Noch nie war das Angebot an Fonds, die einen Index nachbilden, so groß. Finanztest zeigt, für wen sich Indexfonds eignen und welches die günstigsten Anbieter sind.

Mit Doppelgängern Geld verdienen. Auf diese Strategie setzen immer mehr Kleinanleger. Sie legen sich einen Indexfonds zu. Er imitiert einen bekannten Leitindex, zum Beispiel den Deutschen Aktienindex (Dax 30), weil er die gleiche Aktiengewichtung im Portfolio hat wie sein großes Vorbild.

Indexfonds heißen deswegen auch passiv gemanagte Fonds, weil die Investmentgesellschaft keine aktive Anlagestrategie entwickeln muss, nach der sie Aktien auswählt. Die einzige Vorgabe lautet: Kaufe die Aktien, die auch zum Index gehören.

Diese Anlagepolitik garantiert dem Anleger, dass die Wertentwicklung des Fonds nie wesentlich schlechter, aber eben auch nie besser ist als die seines Vergleichsindexes.

Immerhin ein Ergebnis, das die meisten Manager aktiv verwalteter Fonds nicht erreichen: 70 Prozent der Fonds aus dem Fondsdauertest von ­FINANZ­test schnitten in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich schlechter ab als ihr Vergleichsindex.

Zwar können Anleger mithilfe detaillierter Informationen – etwa durch die Fondstabellen von Finanztest – ihre Chancen steigern, einen überdurchschnittlich guten Fonds zu finden. Doch ein Restrisiko, dass auch Top-Fonds in Zukunft scheitern können, bleibt natürlich.

Indexfonds dagegen bieten dem Käufer mehr Sicherheit. Der Anleger weiß zudem immer, in welche Aktien sein Fonds investiert.

Viele Anleger, die schlechte Erfahrungen mit aktiv gemanagten Fonds gemacht haben, ziehen ihre Konsequenzen und interessieren sich verstärkt für die passiv gemanagten Varianten. Kein Wunder also, dass auch die Investmentbranche reagiert und verstärkt Indexfonds auflegt: Seit Anfang des Jahres hat sich ihre Zahl am deutschen Markt nahezu verdreifacht.

Egal ob Euro Stoxx 50, Dow Jones, FSTE oder MSCI World – es gibt kaum einen prominenten Index, der nicht auch als Fonds erhältlich ist. Und dies vielfach zu deutlich günstigeren Konditionen als aktiv gemanagte Fonds.

­­­Doch die günstigeren Kauf- und Verwaltungskosten allein dürfen nicht ausschlaggebend für den Kauf eines Indexfonds sein. Zunächst sollte der Anleger abwägen, ob ein solcher Fonds überhaupt zu ihm passt. Indexfonds eignen sich für bequeme Sparer, die sich nicht viel um ihre Fonds kümmern wollen. Sie müssen nach dem Kauf nur hin und wieder überprüfen, ob die gewählte Anlageregion noch zu ihrer persönlichen Strategie passt.

Ein regelmäßiger Fondscheck mithilfe der Finanztest-Fondsampel (in der originalen Hefttabelle) entfällt, weil passiv gemanagte Fonds durch ihre Indexnähe nie deutlich schlechter als ihre Messlatte sind.

Der Weg zum richtigen Indexfonds

Entscheidet sich ein Anleger dafür, auf einen Indexfonds zu setzen, muss er noch folgende Punkte klären:

  • die passende Anlageregion aussuchen,
  • den günstigsten Anbieter für diese Region finden,
  • eine günstige Kaufquelle für den gewünschten Fonds ermitteln.

Die Wahl der Anlageregion hängt stark von der Risikoneigung des Anlegers ab. Je spezieller der Markt, desto größer ist das Risiko.

Anleger, die ihr Risiko möglichst gering halten möchten, sollten auf einen weltweit anlegenden Indexfonds setzten. Für sie kommen zwei Angebote infrage: In der Spalte Anlageregion finden sie bei Aktien Welt einen Fonds von Unico (WKN 765 435) und einen der State Street Global Advisor Bank (SSGA), der unter dem Namen Balzac World Index (WKN 588 807) angeboten wird. Beide Fonds bilden den Index MSCI World nach. Allerdings nicht 1 : 1, wie es ein indexgenauer Fonds täte, sondern indexnah. Von den gut 1 500 Einzelaktien, die im MSCI vertreten sind, hat der Unico-Fonds nur etwa 600 Werte im Portfolio. Mit dieser Struktur schafft er es immerhin, den Index nahezu genau abzubilden.

Wer sich jedoch für einen indexnahen Fonds entscheidet, muss mit einem kleinen Restrisiko leben: Sein Fonds kann etwas stärker vom Index abweichen als die indexgenauen Mitbewerber. Die Wahl zwischen indexnahen und indexgenauen Angeboten haben Anleger, abgesehen vom Aktienmarkt Welt, bei allen Regionen, die in der Tabelle aufgeführt sind. Entscheiden sollte aber der Blick auf die Kosten – auf die internen Gebühren und auf den Ausgabeaufschlag.

Indexfonds mit Ausgabeaufschlag

Die internen Kosten der beiden weltweit anlegenen Fonds von SSGA und Unico ähneln sich und liegen zwischen 0,50 und 0,65 Prozent im Jahr. Große Unterschiede gibt es allerdings beim Ausgabeaufschlag. Während der Balzac Fonds von SSGA einen regulären Ausgabeaufschlag von 5,5 Prozent hat, ist der Unico-Fonds schon für 2 Prozent zu haben, sofern man ihn direkt über die Fondsgesellschaft kauft. Der Discountbroker Consors bietet dagegen den Balzac Fonds bei einer Mindestanlagesumme von 255 Euro mit einem Ausgabeaufschlag von 1,25 Prozent an. Dieser Fonds ist für Anleger, die weltweit anlegen wollen und ihren Fonds nicht über die Börse kaufen wollen, die günstigere Alternative.

Börsengehandelte Indexfonds

Während Anteile des Balzac Fonds nur direkt bei der Fondsgesellschaft oder bei Discountbrokern zu haben sind, wird der Unico auch als so genannter Exchange Traded Fund (ETF) an der Börse gehandelt. Anstatt eines Ausgabeaufschlags zahlt der Anleger hier beim Kauf über seine Bank nur die für Aktienorders übliche Provision von jeweils 1 Prozent bei Kauf und Verkauf – bei Discountbrokern häufig auch nur 0,5 Prozent. Allerdings kann es in ungünstigen Marktphasen zu einer größeren Differenz zwischen An- und Verkaufspreis kommen, dem Spread. Je weniger ein Wert gehandelt wird, desto größer ist sein Spread. Am wenigsten lohnen sich börsengehandelte Fonds für Anleger mit kleinem Geldbeutel, weil viele Banken für jede Transaktion eine Mindestgebühr berechen, die im Einzelfall höher sein kann als der Ausgabeaufschlag.

Welche Wege es zu ihrem Wunschfonds gibt, zeigt die Tabelle. Indexfonds mit einen „Ja“ in der Spalte „Börsengehandelt“ und mit einer An­gabe in der Spalte „Ausgabeaufschlag“ sind über beide Vertriebswege er­hältlich.

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