Impfung gegen Schweinegrippe Meldung

Die Impfaktion gegen die Neue Grippe, besser bekannt als Schweinegrippe, hat begonnen. test.de informiert.

[Update 16.12.2009]

In den meisten Bundesländern können sich Schwangere ab sofort mit einem Impfstoff ohne Wirkverstärker gegen die Schweinegrippe immunisieren lassen. Insgesamt hat die Bundesregierung 150000 Dosen des australischen Herstellers CLS Biotherapies bestellt. Die Menge der Impfdosen pro Bundesland richtet sich unter anderem nach der dortigen Geburtenzahl der vergangenen Jahre. Schwangere erhalten die Impfung beim Frauenarzt. Entweder der Arzt impft gleich in der Praxis, oder aber er stellt ein Rezept aus, mit dem sich die Frauen den Impfstoff in der Apotheke abholen und damit wieder zu ihrem Frauenarzt gehen. Informationen zum genauen Ablauf und Listen mit Frauenarztpraxen, die die Immunisierung anbieten, erfahren Schwangere bei den Gesundheitsministerien ihres Bundeslandes. Eine Übersicht mit Links zu den entsprechenden Bundesländern stellt das Bundesgesundheitsministerium bereit.

[Update 04.12.2009]

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen aktualisiert. Weiterhin gilt: medizinisches Personal, Chroniker und Schwangere sollen vorrangig gegen die Schweinegrippe geimpft werden. Danach sollten die Immunisierung folgende Personengruppen - abhängig von der Verfügbarkeit des Impfstoffs - erhalten: Menschen, die im Haushalt Kontakt zu ungeimpften Risikopersonen haben, etwa Eltern von Kindern unter sechs Monaten, (diese können nicht geimpft werden) sowie Kinder und junge Erwachsene im Alter bis zu 24 Jahren ohne Grunderkrankungen. Danach sollten auch Personen im Alter zwischen 25 und 59 Jahren geimpft werden und schließlich auch Personen ab einem Alter von 60 Jahren. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) reicht eine einmalige Impfung bei allen Altersgruppen aus.

Rückruf in Kanada

[Update 25.11.2009] Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) hat in Kanada eine Charge seines dort verwendeten Schweinegrippeimpfstoffs Arepanrix zurückgerufen. Von der entsprechenden Charge sind nach Unternehmensangaben mehr Meldungen über schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxien) bei der kanadischen Gesundheitsbehörde eingegangen als von anderen Chargen. Anaphylaktische Reaktionen reichen von leichten Hautreaktionen, Organfunktionsstörungen bis hin zum tödlichen Kreislaufversagen, dem so genannten anaphylaktischen Schock. Insgesamt sind bislang etwa 7,5 Millionen Dosen Arepanrix in Kanada verteilt worden. GSK habe die kanadischen Behörden bereits am 18. November über den Rückruf informiert. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete von einer erhöhten Anzahl allergischer Reaktionen nach der Impfung in Kanada. Bislang bleibt die WHO aber bei ihrer Empfehlung zur Impfung. GSK stellt auch den in Deutschland größtenteils verwendeten Impfstoff Pandemrix her. „Der Rückruf hat keine Auswirkungen auf Deutschland“, sagt GSK-Pressesprecherin Daria Munsel gegenüber test.de. Die Impfstoffe seien zwar sehr ähnlich, aber nicht identisch. Beide Impfstoffe hätten zudem unterschiedliche Zulassungsverfahren mit jeweils eigenen Studien durchlaufen und würden in unterschiedlichen Werken produziert - Arepanrix in Kanada, Pandemrix in Dresden. Bislang liegen die in Deutschland gemeldeten Nebenwirkungen für den Impfstoff Pandemrix nach Angaben von GSK im Rahmen der Erwartungen.

Impfstoff für Schwangere

[Update 17.11.2009] Auf dem so genannten Impfgipfel beschlossen Gesundheitsminister Philipp Rösler und seine Länderkollegen, dass Schwangere einen Impfstoff ohne Wirkverstärker (Adjuvantien) gegen die Schweinegrippe erhalten sollen. Dabei handelt es sich um den Impfstoff Panvax der australischen Firma CSL Biotherapies. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Herstellern von Influenza-Impfstoffen. Insgesamt sollen 150 000 Dosen von Panvax bestellt werden. Das reicht etwa für ein Drittel der Schwangeren. Mit der Impfung könne im Dezember begonnen werden. Voraussetzung: Der Impfstoff erhält bis Ende November die Zulassung.

Empfehlungen der Impfkommission

Die STIKO hat bereits vor einigen Wochen ihre Empfehlungen zur Impfung gegen die Schweinegrippe veröffentlicht. Danach sollen die Immunisierung vorrangig Beschäftigte in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege mit Kontakt zu Patienten und infektiösem Material, chronisch Kranke ab einem Alter von 6 Monaten (etwa Diabetiker, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkranke sowie Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen) und Schwangere erhalten. Gerade Chroniker und Schwangere haben nach Angaben der STIKO ein mehrfach erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, wenn sie an Schweinegrippe erkranken.

Keine Impfung

Wer an einer akuten und behandlungsbedürftigen Erkrankung mit Fieber (mehr als 38,5 Grad Celsius) leidet, sollte die Impfung verschieben, bis sich das Immunsystem stabilisiert hat. Ebenso sollten sich Menschen mit einer Allergie auf Hühnereiweiß nicht mit Pandemrix oder Focetria impfen lassen. Denn für die Impfstoffe wurden die Viren auf Hühnereiweiß vermehrt. Das Gleiche gilt auch für Allergien oder Überempfindlichkeiten gegen andere Bestandteile der Impfstoffe. Sprechen Sie daher vor einer Impfung mit Ihrem Arzt. Wer sich trotz bestehender Allergie oder Überempfindlichkeit auf einen der Bestandteile impfen lassen möchte, sollte abklären, ob der Arzt technisch und medikamentös aus eine Notfallbehandlung vorbereitet ist. Nach der Impfung sollten die Patienten noch mindestens eine Stunde in der Praxis bleiben.

Impfung nach Schweinegrippeerkrankung

Nach Angaben des RKI ist die Impfung auch nach überstandener Schweinegrippeerkrankung sinnvoll. Noch gebe es keine sicheren Erkenntnisse darüber, wie lange die erworbene Immunität nach einer Erkrankung anhält und ob sie tatsächlich ausreicht, um vor einer erneuten Ansteckung zu schützen. Zudem würden die Wirkverstärker des Impfstoffs auch gegen veränderte Formen des Virus schützen.

Nötige Impfdosen

Das Robert-Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut haben eine vorläufige, nach Altersgruppen differenzierte Empfehlung darüber abgegeben, wie viele Dosen notwendig sind (bezogen auf den Impfstoff Pandemrix, weitere Infos siehe Absatz „zugelassene Impfstoffe“). Danach sollten Kinder zwischen 6 Monaten und 9 Jahren zweimal mit einer halben Impfdosis für Erwachsene im Abstand von drei Wochen geimpft werden. Erwachsene über 60 Jahre sollten im Abstand von drei Wochen je eine volle Impfdosis erhalten. Für Personen zwischen 10 und 60 Jahren empfehlen die Institute zunächst nur eine Impfung. Grund: Erste Daten aus klinischen Studien lassen nach Angaben von RKI und PEI darauf schließen, dass hier eine Impfdosis zur Immunisierung ausreicht. Eine endgültige Entscheidung, ob möglicherweise eine zweite Impfung für diese Personen nötig ist, soll es in einigen Wochen nach Auswertung weiterer Daten geben.
Hinweis für Schwangere: Bis konkrete Daten über die Sicherheit der Impfstoffe speziell bei Schwangeren vorliegen, empfiehlt die STIKO hier die Impfung mit einem Spaltimpfstoff (Erklärung siehe nächster Absatz) ohne Wirkverstärker. Bislang ist ein solcher Impfstoff aber in der Europäischen Union noch nicht zugelassen. Schwangere sollten daher gemeinsam mit ihrem Arzt abwägen, ob das Krankheitsrisiko höher ist als ein mögliches Impfrisiko des herkömmlichen Schweinegrippe-Impfstoffs. Dabei sollten sie nach Angaben von RKI und PEI vor allem gleichzeitig vorliegende Grunderkrankungen und Faktoren, die zu einem höheren Infektionsrisiko mit H1N1 führen können (etwa häufiger Umgang mit Kindern und Jugendlichen) berücksichtigen.

Zugelassene Impfstoffe

Bislang hat die Europäische Kommission für drei H1N1-Impfstoffe die Zulassung genehmigt: Pandemrix (Hersteller: GlaxoSmithKline), Focetria (Hersteller: Novartis) und Celvapan (Hersteller: Baxter). Pandemrix und Focetria sind so genannte Spaltimpfstoffe, die - grob gesprochen - nur noch inaktive Teile der Krankheitserreger (Viren) enthalten. Zudem sind sie angereichert mit Wirkverstärkern (Adjuvantien). Durch die Zugabe von Wirkverstärkern benötigen die Impfstoffe weniger Antigen pro Dosis. Dadurch lassen sich in kürzerer Zeit mehr Impfdosen herstellen. Weiterer Effekt: Das Immunsystem erkennt vermutlich auch leicht veränderte Virusformen. Beim Impfstoff Pandemrix besteht der Wirkverstärker aus den natürlichen Substanzen Squalen, Vitamin E und Polysorbat. Zudem enthalten Pandemrix und Focetria den quecksilberhaltigen Konservierungsstoff Thiomersal. Im Unterschied zu den genannten Impfstoffen ist Celvapan ein so genannter Ganzvirus-Impfstoff, der ganze, inaktive Viren enthält. Wirkverstärker kommen nicht zum Einsatz. Auch den Konservierungsstoff Thiomersal enthält Celvapan nicht. Allerdings gelten Ganzvirusimpfstoffe als schlechter verträglich als Spaltimpfstoffe. Zudem kann der Körper auf den Impfstoff ähnlich stark reagieren, da er ganze abgetötete Viren enthält.

Stufenweise Impfung

In Deutschland kommt vorrangig der Impfstoff Pandemrix zum Einsatz. Einzig Bundeswehr und Bundesregierung sollen mit Celvapan geimpft werden. Der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler erklärte nach einem Treffen mit seinen Länderkollegen am 11. November, bis Ende des Monats sollen 9,3 Millionen Impfdosen Pandemrix ausgeliefert sein. Bis Ende Dezember habe der Hersteller GlaxoSmithKline insgesamt 20 Millionen Dosen zugesichert. Da diese Zahlen deutlich machten, dass nicht jeder sofort geimpft werden kann, betonte Rösler, die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission seien maßgeblich und eine stufenweise Impfung sei richtig. Zunächst sollten demnach medizinisches Personal, Schlüsselpersonal (etwa Polizisten und Feuerwehrleute) sowie Chroniker geimpft werden.

Nebenwirkungen

Damit die Impfstoffe rechtzeitig zur erwarteten zweiten Welle im Herbst/Winter zur Verfügung stehen, wurden sie in beschleunigten Verfahren zugelassen. Das heißt zwar nicht, dass die Impfstoffe nicht gründlich getestet wurden, um sicherzustellen, dass es keine unvorhergesehen Risiken gibt. Aufgrund der besonderen Situation werden Studiendaten aber weiter fortlaufend beobachtet und ausgewertet. Das heißt: Einen endgültigen Abschlussbericht gibt es noch nicht. Häufige Nebenwirkungen der drei zugelassenen Impfstoffe sind etwa Schmerzen, Rötungen und Verhärtungen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, Lymphknotenschwellungen, verstärktes Schwitzen sowie grippeähnliche Symptome. Da alle zugelassenen Impfstoffe aber bislang nur in vergleichsweise geringem Umfang getestet wurden, befürchten viele Experten, dass vereinzelt auch schwere Nebenwirkungen auftreten können, die in den bisherigen klinischen Studien noch gar nicht auftraten. Die Befürchtung: Bei neuartigen Medikamenten oder Impfstoffen würden diese Nebenwirkungen erst erkannt, nachdem viele Menschen geimpft sind. An Schwangeren etwa werden Medikamente generell aus ethischen Gründen nicht getestet.
Hinweis: Über aktuell aufgetretene Nebenwirkungen der Schweinegrippeimpfung informiert test.de auf der Folgeseite dieser Meldung: Datenbank des PEI zu Nebenwirkungen

Hygiene

Bislang verliefen die meisten Schweinegrippefälle in Deutschland und auch weltweit eher mild. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren sollte jeder auf ausreichend Hygiene achten. Einfach aber effektiv ist zum Beispiel das regelmäßige und gründliche Händewaschen mit Seife und Wasser.
Tipp: test.de gibt allgemeine Informationen zur Schweinegrippe.

Infos des Bundesgesundheitsministeriums

Über den Ablauf der Impfung gegen die Schweinegrippe entscheiden die einzelnen Bundesländer in eigener Verantwortung. Das Bundesgesundheitsministerium stellt daher Informationen zur geplanten Impfung sowie eine Übersicht mit Links zu einzelnen Bundesländern zur Verfügung.

Impfung gegen saisonale Influenza

Weiterhin gilt: Ältere und Risikopatienten sollten sich gegen die saisonale Grippe impfen lassen. Das RKI rät Zielgruppen für beide Impfungen jedoch, der Immunisierung gegen die Schweinegrippe den Vorrang zu geben. Da derzeit noch keine klinischen Daten über die gleichzeitige Immunisierung gegen Schweinegrippe und saisonale Influenza vorliegen, empfiehlt das RKI zwischen beidem Impfungen einen Abstand von zwei Wochen einzuhalten. Unter anderem deshalb, weil nur so Nebenwirkungen, die kurz nach der Immunisierung auftreten, dem jeweiligen Impfstoff zugeordnet werden können.

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