Imprägniermittel Test

Wer die Warnhinweise auf den Treibgasdosen und die Gebrauchsanleitungen beachtet, kann sich Atemschutzmaske und Brille sparen.

Sie schützen Leder und Textilien gegen Wasser und Schmutz. Aber sie können auch Bronchien und Lungen schädigen – soll man sie deshalb besser ganz meiden?

Es gab eine Zeit, da hatten Impräg­niersprays einen sehr schlechten Ruf: In den Jahren 1979 bis 1983 registrierten die deutschen Giftinfor­ma­tionszentren mehr als 220 akute Vergif­tungsfälle. Benutzer von Ledersprays klagten über Atemnot, Hustenreiz, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel- und Benommenheitsgefühle. Ärzte stellten Lungenentzündungen und Lungenschwellungen fest. Schließlich warnte das damalige Bundesgesundheitsamt vor Ledersprays. Sieben Produkte von verschie­denen Herstellern verschwanden danach vom Markt, und ein Warntext auf den Dosen wurde vorgeschrieben.

Auf diese Unfälle mit Ledersprays reagierten die Hersteller mit veränderten Rezepturen. Der Industrieverband Putz- und Pflegemittel verabschiedete 1987 eine später aktualisierte Technische Empfehlung zu Testmethoden der Wirkstoffe in Sprays. Seit 1985 sind keine gravierenden Gesundheitsstörungen durch Imprägniersprays mehr bekannt geworden.

Die Imprägnier-Idee

Imprägniermittel Test

Imprägnierte Kleidung, Schuhe oder andere Utensilien sollten nach dem Ein­sprühen noch eine Weile im Freien ausgelüftet werden.

Die innovative Idee klingt simpel, birgt aber auch Risiken: Bestimmte Harze, in Alkohol oder Benzin gelöst, werden durch Treibgas- oder Pumpzerstäuber als Nebel oder als Schaum auf die Bekleidung aufgetragen. Sie umhüllen Leder- und Gewebefasern und lassen kein Wasser mehr eindringen. Aber sie verkleben die winzigen Räume zwischen den Fasern nicht: Damit bleibt die „Atmungsaktivität“ von Leder oder Textilien erhalten.

Die Risiken der komfortablen Spraydosen liegen in der „Lungenbelastung“ der Sprühnebel, die abhängig ist von der Partikelgröße, der Dauer der Einwirkung und der Konzentration in der Atemluft. Diese Fragen stellen sich überhaupt nicht bei den drei Pumpschäumen und sind praktisch auch für die zwei Pumpsprays nicht relevant. Denn hier erzeugt der niedrige Verteilungsdruck keine gefährlichen Verwirbelungen von Inhaltsstoffen.

Die Tester im Dilemma

Imprägniermittel Test

Einige Hersteller haben die Gesundheitsgefährdung nach den Empfehlungen prüfen lassen. Aber stimmen die heutigen Treibgassprays tatsächlich mit diesen Rezepturen überein? Hier stecken die Tester im Dilemma: Sie müssen sich auf Herstellerangaben verlassen; sonst müssten sie die Rezepturen durch eigene Tierversuche überprüfen. Aber diese Tests verbieten sich für die Stiftung Warentest aus ethischen Gründen.

Deshalb haben wir die Hersteller aufge­fordert, durch entsprechende Testnachweise zu belegen, dass die von ihnen verwendeten und vermarkteten Rezepturen unbedenklich sind und den Empfehlungen des eigenen Industrieverbands entsprechen. Danach haben wir das mögliche toxikologische Risiko beurteilt.

Bei drei Produkten mussten wir auf ein test-Qualitätsurteil verzichten, weil wir das Risikopotenzial nicht einzuschätzen vermögen: Diese drei Hersteller sind nach Meinung unserer Experten der Empfehlung nicht ausreichend gefolgt. So haben wir die Produkte im Sinne einer nicht durchführbaren Sicherheitsprüfung auch „nicht bewertet“ (siehe Tabelle): Centralin hat gar keinen Prüfbericht für das getestete Produkt vorgelegt. Toko und Holmenkol haben uns zwar Rezepturangaben und Prüfberichte zur Verfügung gestellt. Dieses Material reicht jedoch für eine Risikobewertung der Sprays nicht aus.

Bewertet haben wir im Prüfpunkt „Kennzeichnung“ zusätzlich, ob die Warnhinweise auf den Treibgasdosen den Vorschriften entsprechen: Salamander Universal SMS, Woly Protector 3x3, Deichmann Nano Nässe Blocker und Holmenkol Textile Proof+active haben die inhaltlichen Anforderungen zwar erfüllt, doch lassen sie in Lesbarkeit und Aufmachung zu wünschen übrig. Das ist „ausreichend“.Bei Hey Sport fehlten die Hinweise, die Sprays von Kindern fern zu halten, sie nur in gut belüfteten Bereichen zu verwenden und den Kontakt mit Augen, Haut und Schleimhäuten zu vermeiden. Das ist ein Verstoß gegen die Bedarfsge­genständeverordnung und damit „mangelhaft“. Laut Hey Sport werden die Sicherheitshinweise ergänzt.

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