Imprägnier­mittel für Textil und Leder Test

Abperlen lassen. Eine gute Imprägnierung verhindert, dass sich der Jacken­stoff bei Regen voll­saugt. Das Wasser tropft ab.

Sprays schützen Kleidung und Schuhe besser vor Wasser und Schmutz als Sprühschäume und Mittel zum Einwaschen.

Es rauscht und kracht. In dicken Tropfen prasselt der Platz­regen herunter. Kräftige Schauer lassen sich im Freien selbst bei nied­rigen Temperaturen gut gelaunt über­stehen – voraus­gesetzt Jacke und Schuhe halten dicht. Dringt dagegen Wasser in die Kleidung ein, saugen sich Stoffe und Leder voll. Der Mensch fühlt sich unwohl. Die gute Laune verfliegt.

Damit es nicht so weit kommt, lässt sich Kleidung gegen Regenwetter imprägnieren. Zur Auswahl stehen Sprays, Schäume und sogenannte Wash-ins, die mit in die Wasch­maschine kommen. Sie alle enthalten Imprägnier­stoffe wie Fluorcarbonharze, Wachse oder Paraf­fine, die in Alkohol, Benzin oder Wasser gelöst sind. Nach dem Auftragen verdunsten die Löse­mittel und die schützenden Substanzen umhüllen Leder und Gewebefasern. Halten sie Kleidung und Schuhe wirk­lich trocken und sauber?

Sprays schützen wirk­sam

Im Test waren 18 Imprägnier­mittel vertreten, darunter Spezial­produkte für Textilien sowie Universalmittel, die sich auch für Leder eignen. Ergebnis: Schäume und Wash-Ins schützen bestenfalls befriedigend, vier sind ausreichend. Treibgas- und Pump­sprays wirken besser: Die Testsieger Deichmann Nässe Blocker und das preis­werte Imprägnol sind gut. Sieben weitere Sprays erhalten diese Note, zwei sind mittel­mäßig.

Tropfen, beregnen, mustern, wiegen

Imprägnier­mittel für Textil und Leder Test

Oben­auf. Bleibt die runde Tropfenform erhalten, dringt die Flüssig­keit nicht in die Faser ein. Die Imprägnierung wirkt.

Um zu erforschen, wie gut die Mittel wirken, müssen die Tester nicht im Regen stehen. Nur im Labor lassen sich die Qualitäts­unterschiede präzise ermitteln. Die Prüfer bringen die Imprägnierungen auf Polyester, Polyamid und Baumwolle auf, Universalmittel auch auf Lederfaser­stoffe. Sie tropfen wäss­rige Lösungen und ölähnliche Flüssig­keiten auf die behandelten Oberflächen. Bewahren die Tropfen für eine bestimmte Zeit ihre Form und werden nicht einge­sogen, hält die Imprägnierung dicht. Beim anschließenden Beregnungs­test soll das Wasser möglichst voll­ständig von den Geweben abperlen. Wie gut das gelingt, ermitteln die Tester mit Waage und scharfem Blick.

Nur wenige über­zeugen nicht

Neun Sprays schützen gut. Centralin All Spray sowie die ausreichenden Schäume von Solitaire, Gabor und Erdal halten Wasser zwar von Leder recht gut ab, Centralin auch von Polyamid. Auf Polyester und Baumwolle können sie dagegen nicht über­zeugen. Centralin fällt zudem bei öligen Verschmut­zungen durch. Hey Sport Impra Wash-In schützt nur mäßig.

Imprägnier­stoffe in der Diskussion

Als klassische Imprägnier­stoffe dienen Fluorcarbonharze (PFC). Sie weisen Wasser, Fett und Schmutz ab. Die Kehr­seite der Medaille: Einige, wie das früher gebräuchliche PFOS (Perfluoroctansulfonsäure), reichern sich im Organismus und in der Umwelt an und können die menschliche Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen. PFOS ist seit Juni 2008 verboten. Wir haben es in keinem der aktuell getesteten Produkte gefunden.

Andere PFC kommen weiter zum Einsatz – allerdings ist unklar welche. Eine Pflicht, die verwendeten Imprägnier­stoffe offen­zulegen, existiert nicht. Einige Anbieter weisen auf der Verpackung oder online auf Fluorcarbone hin, manche bestätigen ihren Einsatz auf Nach­frage, andere schwiegen sich aus. Der Einsatz von Fluorcarbonen ist umstritten. Fibertec bewirbt seinen Fluor-Wirk­stoff als neu und umwelt­schonend. Das Umwelt­bundes­amt und der Bund für Umwelt und Natur­schutz hingegen weisen auf mögliche Umwelt­belastungen auch durch alternativ einge­setzte Fluorcarbone hin.

Das Problem unserer Prüfer: Die Gruppe dieser Wirk­stoffe umfasst mehr als 800 Substanzen. Sie können nicht jede einzeln identifizieren. Hinzu kommt: Die Auswirkungen der Stoffe sind bisher nur unzu­reichend erforscht, sodass wir sie nicht abschließend bewerten können.

Auch Funk­tions­jacken brauchen Schutz

Ist die Imprägnierung von Funk­tions­kleidung durch Waschen und Abrieb dahin, saugt sich der Außen­stoff bei Regen voll. Die Jacke fühlt sich schwer an, kühlt oft unangenehm aus, dampf­förmiger Schweiß gelangt nicht mehr optimal nach außen. Ein gut imprägnierter Oberstoff unterstützt als erster Nässe­schutz die Wirkung der darunter­liegenden wasser­dichten, atmungs­aktiven Membran: Regen perlt ab, der Stoff bleibt trocken, kleine Membranschäden gleicht die Imprägnierung aus.

Imprägnier­mittel für Textil und Leder Test

Fluorfreie Produkte im Test

Vier Produkte für Textilen kommen nach Anbieter­angaben ohne Fluorchemie aus: das Pump­spray von Toko, Deichmann Hitec Schaum sowie die Wash-ins von Nikwax und Sympatex. Ihre Fähig­keit, Öl abzu­weisen, ist erwartungs­gemäß schlecht. Hier sind fluorhaltige Produkte im Vorteil. Toko bewährt sich im Beregnungs­test. Deichmann-Schaum und die Wash-ins lassen das Wasser befriedigend von Stoffen abperlen.

Nur im Freien verwenden

Fluorcarbonharze sind nicht die einzigen umstrittenen Stoffe in Imprägnier­mitteln. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu schweren Vergiftungen durch Sprays. Wir haben ihr Risiko­potenzial bewertet. Ergebnis: Richtig angewendet (Tipps) geht von den geprüften Sprays keine akute Gefahr aus. Die Mittel können aber der Gesundheit schaden, etwa wenn sie in kleinen, unbe­lüfteten Räumen einge­setzt werden. Das gilt vor allem für Treibgassprays.

Katrin Begemann, Toxikologin am Bundes­institut für Risiko­be­wertung, sagt: „Vergiftungs­effekte können auftreten, wenn das gesamte Stoff­gemisch in entsprechend kleinen Tröpf­chen als Sprüh­nebel einge­atmet wird und tief in die Lunge eindringt.“ So kleine Tröpf­chen entstünden aber nur, wenn das Mittel durch Treibgas und mit einer besonders kleinen Düse im Sprüh­kopf verteilt werde. In den getesteten Sprays haben wir keine kritischen Mengen Kleinst­partikel gemessen. Als unbe­denk­lich gelten Pump­zerstäuber, so Expertin Begemann. Sie versprühen größere Tropfen.

Sicherheit im Check

Hersteller von Sprays müssen die Gesund­heits­risiken ihrer Produkte bewerten. Das geben die Sicher­heits­empfehlungen ihres Industrie­verbands Körper­pflege- und Wasch­mittel vor. Tier­versuche sind dabei durch­aus noch üblich. Für die Stiftung Warentest verbieten sich solche Tests aus ethischen Gründen. Wir haben die Unternehmen aufgefordert, uns die Unterlagen zur Verfügung zu stellen, mit denen sie die Unbe­denk­lich­keit der von ihnen verwendeten und vermarkteten Rezepturen belegen. Zwei Toxikologen haben die einge­reichten Dokumente ausgewertet, ihre Voll­ständig­keit und Plausibilität beur­teilt. Für acht Produkte belegen die Hersteller sehr gut bis gut, warum sie sie als sicher einstufen. Bei zehn Mitteln erfüllen sie unsere Erwartungen nicht. Das betraf auch Treibgas- und Pump­sprays. Immerhin enthielten die Unterlagen Testbe­richte und Belege, dass bei richtiger Anwendung keine Vergiftungs­gefahr beim Einatmen der Sprays besteht. Ihre Note im Prüf­punkt Risiko­be­wertung: befriedigend.

Die Angaben auf der Verpackung entsprechen bei allen Produkten den Vorschriften. Darstellung und Lesbarkeit ließen sich aber zum Teil verbessern. Die winzige Schrift auf der Hey-Sport-Flasche beispiels­weise ist kaum zu entziffern. Und Granger’s versteckt die deutschen Hinweise in der Innenseite des Etiketts.

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