Indexfonds Test

Anbieter von Indexfonds gehen merkwürdige Wege, um Börsenindizes nachzubilden. Einige Fonds enthalten andere Aktien als der Index.

Ein Indexfonds auf den deutschen Dax, der nur aus japanischen Aktien besteht? Als wir den jüngsten Halbjahresbericht der Fondsgesellschaft db x-trackers studierten, staunten wir nicht schlecht.

Alle von der Deutsche-Bank-Tochter im Bericht aufgeführten Indexfonds bestanden vor allem aus Fernosttiteln. Nicht nur bei dem Dax-Fonds suchte man vergebens nach irgendeiner Aktie aus Deutschland.

Finanztest hat Indexfonds für den Dax30 und den Euro Stoxx 50 unter die Lupe genommen. Wir haben die Zusammensetzung der Fonds geprüft und nachgefragt, in welchem Maße Fondsgesellschaften Aktien aus dem Vermögen ihrer Indexfonds zwischenzeitlich verleihen.

Wichtig sind auch die laufenden Kosten der Fonds: Bei den günstigsten Anbietern betragen sie nur 0,15 Prozent pro Jahr, bei anderen bis zu 1 Prozent.

Not macht erfinderisch

Fondsgesellschaften, die Aktienindizes nachbilden wollen, stehen vor einem Problem. Wenn sie alle Aktien kaufen, die der Index enthält, hinkt ihr Fonds zwangsläufig hinter dem Index her. Die Fondsgesellschaft will ihre Dienste schließlich nicht kostenlos anbieten. Wenn der Fonds aber deutlich schlechter abschneidet als der Index, sind die Anleger unzufrieden.

Die Fondsgesellschaften haben nun erstaunliche Lösungen gefunden. Zwei Strategien sind uns im Test aufgefallen:

Im einen Fall investiert die Fondsgesellschaft ganz konventionell in die Aktien des Index. Sie verschafft sich jedoch Zusatzeinnahmen, indem sie Aktien aus dem Fondsvermögen für eine Weile verleiht.

Im anderen Fall investiert die Fondsgesellschaft völlig unabhängig vom Index. Ziel dieser Fonds, sie nennen sich auch Swap-ETFs, ist es, möglichst nahe an der Indexentwicklung zu bleiben.

Zu den Swap-ETFs zählen die erwähnten x-trackers. Inzwischen hat db x-trackers auch eine Reihe europäischer Aktien in seine Dax- und seinen Euro-Stoxx-50-Fonds aufgenommen, aber die Indexnachbildung bleibt unverändert künstlich. Gleiches gilt für die beiden Fonds von Lyxor.

Indexentwicklung perfekt abgebildet

Anleger, die in einem Indexfonds auch die zugehörigen Aktien finden wollen, sollten die Finger von Swap-ETFs lassen.

Für Anleger, die einfach nur an der Indexentwicklung teilhaben wollen, sind die Fonds aber interessant. Die Dax-Fonds von db x-trackers und Lyxor zeichnen sich durch sehr geringe Kosten aus und erfüllen bisher ihre Vorgabe auf den Punkt. Auf Jahressicht ist ihre Wertentwicklung fast identisch mit der des deutschen Leitindexes. Mit ihren Euro-Stoxx-50-Fonds liegen beide Anbieter sogar vor dem Index.

Kleiner Steuervorteil

Bis Ende des vergangenen Jahres hatten Indexfonds auf Swap-Basis noch einen weiteren Vorteil: Da die von den Indexunternehmen ausgeschütteten Dividenden nicht wirklich ins Fondsvermögen fließen, sondern nur als zusätzliche Wertentwicklung abgebildet werden, müssen Anleger sie nicht versteuern.

Jetzt gilt jedoch die Abgeltungsteuer: Anleger müssen Kursgewinne von Fonds, die sie nach dem Jahreswechsel gekauft haben, beim Verkauf versteuern.

Es bleibt ein kleiner Vorteil durch die Verschiebung der Steuer. Da die Dividenden nicht jährlich, sondern erst beim Verkauf des Fonds versteuert werden, haben Anleger einen Zinseszinseffekt und können etwas mehr Nachsteuerrendite erwarten.

Wie die Fonds gesichert sind

Bleibt die entscheidende Frage: Sind künstliche Indexfonds ebenso sicher wie Fonds, die den Index auf herkömmliche Weise nachbilden?

Die Antwort: Im Prinzip ja. Die Aktien im Fonds sind hier wie dort Sondervermögen, das vor einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt ist. Solange der Wert des Fondsvermögens dem aktuellen Indexstand entspricht, ist es zweitrangig, welche Aktien im Fonds stecken.

Zum Vermögen eines Swap-Fonds gehören aber nicht nur Aktien, sondern auch Verträge über das „Swap“ genannte Tauschgeschäft mit einem Geschäftspartner. Der Partner sorgt dafür, dass der Fonds der Indexentwicklung folgt (siehe Swap-ETFs).

Ginge der Geschäftspartner pleite, wären diese Papiere wertlos. Der Gesetzgeber erlaubt jedoch bei Indexfonds wie bei anderen Aktienfonds maximal 10 Prozent derart riskante Positionen. Also wären selbst im ungünstigsten Fall 90 Prozent eines Swap-Indexfonds mit Aktien hinterlegt.

Die Fondsgesellschaft db x-trackers geht inzwischen sogar einen Schritt weiter. Ihre Fonds sind nun „überbesichert“. Im Falle einer Pleite ihres Geschäftspartners, der in diesem Fall der Mutterkonzern Deutsche Bank ist, wäre der Gegenwert des Indexes stets vollständig vorhanden.

Anleger kennen ihren Fonds nicht

Ärgerlich finden wir es allerdings, wenn Anbieter nicht klipp und klar sagen, was es mit ihren Fonds auf sich hat. Im monatlichen Fondsbericht auf der Internetseite www.dbxtrackers.de ist keine Rede vom eigenwilligen Fondsinhalt.

Dort wird die aktuelle Dax-Zusammensetzung mit den Gewichtungen der Dax-Aktien angegeben. Selbst aufmerksame Leser können leicht den Eindruck gewinnen, dass tatsächlich Allianz, Eon und Siemens im Fondsvermögen enthalten sind.

Die mangelnde Transparenz ist auch für Arno Gottschalk, den Fondsexperten der Verbraucherzentrale Bremen, das eigentliche Problem der Swap-ETFs: „Anlegern muss klar werden, was in den Fonds tatsächlich enthalten ist.“

Außerdem müssten die Fondsgesellschaften ausdrücklich auf die Risiken hinweisen, die mit den Tauschgeschäften verbunden sind. Gegen die Swap-Idee selbst hat Gottschalk aber keine grundsätzlichen Einwände. Das damit verbundene Risiko sei überschaubar und nicht zwangläufig höher als bei herkömmlichen Indexfonds oder bei gemanagten Fonds: „Auch in ganz normalen Investmentfonds können Zertifikate mit einem gewissen Emittentenrisiko enthalten sein.“

Einträgliches Zusatzgeschäft

Mangelnde Offenheit kann man dagegen der Fondsgesellschaft ETFlab Investment nicht vorwerfen. Sie investiert konventionell in die Aktien eines Indexes und setzt ein Geschäft obendrauf: Sie wirbt sogar damit, dass sie ihre Aktienbestände verleiht, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen.

Auch die iShares-Fonds von Barclays Global Investors verdienen an der „Wertpapierleihe“, so der Fachbegriff. Sie steuerte bei deren Dax-Fonds laut jüngstem Rechenschaftsbericht ungefähr 0,8 Prozent zu den Fondserträgen bei.

Dass Aktien aus dem Fondsvermögen verliehen werden, ist nichts Neues. Das gibt es auch bei wohlbekannten gemanagten Fonds. Neu ist allerdings die Dimension, in der das geschieht. Der iShares Dax hatte am 30. April 2008 mehr als ein Drittel des Fondsvermögens verliehen, beim ETFlab Dax lag die Verleihquote laut Anbieterangabe vor kurzem sogar über 90 Prozent.

Das Verleihgeschäft läuft vollständig über die Börsenplattform Clearstream, die zur Deutschen Börse gehört. Die Fondsgesellschaft tritt also nicht direkt mit dem Kunden, der die Aktien leihen will, in Kontakt. Ausgeliehen werden die Aktien zum Beispiel von Banken oder Hedgefonds, die damit einen bequemen Weg haben, an den Börsen mitzumischen, ohne die Aktien extra kaufen zu müssen.

Und was passiert mit dem Sondervermögen, wenn ein Schuldner seine Aktien nicht zurückgibt – zum Beispiel, weil er pleite ist? ETFlab Investment sieht hier überhaupt kein Problem. Für die entliehenen Aktien muss der Entleiher Sicherheiten hinterlegen, zum Beispiel Staatsanleihen. Sie sind sogar mehr wert als die entliehenen Aktien selbst. Außerdem dürfen Fondsgesellschaften nicht über längere Zeit mehr als 10 Prozent des Fondsvermögens an einen einzelnen Partner verleihen. So will es das Investmentgesetz.

In der Regel kein Ausgabeaufschlag

Beim Kauf von Indexfonds sparen Anleger in aller Regel den sonst üblichen einmaligen Ausgabeaufschlag, da sie Indexfonds meist günstig an der Börse kaufen.

Oppenheim nennt für seine Fonds OP Dax-Werte und OP Euro Stoxx 50-Werte zwar einen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent. Aber auch diese Fonds sind im Börsenhandel erhältlich.

Anleger sollten aber wissen, dass auch beim Börsenkauf Kosten anfallen. Die Bank nimmt für die Ausführung der Kauf- und Verkaufsorder Gebühren. Bei Filialbanken können das 1 Prozent der Anlagesumme sein, Direktbanken sind meist viel billiger.

Ein weiterer Kostenfaktor ist der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs, der Spread. Bei den meisten Fonds aus unserer Tabelle ist er aber so gering, dass man ihn getrost vergessen kann. Das gilt auch für viele andere Fonds auf bekannte Indizes. Bei Fonds auf sehr spezielle Indizes fällt der Spread deutlich mehr ins Gewicht.

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