wissenschaftler befürchten, dass H1N1 sich mit anderen Grippeviren, wie etwa dem Erreger der Vogelgrippe H5N1, zusammentun und dadurch an Aggressivität gewinnen könnte. Auch die schon bekannten Grippeviren verändern ständig ihr Gesicht, was sie immer wieder befähigt, das menschliche Immunsystem – zumindest vorübergehend – zu täuschen.

Symptome. In Deutschland waren am 28. Juli 4 445 Menschen erkrankt. Mit weiteren Fällen muss gerechnet werden. Die Symptome der Neuen Grippe ähneln denen der jährlichen saisonalen Wintergrippe: Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, manchmal auch Magen-Darm-Beschwerden.

Informationen. Das Bundesministerium für Gesundheit bietet eine kosten­lose Bürger-Hotline mit Informationen zur Neuen Grippe an: 0 800/4 40 05 50. Das Robert Koch-Institut informiert unter www.rki.de/influenza.

Dieser Artikel ist hilfreich. 726 Nutzer finden das hilfreich.