In letzter Zeit zeigen die Börsenindizes nur nach unten, aber das wird sich auch wieder ändern. Wer direkt an einem Aufschwung von Dax, Dow oder Nikkei teilhaben will, liegt mit Indexzertifikaten genau richtig.

Das Börsenfieber ist vorbei, die Fieberkurven sind geblieben. Der Börsenboom zum Ende des Jahrhunderts hat das Interesse an Börsenindizes wie dem Dax, Dow oder Nikkei geweckt.

Kein Wunder, dass immer mehr Anleger, sofern sie sich überhaupt noch für Aktien interessieren, direkt in die Indizes investieren wollen. Das können sie mit Aktienfonds, die einen Index abbilden. Das geht aber auch mit Indexzertifikaten. Finanztest hat beide Varianten unter die Lupe genommen.

Fonds oder Zertifikate

Es gibt weitaus mehr Indexzertifikate als Indexfonds. Das liegt daran, dass es für einen Anbieter viel einfacher ist, ein Zertifikat herauszugeben als einen neuen Fonds aufzulegen.

Für Fonds gelten strenge Vorschriften, die dem Emittenten einige Arbeit bescheren. Ein Zertifikat ist dagegen ruckzuck auf den Markt gebracht. Es handelt sich um eine schlichte Schuldverschreibung. Geht der Emittent Pleite, ist der Indexanleger sein Geld los.

Da die meisten Emittenten weltbe­kannte Finanzinstitute sind, ist dieser Fall unwahrscheinlich. Dennoch sind Indexfonds sicherer. Das in ihnen angelegte Vermögen würde auch eine Pleite des Emittenten überleben.

Die exakte Nachbildung eines Indexes über einen Fonds ist erst seit Sommer vergangenen Jahres möglich. Denn erst seit dem Vierten Finanzmarktförderungsgesetz dürfen Aktienfonds Einzelwerte entsprechend ihrem Indexgewicht ins Portfolio nehmen.

Früher durfte kein Einzelwert mehr als 10 Prozent des Fondsvermögens ausmachen und die Summe der mit über 5 Prozent gewichteten Einzelwerte durfte nicht über 40 Prozent liegen. Diese beiden Hürden machten zum Beispiel eine exakte Nachbildung des Dax in einem Fonds unmöglich.

Doch viele Gesellschaften nutzen die neuen Möglichkeiten noch nicht. Jedenfalls tragen viele der als Indexfonds vermarkteten Produkte ihre Bezeichnung zu Unrecht. Streng genommen sind sie allenfalls indexnahe Fonds.

Ein Teil der von uns begutachteten Indexfonds wich so stark von der In­dexentwicklung ab, dass wir sie gleich wieder herausfiltern mussten. Für ihren speziellen Anlagezweck sind solche Fonds nicht empfehlenswert.

Indexfonds für Langfristanleger

Richtige Indexfonds sind für Langfristanleger, die auf einen Index setzen wollen, aber gut geeignet. Für Anleger, die über eine kurze Zeit anlegen oder spekulieren wollen, sind Zertifikate besser.

Für die Fonds spricht, dass sie in der Regel alle Dividenden an den Anleger weitergeben. Dagegen gibt es für manche Märkte kaum Zertifikate, mit denen der Anleger Dividenden bekommt.

Wegen höherer Kosten sind die herkömmlichen Indexfonds für Anlagen über eine kurze Zeit weniger geeignet. Ausgabeaufschläge von 5 Prozent oder mehr wollen erst einmal verdient sein. Dazu kommen laufende Kosten.

Für fast alle Indexzertifikate fallen weder Ausgabeaufschläge noch Managementgebühren an. Gleiches gilt für die börsengehandelten Exchange Traded Fonds. Die Spesen für An- und Verkauf sind ähnlich wie beim Aktienhandel und richten sich nach der ausführenden Bank. Discountbroker bieten in der Regel die günstigsten Konditionen.

Wer zum Beispiel dem Dax inner­halb der nächsten Monate einen Aufschwung zutraut, aber längerfristig eher skeptisch ist, kann mit einem Zertifikat auf einige Prozent Erholung spekulieren. Er muss nur rechtzeitig verkaufen.

Zertifikate kann ein Anleger jederzeit über die Börse zum aktuellen Kurs kaufen und verkaufen. Das geht nur bei wenigen Fonds, den Exchange Traded Fonds (ETF). Alle anderen haben wie herkömmliche Investmentfonds nur eine Preisfeststellung am Tag.

Anders als Indexfonds enden Zertifikate oft spätestens mit Ablauf einer festen Laufzeit. Aber selbst so genannte Open-End-Zertifikate laufen nicht ewig. Auch wenn der Emittent kein konkretes Enddatum festlegt, kann er das Zertifikat nach einer bestimmten Mindestlaufzeit unter Einhaltung einer vertraglich festgelegten Frist kündigen.

Wir haben nur Produkte berücksichtigt, die nicht vor dem 31. März 2006 vom Markt verschwinden können.

Kein Ersatz für gute Fonds

Egal ob Fonds oder Zertifikat: Anleger sollten sich vor dem Kauf überlegen, ob ein Indexprodukt für sie das Richtige ist. Eigentlich bietet ein gemanagter Aktienfonds mehr Renditechancen.

Der Anleger bezahlt schließlich über die Fondsgebühren die Manager. Ihr Ziel sollte es sein, „den Markt“ zu schlagen. Ein Aktienfonds Deutschland sollte deshalb eine bessere Wertentwicklung schaffen als der MSCI Deutschland oder der Dax.

Zwar läuft das Gros der Fonds meist schlechter als ihr Vergleichsindex – und das über die Ländergrenzen hinweg. Doch unser monatlicher Fondstest zeigt auch, dass einige Spitzenfonds den Index in schöner Regelmäßigkeit hinter sich lassen.

Mit den richtigen Fonds fährt man also sehr wahrscheinlich besser als mit Indexprodukten.

Allerdings sind Indexprodukte besonders bequem. Wenn vor der Tagesschau verkündet wird, dass der Dax den Börsentag mit einem Plus von 1,4 Prozent beendet hat, kennt der Anleger damit auch die Wertsteigerung seines Dax-Zertifikats.

Anleger mit einem klassischen Aktien­fonds sind dagegen gut beraten, wenn sie neben dem Marktgeschehen auch die Entwicklung ihres Fonds im Vergleich zum Gesamtmarkt im Auge behalten. Nur so bemerken sie rechtzeitig, wenn etwas mit ihrem Investmentfonds nicht stimmt.

Investment nach Maß

Mit Indexprodukten kann der Anleger auch spezielle Investmentideen umsetzen. Beim Kauf eines Aktienfonds begibt er sich in die Hände der Manager. Durch Mischung verschiedener Indizes kann er selbst Fondsmanager spielen. Nur sollte er sich hinterher nicht beschweren, wenn der Plan misslingt.

In den Medien werden Dax, Dow und Nikkei als das Maß aller Börsendinge hingestellt. In Wirklichkeit haben andere Indizes längst eine größere Bedeutung.

So dienen die so genannten MSCI-Indizes der Investmentbank Morgan Stanley nicht nur Finanztest als Messlatte für den Fondstest. Auch viele Fondsmanager orientieren sich bei ihren Entscheidungen an ihnen.

Es ist erfreulich, dass inzwischen auch Privatanleger in einige MSCI-Indizes investieren können (siehe Tabelle). Denn der MSCI Deutschland spiegelt zum Beispiel die Facetten der deutschen Börsen besser wider als es Dax, MDax oder TecDax können.

Wie riskant ein Indexprodukt ist, hängt von dem Markt ab, auf den der Anleger damit setzt. Der Weltaktienmarkt ist natürlich weniger riskant als der deutsche Markt allein.

Aber der Anleger kann auch mit einem Teil seines Gelds spekulieren – als Ergänzung zu seinem langfristig ausgerichteten Fondsdepot. Schließlich haben manche Anleger immer noch ein bisschen Börsenfieber.

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