Ineas – Pleite von Versicherern Meldung

Das Unternehmen hinter den Auto­versicherungs­tarifen Ineas und LadycarOnline steckt in Zahlungsschwierigkeiten. Finanztest erklärt, wann die Versicherten jetzt selbst zahlen müssen und warum eine Pleite trotz Finanzaufsicht möglich ist.

Das gab es in Deutschland noch nie: Ein Autoversicherer kann nicht mehr zahlen. Das Landgericht Amsterdam hat die International Insurance Corporation NV (IIC) Ende Juni unter Notverwaltung gestellt. Die IIC ist der Versicherer hinter den Ineas- und LadycarOnline-Policen, mit denen in Deutschland Anfang Juli rund 50 000 Autofahrer unterwegs waren. Opfer von Unfällen mit IIC-versicherten Autos sind sicher: Für sie zahlt die Verkehrsopferhilfe, wenn sie keine Kaskoversicherung haben, keine Lohnfortzahlung bekommen oder keine Krankenversicherung ihre Behandlungskosten übernimmt.

Wenn die Vollkaskoversicherung des Unfallopfers zahlt, bleibt sein Schadenfreiheitsrabatt erhalten und es wird nicht zurückgestuft. Ineas- und LadycarOnline-Versicherte stehen dagegen dumm da. Kaskoschäden am eigenen Auto müssen sie jetzt selbst zahlen. Haftpflichtschäden können sogar zu ruinösen Ersatzforderungen führen: Wenn Versicherer des schuldlosen Opfers einspringen mussten oder Arbeitgeber Lohn fortgezahlt haben, können sie vom Unfallfahrer vollen Ersatz verlangen. Das ist nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich.

Zusätzliches Risiko: Unfallopfer können Schadenersatz auch direkt vom Verursacher fordern. Wenn sie das tun, muss der Unfallfahrer zahlen. Erst danach kann er sich an die Verkehrsopferhilfe wenden. Sie wird ihm aber nichts erstatten, was sich das Unfallopfer auch aus anderen Quellen wie der eigenen Versicherung hätte holen können.

„Weit besser als der Durchschnitt“: So hatte Finanztest das Beitragsniveau des Tarifs Ineas Basis im großen Autoversicherungsvergleich in der Ausgabe 11/2009 bewertet. Der Tarif LadycarOnline landete für die Modellkundin „Alleinfahrerin“ unter insgesamt 151 Angeboten sogar auf Platz zwei. Jetzt bleiben über die Verkehrsopferhilfe nur noch traurige Reste vom Haftpflichtversicherungsschutz. Da hilft nur: Sofort neu versichern (siehe Unser Rat).

Die Ursache der Zahlungsschwierigkeiten des Ineas- und LadycarOnline-Anbieters IIC ist nach wie vor unklar. Manche Meldungen gaben die hohe Zahl von Unfällen wegen des langen und harten Winters oder den harten Preiskampf in der Autoversicherungsbranche als Grund für die Finanznot des Unternehmens an. Der niederländische Nachrichtendienst www.zibb.nl berichtet von Anlaufverlusten in Spanien, wo die ICC ebenfalls Fuß fassen wollte. Branchenkenner vermuten: IIC gelang es trotz attraktiver Preise und gezielter Werbung nicht, genug Versicherungsverträge zu verkaufen. Zum Vergleich: Huk-Coburg und Allianz als Größte der Branche haben jeweils mehr als acht Millionen private Autoversicherungskunden in Deutschland. Dem stehen rund 50 000 Ineas- und LadycarOnline-Verträge gegenüber.

Pleiten sind „sehr unwahrscheinlich“

Eigentlich klar: Versicherer können wie jedes andere Unternehmen scheitern. Allerdings: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Versicherungsunternehmen zahlungsunfähig wird“, heißt es von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), der deutschen Aufsichtsbehörde. Alle Versicherer in Europa müssen die Aufsichtsbehörden laufend und genau über ihre Finanzen informieren. Schon bei ersten Anzeichen für Schwierigkeiten können die Beamten eingreifen und Vermögen des Versicherers sperren und den Verkauf weiterer Policen stoppen, sodass keine neuen Kosten wie Provisionsverpflichtungen entstehen können. Für die IIC war die niederländische DNB zuständig. Sie stellte schließlich den Antrag, Notverwalter einzusetzen.

Grundsätzlich haben Versicherer europaweit die gleichen Vorgaben zu beachten, erklärt Janina Clark, Sprecherin des Verbands europäischer Versicherer CEA in Brüssel. Trotzdem gibt es Unterschiede: Die Vorschriften für Bilanzierung und Rechnungslegung seien noch nicht europaweit harmonisiert, beklagt Heinrich Schradin, Professor am Institut für Versicherungswissenschaft der Uni Köln. Dadurch und durch die von Land zu Land unterschiedliche Struktur und Arbeitsweise der Aufsichtsbehörden ergeben sich dann doch Abweichungen beim Schutz vor Versicherungsinsolvenzen.

Hohe Sicherheit in Deutschland

Der deutschen Finanzaufsicht über Versicherungen attestiert Schradin ein besonders hohes Sicherheitsniveau. Probleme gab es bislang nur bei der Mannheimer Lebensversicherung. Sie geriet 2003 in Schieflage und übertrug alle Versicherungsverträge schließlich an die Protektor AG.

Ansonsten griff die Bafin nur in Einzelfällen und hinter den Kulissen ein. Genaueres verrät die Behörde nicht, sie sei bei unternehmensbezogenen Informationen zur Verschwiegenheit verpflichtet, erklärt Bafin-Sprecherin Kathi Schulten.

Genau messen ließen sich die Unterschiede im Schutz vor Versichererinsolvenzen in den verschiedenen Ländern nicht, betont Heinrich Schradin. Er sieht auch bei keinem Land deutliche Mängel. Trotzdem: Er selbst würde wichtige Versicherungsverträge nur bei Unternehmen abschließen, die der vollen deutschen Kontrolle unterliegen.

Der vollen Bafin-Kontrolle einschließlich der Finanzaufsicht unterliegen nicht nur deutsche Unternehmen wie die Allianz AG. Auch deutsche Tochterunternehmen von Konzernen wie etwa der Generali-Gruppe aus Italien, die für den Abschluss von Versicherungsverträgen in Deutschland zuständig sind, fallen darunter.

Für Unternehmen wie die IIC hat dieBafin dagegen nur eine allgemeine Rechtsaufsicht, und das auch nur neben der Aufsichtsbehörde in dem Heimatland des Unternehmens. Das gilt auch für die Unternehmen der britischen Admiral Group, die hinter den AdmiralDirekt-Autoversicherungstarifen in Deutschland stecken. Für sie hat Finanztest in Ausgabe 12/2009 ebenfalls ein weit überdurschnittlich günstiges Beitragsniveau festgestellt.

Risiko bleibt

Trotz Plänen für die weitere Verschärfung der Finanzaufsicht in Europa: Völlig ausgeschlossen sind Versicherungspleiten auch in Zukunft nicht. Kunden ausländischer Unternehmen drohen besondere Probleme, warnt der Versicherungsrechtler Achim Schmid: Wenn der Anbieter insolvent wird, müssen sie sich am ausländischen Insolvenzverfahren beteiligen, um zu retten, was zu retten ist. „Das kann schwierig und, wenn ein Rechtsanwalt nötig ist, auch teuer werden“, sagt der Mitarbeiter des Instituts für Versicherungswissenschaft in Köln. Finanztest wird für künftige Untersuchungen prüfen, ob und wie Angebote von ausländischen Unternehmen berücksichtigt werden, die nur der allgemeinen Rechtsaufsicht und nicht auch der Finanzaufsicht der Bafin unterliegen.

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